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Hockeyfieber im EmmentalDer Langnauer Giel mit dem «Tigerknebeli»

Metzger Horisberger wurde 1976 mit Langnau Meister. Vor dem ersten Playoff-Heimspiel der Clubgeschichte blickt der Meisterstürmer zurück.

von
M. Gilliand und B. Wermuth

Michael Horisberger lässt in der Ilfishalle in Langnau die Vergangenheit aufleben. (Video: 20 Minuten Online)

Fast auf den Tag genau fünfunddreissig Jahre ist es her, seit sich der Schlittschuhclub Langnau im alles entscheidenden Spiel gegen den EHC Biel am Abend des 2. März vor 5800 Zuschauern in der neu überdachten Ilfishalle den ersten und bisher einzigen Schweizermeistertitel im Eishockey holte – in einer Zeit, als in der Schweiz noch keine Playoffs gespielt wurden. Michael Horisberger, damals 22-jährig, erzielte als Stürmer das vorentscheidende 3:0. «Die Erinnerung an diese Zeit lässt das Blut schon ein wenig schneller zirkulieren», gesteht Horisberger im Video.

Ausser dem kanadischen Spielertrainer Jean Cusson – er war damals der einzige Profi im Team –, den Torhütern Michael Horak (ZSC) und Edi Grubauer (Rotblau Bern) sowie dem Stürmer Heinz Huggenberger (Burgdorf) stammten alle Spieler aus Langnau. Für «üser Giele», wie sie von der Dorfbevölkerung liebevoll genannt wurden, war dies nicht immer ein Vorteil. «Nach einem schlechten Match wurde man beim Einkaufen im Dorf manchmal heftig kritisiert», erzählt Horisberger. Zuweilen habe er sich gefühlt, als ob er in einem Team mit 7000 Trainern spielen würde. «Jeder wusste immer noch ein bisschen besser, wie Eishockey geht».

Dem ersten Playoff-Heimspiel sieht der Meister-Stürmer von 1976 gelassen entgegen. Sein Rat ans Team: «Mit Leidenschaft gut defensiv arbeiten, Körpereinsatz zeigen, die Scheibe vors Tor spielen und etwas mehr nachsetzen als am Samstag in Bern». Sein Tipp: Ein 3:1 für die SCL Tigers.

Schlafen bis um drei und danach ein Entrecôte

Heute führt «Hori» zusammen mit seiner Ehefrau die 1920 von seinem Grossvater gegründete Pferde- und Schweinemetzgerei Horisberger und betreut daneben bei den SCL Tigers als Cheftrainer die Miniabteilung. Weit herum bekannt sind die «Tigerknebeli», eine Wurst aus Pferde- und Schweinefleisch, mit welcher Horisberger nach dem Hockey-Meistertitel die zweite Goldmedaille seines Lebens gewann – bei einem Wettbewerb unter Metzgern. Die Rezeptur für die Wurst bleibt sein Geheimnis. Dafür verrät er 20 Minuten Online, wie er sich als Eishockeyspieler jeweils auf einen Match vorbereitete: «Bis um drei Uhr hatte ich Bettruhe, um halb vier musste meine Frau das Entrecôte zubereiten, so dass ich um zwanzig vor vier essen konnte.» Unmittelbar nach der Mahlzeit machte man sich gemeinsam und wortlos auf den Weg nach Langnau. «Wehe, sie redete mit mir – dann war es nicht gut!»

Ausschnitte aus dem Meister-Spiel vom 2. März 1976

Originalaufnahmen aus dem alles entscheidenden Spiel SC Langnau – EHC Biel vom 2. März 1976. Beachten Sie das vorentscheidende Tor zum 3:0, welches von Michael Horisberger (Nummer 9) erzielt wird.

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(Video: SF)

Die Tigers und der SCB laufen heute um zum ersten Langnauer Playoff-Heimspiel in der Ilfishalle auf.

Zur Person:

Michael Horisberger, geboren am 06.03.1954, war langjähriger Spieler beim SC Langnau. 1984/85 spielte er eine Saison bei Ambri Piotta. Seine Karriere beendete er bei Signau in der 1. Liga.

Das SCL-Meisterteam von 1976

Tor

Michael Horak (37)

Edi Grubauer (22)

Verteidigung

Ernst Luthi (22)

Res Meyer (22)

Hansruedi Tanner (27)

Peter Blaser (23)

Jurg Lehmann (21)

Peter Lehmann (30)

Sturm

Fritz Lehmann (31)

Hans Wuthrich (30)

Alfred Lehmann (30)

Simon Schenk (30)

Werner Lengweiler (29)

Heinz Huggenberger (28)

Rolf Tschiemer (25)

Michael Horisberger (22)

Jurg Berger (22)

Alfred Hutmacher (21)

Peter Wuthrich (20)

Alfred Bohren ((20)

Bruno Haas (19)

Jean Cusson (33)

Trainer und Technische Kommission

Jean Cusson

Hans Brechbuhler

Max Liniger

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