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Mordprozess ohne LeicheDer Liebhaber belastet den Ehemann

Jacques Viguier, der Rechtsprofessor, der seine Frau ermordet haben soll, gibt mit jedem Prozesstag in Toulouse mehr Rätsel auf. Die Aussagen des Liebhabers seiner Frau entlasten ihn dabei kein bisschen.

Plötzlich sassen sich die zwei Männer gegenüber: Jacques Viguier, der Ehemann, und Olivier Durandet, der Liebhaber der verschwundenen Suzanne.

Durandet erzählt den Geschworenen eines Gerichts von Haute-Garonne mehr als eine Stunde lang von den letzten Stunden des mutmasslichen Opfers Suzanne Viguier, die am 27. Februar 2000 spurlos verschwand – ihre Leiche wurde bis dato nicht gefunden (20 Minuten Online berichtete).

Olivier Durandet behauptet, am Tag des Verschwindens seine Freundin Suzi um 4.30 Uhr morgens vor ihrem Haus in Toulouse abgesetzt zu haben. Bis 2.30 Uhr hatten sie den Abend an einem Tarot-Event verbracht, danach seien sie noch etwa zwei Stunden in Durandets Wohnung alleine gewesen.

Im Hause Viguier herrschte Krieg

Kennengelernt hatten sich Suzanne Viguier und Olivier Durandet im Juli 1998. Wenige Monate später begannen sie eine Beziehung. Das Paar verband unter anderem eine Vorliebe für Tarot. Durandet erzählt dem Richter von der Verzweiflung, die er verspürte, als Suzanne am nächsten Tag nicht wie verabredet auftauchte. Und wie, während er sich «die grössten Sorgen» machte, der Ehemann sich weigerte, die Polizei zu alarmieren.

Jacques hätte von der Affäre gewusst, behauptet Durandet. «Ich bin bei ihnen ein- und ausgegangen, ich habe mit den Kindern gespielt.» Aber Jacques nahm ihre Beziehung gar nicht wahr. «Er konnte sich nicht vorstellen, dass seine Frau eine Affäre mit jemandem hat, der nicht so reich oder so gutaussehend ist wie er.»

«Er war gar nicht beunruhigt»

Für Durandet ist der Auslöser des Mordes Suzannes Wunsch, sich von Jacques scheiden zu lassen: «Eines Sonntags im Februar assen wir bei ihnen alle zusammen zu Abend, als Suzanne zu Jacques sagte, sie wolle eine friedliche Scheidung haben», erinnert sich der Liebhaber, der vor Gericht «Lebenspartner» genannt werden will. Danach soll im Haus Viguier ein wahrer Krieg ausgebrochen sein.

Am 27. Februar 2000 habe er mehrmals bei den Viguiers angerufen. Jacques habe erst gegen 17.30 Uhr das Telefon abgenommen. «Seine Stimme klang etwas komisch», sagt Durandet im Zeugenstand, «er war gar nicht beunruhigt.» Gleich wie der zuständige Ermittler im Fall ist er der Meinung, dass Jacques seine Frau ermordet hat. Jacques lässt sich während der Anschuldigung nichts anmerken – für Durandet unbegreiflich: «Du bist des Mordes angeklagt und regst dich nicht einmal auf!»

(kle)

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