Der letzte Blick auf Helmut Newton
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Der letzte Blick auf Helmut Newton

«Wenn wir abgekratzt sind, geht alles nach Berlin». Im Oktober 2003 sprach Helmut Newton diesen Satz, im Januar kam der Starfotograf im Alter von 83 Jahren bei einem Autounfall in Los Angeles ums Leben.

Als eines der kulturellen Highlights dieses Jahres ist «alles» von Newton ab dem 4. Juni in einem eigens umgebauten Museum in Sichtweite des Bahnhof Zoo in Berlin zu sehen. Zwei Tage vorher wird Newton in einem Grab nahe dem von Marlene Dietrich beigesetzt.

Im Oktober hatte Newton einen Vertrag unterzeichnet, mit dem er der Stiftung Preussischer Kulturbesitz sein Lebenswerk als Dauerleihgabe überliess. Damals hatte der zu den teuersten Fotografen der Welt zählende Newton noch Pläne geäussert. In seinem Haus müsse etwas passieren, er wolle internationale Stars der Foto-Szene zu Diskussionen einladen.

2.600 Quadratmeter und rund 1.000 Fotos

Zunächst einmal wird jedoch am neuen Newton-Museum letzte Hand angelegt. Rund 2.600 Quadratmeter stehen im Landwehr-Casino für Newtons Sammlung zur Verfügung. Das Gebäude in der Jebensstrasse 2 wurde 1909 erbaut, es beheimatete die Galerie des 20. Jahrhunderts und die Berlinische Galerie und war bis 1993 Sitz der Kunstbibliothek. Der klassizistische Bau gegenüber vom Bahnhof Zoo ist das letzte Haus, das Newton sah, als er bei seiner Emigration Berlin verliess. «Es gibt zwar noch eine Baustelle, aber zur Eröffnung werden wir pünktlich fertig sein», erklärte das für den Umbau zuständige Büro Kahlfeldt Architekten.

Die Umbaukosten, über deren Höhe die Beteiligten schweigen, sollen von der Helmut Newton Foundation getragen werden. Für den jährlichen Unterhalt will die Stiftung Preussischer Kulturbesitz aufkommen. Langfristig soll in dem Gebäude ein «Museum für Fotografie» entstehen, das auch andere Exponate der Stiftung aufnimmt.

Rund 1.000 Fotos umfasst das von Newton überlassene Werk. Sie sollen in wechselnden Ausstellungen präsentiert werden, darunter sind Arbeiten, die noch nie zuvor in Deutschland gezeigt wurden. Den Anfang machen die Ausstellung «Sex and Landscapes» und die Serie «Us and them». Letztere umfasst Selbstporträts des Ehepaars, gegenseitige Schnappschüsse und Fotos von Berühmtheiten, die unabhängig von Aufträgen aufgenommen wurden. Den Abschluss der Serie bildet ein Foto, das sie von sich und ihrem Mann im Krankenhaus aufgenommen habe, hat Newton-Witwe June bereits verraten.

Beisetzung unter Ausschluss der Öffentlichkeit

Am 2. Juni wird die Urne Newtons auf dem Friedhof Stubenrauchstrasse in Berlin-Schöneberg beigesetzt. Seine letzte Ruhestätte soll er in einem Ehrengrab unmittelbar neben dem von Marlene Dietrich finden, die dort am 13. Mai 1992 bestattet wurde.

Die Beisetzung findet im engsten Familien- und Freundeskreis statt, die Öffentlichkeit kann nach dem Ende der privaten Trauerfeier gegen 13.00 Uhr von Newton Abschied nehmen, teilte das Land Berlin mit. Nach der Beisetzung findet im Berliner Rathaus für geladene Gäste eine Erinnerungsfeier für Newton statt.

Newton wurde am 31. Oktober 1920 in Berlin als Sohn eines jüdischen Knopffabrikanten geboren. Er besuchte ein Gymnasium und später die amerikanische Schule. 1936 begann er eine Fotografenlehre, zwei Jahre später emigrierte er nach Singapur. Dort bekam er eine Stelle als Fotograf, zwei Wochen später schon die Kündigung. 1940 verschlug es ihn nach Australien und für fünf Jahre in die Armee. 1948 heirate er die Schauspielerin June Brunell, die ab 1970 als «Alice Springs» ebenfalls Karriere als Fotografin machte.

Nachdem er 1956 zusammen mit seiner Frau nach Europa übergesiedelt war, dauerte es rund fünf Jahre, bis Newton als regelmässiger Mitarbeiter für die französische Ausgabe des Edel-Magazins «Vogue» engagiert war. Danach ging es mit seiner Karriere steil bergauf. Mit grossformatigen Fotos von meist nackten oder nur spärlich bekleideten Frauen erlangte Newton Weltruhm. Kritik an seiner Arbeit - die Feministin Alice Schwarzer schimpfte einst, Newtons Arbeiten seien «sexistisch bis rassistisch und faschistoid» - prallte an ihm ab. «Ich inszeniere die natürliche Sexualität der Frauen, ihr Verhalten im Alltag», verteidigte er sich. (dapd)

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