Losziehung zum zweiten: Der letzte Akt im Tessiner Wahltheater
Aktualisiert

Losziehung zum zweitenDer letzte Akt im Tessiner Wahltheater

Am Freitag Mittag steht endlich fest, wer für die Tessiner CVP in den Nationalrat zieht. Wie es dazu kam, ist an Kuriosität kaum zu überbieten.

von
Jessica Pfister
Am Freitag nimmt das Theater endlich ein Ende: Dann ist klar, ob Marco Romano oder Monica Duca Widmer den zweiten CVP-Nationalratssitz für das Tessin ergattert.

Am Freitag nimmt das Theater endlich ein Ende: Dann ist klar, ob Marco Romano oder Monica Duca Widmer den zweiten CVP-Nationalratssitz für das Tessin ergattert.

Es ist der vorerst letzte Akt im Tessiner Theater um die CVP-Nationalratskandidaten Monica Duca Widmer und Marco Romano. Wie die Tessiner Staatkanzlei am Donnerstag auf Anfrage bestätigte, entscheidet am Freitag Mittag um 12.30 Uhr zum zweiten Mal das Los, wer von den beiden als zweiter Vertreter der CVP Tessin in die grosse Kammer einzieht. Duca Widmer und Romano erhielten bei den Nationalratswahlen vom 23. Oktober exakt gleich viele Stimmen.

Wie genau das Losprozedere vonstatten gehen wird, konnte der Tessiner Staatskanzler Giampiero Gianella nicht sagen. «Wir sind noch am Organisieren», so Gianella gegenüber 20 Minuten Online. Klar ist, dass drei Tessiner Regierungsräte, die alle nicht der CVP angehören, bei der Losziehung dabei sein werden. Eingeladen sind zudem die beiden Kandidaten. Die Ziehung muss per Hand erfolgen. Werden also kleine Zettel in eine Glasschüssel geworfen, wie bei der Auslosung von Fussballturnieren? «Es wird sicher etwas moderner als mit Zetteln», so Gianella.

«Mich wundert nichts mehr»

Kurios ist nicht nur das Prozedere, sondern auch die Tatsache, dass die Staatskanzlei Ende Oktober schon einmal ein Los bestimmen lassen hat. Damals führte sie die Wahl jedoch nicht von Hand, sondern mit einem speziellem Computerprogramm durch, welches normalerweise bei kommunalen oder kantonalen Wahlen angewendet wird. Dieses hatte Monica Duca Widmer als Siegerin gekürt. Doch kurz nach dem Entscheid wurden beim Bundesgericht drei Beschwerden eingereicht, worauf dieses am Mittwoch eine erneute Losziehung angeordnet hat. Eine Begründung dafür liegt noch nicht vor.

Duca Widmer kann über das Gebahren nur den Kopf schütteln: «Einerseits bin ich überrascht, andererseits wundert mich in diesem Wahlprozedere auch nichts mehr», sagte sie gegenüber «Tio Online». Klar ist für die CVP-Politikerin, dass die Tessiner Regierung über die Bücher muss. «Kommt es künftig nochmals zu einer solchen Situation, müssen die Regeln klar sein.» Marco Romano, der über die zweite Chance sicher nicht unglücklich ist, wollte sich nicht äussern.

«Wahlsystem bei Stimmengleichheit regeln»

Staatskanzler Gianella glaubt ebenfalls, dass das Wahlsystem bei Stimmengleichheit im kantonalen Recht geregelt werden muss. «Auch wenn die Wahrscheinlichkeit, dass zwei Kandidaten die exakt gleiche Stimmenanzahl erhalten, sehr gering ist.» Der Fall im Tessin ist der erste dieser Art seit Beginn der Proporzwahlen im Jahr 1919, auf kommunaler Ebene kam Stimmgleichheit schon häufiger vor.

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