Experte zur Corona-Krise: «Der Lockdown war nicht kindergerecht»
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Experte zur Corona-Krise«Der Lockdown war nicht kindergerecht»

Viele Kinder werden noch lange unter den Folgen der Corona-Krise leiden. Das zeigt eine neue Studie.

von
Denis Molnar
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Viele Kinder werden unter den Spätfolgen des Lockdowns leiden.

Viele Kinder werden unter den Spätfolgen des Lockdowns leiden.

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Dies zeigt eine erste Einschätzung von Experten.

Dies zeigt eine erste Einschätzung von Experten.

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Die Fälle von Kindern mit Depressionen und Angstzuständen…

Die Fälle von Kindern mit Depressionen und Angstzuständen…

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Darum gehts

  • Unter den Spätfolgen der Corona-Krise werden noch viele Kinder leiden.
  • Dies zeigt eine Einschätzung von Experten.
  • Die Krise habe vermehrt zu psychischen Problemen geführt.

Über 20 Experten haben eine erste Beurteilung der Corona-Krise im deutschsprachigen Raum vorgenommen. Demnach könnte es bei jedem zehnten Minderjährigen in der Schweiz zu einer posttraumatischen Störung kommen, wie die «NZZ am Sonntag» (Bezahlartikel) schreibt. Besonders betroffen seien Kinder, die bereits vor dem Lockdown Schwierigkeiten hatten, sagt Oliver Bilke, Chefarzt der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Dienste der Luzerner Psychiatrie und Mitautor der Studie. Seit dem Lockdown habe die Fallzahl von jungen Menschen mit Depressionen und sozialen Phobien stark zugenommen. «Der Lockdown war nicht kindergerecht», sagt Bilke der Zeitung. Dies unter anderem deswegen, weil wichtige Strukturen im Alltag weggefallen seien.

Ähnliches beobachtet Stephan Kupferschmid, Chefarzt für Jugendliche und junge Erwachsene an der Integrierten Psychiatrie Winterthur. «Neben Suizidversuchen haben vor allem die Äusserungen von suizidalen Gedanken seit dem Lockdown zugenommen.» Auch bei bisher unauffälligen Kindern habe die Krise zu psychischen Problemen geführt.

Suizidgedanken? Hier finden Sie Hilfe

Beratung:

Dargebotene Hand, Tel. 143, (143.ch)

Angebot der Pro Juventute: Tel. 147, (147.ch)Kirchen (Seelsorge.net)

Anlaufstellen für Suizid-Betroffene:

Nebelmeer – Perspektiven nach dem Suizid eines Elternteils (Nebelmeer.net);

Refugium – Geführte Selbsthilfegruppen für Hinterbliebene nach Suizid (Verein-refugium.ch);

Verein Regenbogen Schweiz (Verein-regenbogen.ch).

Zudem sei auch die Öffnung der Schulen mit Problemen verbunden, so Experten. Viele Kinder und Jugendliche hätten Mühe, sich wieder in das soziale Umfeld einzufügen. Pro Juventute rechnet weiter mit einem steigenden Beratungsbedarf, weil unter den Jungen eine anhaltende Unsicherheit herrsche. Doch es gibt auch die andere Seite: Eine kürzlich geführte Umfrage unter Jugendlichen zeige nämlich, «dass viele mit ihren Familien gestärkt aus der Krise in die Normalität zurückfinden», wie die «NZZ am Sonntag» berichtet.

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