05.06.2014 14:41

Zweiter Weltkrieg

Der letzte Windtalker ist tot

Sie verschafften den USA entscheidende Vorteile im Krieg gegen Japan: Die Navajos, deren Sprache sicherer als jeder Code war. Nun ist der letzte der ehemaligen Funker gestorben.

von
jcg

Die Idee war so simpel wie genial: Statt einen neuen Geheimcode zu entwickeln, der sowieso bald wieder geknackt worden wäre, entschieden die US-Marines im Jahr 1942, Navajo-Indianer als Funker zu rekrutieren. Die Sprache der Navajo war aufgrund ihrer Syntax und Tonalität für Aussenstehende beinahe unmöglich zu lernen und existierte nicht in schriftlicher Form. Nach dem Krieg wurden die indianischen Soldaten zu Legenden. John Woo setzte ihnen 2002 mit dem Film «Windtalkers» ein Denkmal.

Unter den ersten 29 Navajo Code Talkers, wie sie offiziell genannt wurden, befand sich auch Chester Nez, der am Mittwoch in seinem Haus in Albuquerque im Bundesstaat New Mexiko mit 93 Jahren starb. Er war der letzte noch lebende Code-Pionier der ersten Gruppe. Sein Tod wurde vom U.S. Marine Corps denn auch als das Ende einer Ära bezeichnet.

Was Nez und sein Team, das bis Kriegsende 1945 auf 300 Code Talkers angewachsen war, genau machten, war lange ein Staatsgeheimnis. Erst 1968 durfte erstmals über den Code gesprochen werden, den die Japaner im Pazifikkrieg nie knacken konnten.

Unknackbarer Code

Der Erfolg des Codes hatte verschiedene Gründe. Der Wichtigste: Die Navajo-Sprache ist dermassen kompliziert, dass sie zu Beginn des Zweiten Weltkriegs schätzungsweise nur 30 Menschen ausserhalb des Navajo-Stamms überhaupt verstanden. Keiner von ihnen war Japaner. Besonders die Art, wie Verben in dieser Sprache konjugiert werden, ist einzigartig. Unter anderem spielt es dabei eine Rolle, ob der Sprecher das Gesagte selber erlebt hat, oder nur vom Hörensagen weiss.

Für insgesamt 450 militärische Fachausdrücke, für die es kein Navajo-Wort gab, erstellten die indianischen Soldaten eigens ein Wörterbuch. Darin wurde aus einem U-Boot ein «Eiserner Fisch» («besh- lo») oder aus einem Kampfflugzeug ein «Kolibri» («dah-he- tih-h»).

Für selten gebrauchte englische Wörter erfanden die Code Talkers ein ausgeklügeltes Buchstabiersystem. Für jeden Buchstaben eines solchen Begriffs wurde wiederum ein englisches Wort geschaffen, das auf Navajo übersetzt wurde. Das Resultat, das übermittelt wurde, war eine vermeintlich zufällige Folge von Navajo-Wörtern. So wurden für das Wort «Navy» die Begriffe «tsah» (auf Englisch: needle), «wol-la-chee» (ant), «ah-keh-di- glini» (victor) und «tsah-ah-dzoh» (yucca) gefunkt.

Trotz ihres unschätzbaren Werts für die Truppe waren die Navajo-Soldaten anfänglich nicht sonderlich willkommen bei den Marines, die aufgrund der Geheimhaltung nicht wussten, wer die Indianer waren und was sie taten. Das habe sich erst geändert, als sie erkannten, wie wichtig der Code war, sagte Nez 2011 gegenüber CNN.

Diese Szene aus Windtalkers von John Woo zeigt, warum die Navajo-Spezialisten im Krieg so wertvoll waren. (Youtube/ VE3EMB).

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