Dieser Lancia Autobianchi A112 Abarth 70 HP wurde 1985 verkauft, als die Zeit der Baureihe nach über 16 Jahren schon fast vorüber war.
Daniel Reinhard / www.zwischengas.com
19.09.2020 13:00

Der langlebige und sportliche Supermini

Mit dem A112 Abarth lancierte der unter Fiat-/Lancia-Kontrolle arbeitende Autohersteller Autobianchi einen sportlichen Kleinwagen, der auf engen Wegen auch deutlich stärkeren Sportwagen das Leben schwermachen konnte.

von
Bruno von Rotz
19.9.2020

Hätte es den Autobianchi A112 nicht gegeben, so würden sich heute wohl nicht mehr viele Leute an diese italienische Marke erinnern, die 1955 vom Velo- und Motorrad-Fabrikanten Bianchi zusammen mit Fiat und Pirelli gegründet worden war. Zwar wurden im Laufe von zwei Jahrzehnten einige innovative und attraktive Autos – darunter der Bianchina, der Stellina und der Primula – in Produktion genommen, aber diese stiessen hierzulande auf vergleichsweise wenig Interesse.

Mit dem A112 (oder A 112) war dies komplett anders. Er wurde auch in den deutschsprachigen Ländern geliebt.

Kompakte Dimensionen und wenig Gewicht machen den A112 zusammen mit der stupenden Übersichtlichkeit zu einem perfekten Landstrassen-Auto (und Stadtwagen).

Kompakte Dimensionen und wenig Gewicht machen den A112 zusammen mit der stupenden Übersichtlichkeit zu einem perfekten Landstrassen-Auto (und Stadtwagen).

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Über die Jahre kam auch beim A112 manches Kunststoff-Bauteil dazu, die 1969 präsentierte Formgebung wandelte sich aber kaum.

Über die Jahre kam auch beim A112 manches Kunststoff-Bauteil dazu, die 1969 präsentierte Formgebung wandelte sich aber kaum.

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Die Aluräder waren modellspezifisch und die Reifendimension ist 135 SR 13.

Die Aluräder waren modellspezifisch und die Reifendimension ist 135 SR 13.

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Geschickte Plattformpolitik

Im September 1969 gingen erste Fotos des neuen italienischen Minis an die Presse. Formlich orientierte sich der A112 am Mini und ein wenig am Honda N600, unter dem Blech fand sich Technik aus den Fiat-Modellen 850 (Motor) und 128 (Fahrwerk).

Ungewöhnlich sicher

Der A112 war nicht billig, aber für 7195 Franken bot er neben seiner schmucken Gestaltung auch viel passive und aktive Sicherheit. So war ein Zweikreisbremssystem mit Bremskraftregler für die Hinterräder genauso serienmässig vorhanden wie eine dreiteilig ausgelegte Zahnstangenlenkung, in drei Richtungen wirkende Türschlösser, Gürtelreifen, ein geschützt untergebrachter Tank mit seitlich angebrachten Benzineinfüllstutzen, Gurtbefestigungspunkte für alle Sitze, gepolsterte Interieurteile oder ein elastisch montierter Aussenspiegel.

Abarth mit Leistungsplus

Bereits im September 1971 erhielt der erfolgreiche A112 zwei Geschwister, nämlich den A112E und den A112 Abarth. Während der «E» mehr Luxus bot, gab es dank Unterstützung von Carlo Abarth beim A112 Abarth 32 Prozent mehr Leistung und 19 Prozent mehr Drehmoment. Aussen war die Abarth-Version am Mattschwarz der Kühlerhaube und einem anders gestalteten Kühlergrill zu erkennen, innen freuten sich Sportfahrer an einem Dreispeichenlenkrad und einer deutlich umfangreicheren Instrumentierung.

Mit dem grösseren Motor wurde der A112 zum 150-km/h-Auto, allerdings war er auch teurer geworden, denn 10’790 Franken mussten dafür berappt werden. Entsprechend rekrutierten sich die Käufer eher aus der Sportfahrerfraktion. Eine schon bald nachgelieferte «70 HP»-Version mit 1050 cm3 Hubraum leistete dann echte 70 PS für ein paar hundert Franken mehr und lief über 160 km/h. Sie wurde wie auch andere A112-Modelle bis 1985/1986 gebaut. Insgesamt wurden über 1,2 Millionen A112 produziert, der Name Autobianchi wurde Schritt für Schritt durch Lancia ersetzt.

An Bord eines der letzten Exemplare

Mit seinen Alurädern, der halbdurchsichtigen Heckblende, dem tief angebrachten Kennzeichen hinten und den roten Sicherheitsgurten ist der gefahrene A112 Abarth 70 HP sofort als Exemplar der siebten Serie zu erkennen. Im Innern fällt das Zweispeichenlenkrad, vor allem aber die umfangreiche Instrumentensammlung auf, auch wenn man auf die klassischeren Runduhren der früheren Serien verzichten muss. Gestartet wird der Abarth per Zündschloss rechts vom Lenkrad, fünf Gänge wollen mit dem Schalthebel sortiert werden. Das etwas «gummige» und zuweilen unexakte Schaltgefühl erinnert an den frühen Fiat Panda. Mit etwas Gewöhnung gelingt es aber immer, den richtigen Gang zu treffen, und häufige Gangwechsel sind durchaus an der Tagesordnung, wenn es sportlich vorwärtsgehen soll. Die 70 Pferdchen nehmen es mit 700 kg Leergewicht locker auf, der Motor brüllt dann lustvoll auf. So ging Fahrspass vor 35 Jahren!

Weitere Informationen, viele Bilder und ein Tonmuster zum Autobianchi A112 Abarth 70 HP gibt es auf www.zwischengas.com.

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8 Kommentare
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Stephanli

19.09.2020, 16:04

Schönes Auto. Vor allem beim Grössenvergleich mit dem BMW X5 schön zu sehen, die Autos hatten früher noch Charakter. Der BMW wirkt extrem langweilig und wie ein Koloss. Schade ist die Autowelt heute so unnatürlich aufgeblasen.

Heinz

19.09.2020, 15:41

"langlebig" ist schlicht gelogen. Unser A112 ist innert weniger Jahre durchgefault und in seine Bestandteile zerfallen. Das Einzige wirklich Praktische an diesem Wagen war das kleine Glasdreieck bei den vorderen Scheiben. Damit sind die positiven Punkte aber abschliessend aufgezählt.

Coole Zeiten

19.09.2020, 14:36

In den Seealpen habe ich damit einmal ein Rennen gegen einen R5 Turbo gewonnen. Es ging bergrunter auf einer unasphaltierten strasse und alle 100 meter eine U-Kurve. Entscheidend war dann ein Rinnsal über den ich rüberkrachte während der tiefergelegte R5 abbremste.