Juan Martín del Potro: Der Leidgeprüfte feiert seine Auferstehung
Aktualisiert

Juan Martín del PotroDer Leidgeprüfte feiert seine Auferstehung

Juan Martín del Potro kann sich am Sonntag zum Tennis-Olympiasieger krönen – und sein Gegner Andy Murray Geschichte schreiben.

von
Kai Müller
Rio
1 / 4
Ungläubig und ergriffen: Juan Martín del Potro steht im Olympiafinal.

Ungläubig und ergriffen: Juan Martín del Potro steht im Olympiafinal.

epa/Jeon Heon-kyun
Der Argentinier ringt Rafael Nadal nach über drei Stunden 5:7, 6:4, 7:6 nieder.

Der Argentinier ringt Rafael Nadal nach über drei Stunden 5:7, 6:4, 7:6 nieder.

epa/Michael Reynolds
Damit stoppt er den Lauf des Spaniers, der am Freitag bereits im Doppel Gold holte. Nadal spielt nun um Bronze.

Damit stoppt er den Lauf des Spaniers, der am Freitag bereits im Doppel Gold holte. Nadal spielt nun um Bronze.

epa/Michael Reynolds

Was hatte er bittere Tränen vergossen, als ihn Roger Federer vor vier Jahren im epischen Olympia-Halbfinal von London niedergerungen hatte. Nun, auf dem Centre Court von Rio, diesmal nach einem Krimi gegen Rafael Nadal, durfte sich Juan Martín del Potro in der Runde der letzten vier als Sieger feiern lassen. Selbst das brasilianische Publikum huldigte dem Argentinier, dessen Anhänger zuvor während über drei Stunden konsequent ausgebuht worden waren. Del Potro kniete auf den Boden und küsste das i-Pünktchen auf dem «Rio2016»-Signet. Er hatte es geschafft und nach Topfavorit Novak Djokovic auch den Spanier eliminiert, 5:7, 6:4, 7:6.

Der Turm aus Tandil, so sein Spitzname, bewahrte die Ruhe, nachdem er im Entscheidungssatz bei 5:4 zum Matchgewinn serviert hatte und gebreakt worden war. Er bewahrte auch die Ruhe, als er im folgenden Game drei Breakbälle vergab. Stattdessen liess er ein brillantes Tiebreak folgen. «Es ist so hart, gegen Rafa zu spielen, er gibt einfach nie auf», sagte der 27-Jährige. «Ich versuchte, im Tiebreak aggressiv zu sein und mit der Vorhand Winner zu schlagen. Das hat am Ende grossartig geklappt.»

Wie ein Traum

Der Bronzegewinner von 2012 greift am Sonntag nach seinem zweiten ganz grossen Titel. 2009 hatte er im US-Open-Final in einem unvergessenen Match Federer besiegt, ehe ihn langwierige Handgelenkverletzungen immer wieder zurückwarfen. Zuletzt war del Potro nach elfmonatiger Pause im vergangenen Februar auf die Tour zurückgekehrt.

Umso ungläubiger macht ihn sein aktueller Lauf. «Es ist wie ein Traum. Es kommen nach jedem Match so viele Emotionen hoch, das übertrifft wohl selbst das US Open damals», sagte er und wollte unbedingt noch etwas loswerden: «Das Publikum bringt mich hier jedes Mal zum Weinen. Ich möchte mich dafür bedanken.»

Schafft Murray das Double?

Del Potros Finalgegner ist kein Geringerer als Andy Murray. Der Brite schickt sich an, zum Profiteur von Novak Djokovics seltenen Niederlagen an bedeutenden Turnieren zu werden. Murray hatte im Juli bereits in Wimbledon triumphiert, nachdem der Serbe in der dritten Runde sensationell am Amerikaner Sam Querrey gescheitert war. Dem Weltranglistenzweiten winkt eine einmalige Chance: Er könnte als erster Tennisspieler überhaupt zum zweiten Mal Gold im Einzel holen, und dies erst noch hintereinander. 2012 hatte er Federer auf dem Rasen von Wimbledon keine Chance gelassen.

Nach zuvor zwei hart erarbeiteten Siegen gegen den Italiener Fabio Fognini und den Amerikaner Steve Johnson steigerte sich Murray im Halbfinal von Rio gegen den Japaner Kei Nishikori (ATP 7) erheblich. Das Resultat: 6:1, 6:4. «Ich musste mich zusammenreissen, weil ich am Freitagabend noch im Mixed gespielt (und verloren) hatte. Ich habe sehr gut aufgeschlagen und auch sonst stark gespielt. Das war mein mit Abstand bester Match diese Woche», resümierte der Schotte.

Nun, mit der historischen Gelegenheit vor Augen, will er sich nicht mehr aufhalten lassen. «Ich bin glücklich, dass ich eine Medaille auf sicher habe», sagte er, «aber das Ziel ist Gold.»

Deine Meinung