28.02.2015 11:06

Super Seven S3Der Lotus, der in die Kälte kam

Während der Woche zur Arbeit, am Wochenende auf die Rennstrecke, bei jedem Wetter und ohne Heizung – das war der Lotus Seven.

von
Bruno von Rotz
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Aerodynamik war nicht oberste Priorität bei der Entwicklung des Lotus Seven.

Aerodynamik war nicht oberste Priorität bei der Entwicklung des Lotus Seven.

Daniel Reinhard/www.zwischengas.com
Mehr ist nicht da als Windschutz, eine flache Scheibe muss reichen beim Lotus Super Seven von 1969.

Mehr ist nicht da als Windschutz, eine flache Scheibe muss reichen beim Lotus Super Seven von 1969.

Daniel Reinhard/www.zwischengas.com
Unter der langen Haube werkelt der Lotus-Doppelnockenwellen-Motor.

Unter der langen Haube werkelt der Lotus-Doppelnockenwellen-Motor.

Daniel Reinhard/www.zwischengas.com

Ein Super Seven ist sicherlich nicht der ideale Wagen, wenn es gilt, der Natur in Form von Nebel, Schnee und Eis zu trotzen. Doch Lotus-Gründer Colin Chapman hatte den minimalistischen Roadster im Hinblick auf mit bescheidenen Mitteln agierende Sportfahrer entwickelt, die sich nur ein Auto leisten konnten, das während der Woche für die Fahrt zum Arbeitsplatz und am Wochenende für erfolgreiche Teilnahmen an Clubrennen herhalten konnte.

Viele Seven-Fahrer fuhren ihren leichtgewichtigen Sportwagen also bei jedem Wetter und damit auch, wenn es schneite. Ohne Heizung und mit minimalem Wetterschutz, warum auch nicht?

Vor der Fahrt das Puzzle

Bevor sie aber überhaupt fahren konnten, mussten sie das Auto aus Komponenten zusammenbauen, denn der Lotus Seven wurde als «Kit Car» ausgeliefert. Colin Chapman hatte allerdings diese Bauform perfektioniert. Der Kunde erhielt mit der Lieferung des Wagens alle Bestandteile, die für ein fahrbares Auto nötig waren. Nichts musste zugekauft werden, alles war bereit für den Zusammenbau. Ein oder zwei Wochenenden genügten, um sich seinen eigenen Wagen zusammenzubauen. Aber es ging noch schneller: Anlässlich eines «Lotus Open House»-Anlasses im Jahr 1969 schaffte es John Robinson, einen Seven S3 innerhalb von 4 Stunden, 35 Minuten und 5 Sekunden zusammenzubauen.

Im Oktober 1957 präsentierte Chapman den Lotus Seven an der Earls Court Motor Show in London. Für den einfachen Sportwagen nutzte Chapman seine Erfahrungen aus dem Rennsport und so erhielt der Seven einen Rohrrahmen wie damalige Formelfahrzeuge. Die Stabilität wurde erhöht, indem Teile der Karosserie fest mit dem Rohrrahmen verbunden wurden, was den Seven im Prinzip zu einer Semi-Monocoque-Konstruktion machte. Vorne wurden für Radführung Dreieckslenker verwendet, hinten eine Starrachse. Für den Motor setzte Lotus auf Ford- und Coventry-Climax-Aggregate.

Im Charakter war der Seven ein einfach gestalteter Sportwagen mit minimalem Komfort und rennsporttauglichen Fahreigenschaften. Dies änderte sich auch für die Nachfolgeserien S2 und S3 nicht, die 1960 und 1968 präsentiert wurden. Erst der Series 4 von 1970 war etwas stärker auf Komfort ausgerichtet und orientierte sich optisch an den Buggies jener Zeit. Bis 1973 wurde der Seven gebaut, dann wandte sich Lotus endgültig und konsequent komfortableren Strassensportwagen zu, Bausatz-Autos waren damit Geschichte.

Ganz schön direkt

Bereits das Einsteigen in einen offenen Seven erfordert eine gewisse Gelenkigkeit. Ist das Stoffdach aufgesetzt, wird das Entern zur Cabaret-Nummer, bei dem der Fahrer nur selten eine gute Falle macht. Die Platzverhältnisse im Seven S3 reichen aber selbst für Leute über 1,80 Metern Grösse aus und auch die Pedale lassen sich mit Schuhnummer 43 eindeutig treffen.

Vor dem Start empfiehlt sich ein eingehendes Studium der Kippschalter am Armaturenbrett, denn wenn die Fuhre einmal in Fahrt ist, hat man kaum mehr Zeit, sich umzusehen. Jede Bewegung am Lenkrad führt sofort zur Richtungsänderung, jedes Antippen des Gaspedals resultiert in Beschleunigung. Der Motor mit 125 PS hat mit dem etwa 600 kg schweren Fahrzeug keine Mühe.

Nur der hohe Luftwiderstand fordert sein Tribut beim Treibstoffverbrauch. Beim Seven stimmt die Formel «100 kg Gewicht entspricht einem Verbrauch von einem Liter» nicht, es sind eher deren zwei, zumindest wenn richtig Gas gegeben wird. Aber kaum jemand möchte im Seven 500 Kilometer ohne Halt absolvieren, und so sind Tankpausen willkommene Gelegenheiten, sich aufzuwärmen und die Muskeln zu lockern.

Weitere Informationen, viele Bilder, Prospekte und Tonmuster zum Lotus Super Seven finden sich auf zwischengas.com.

www.zwischengas.com ist die umfangreichste Online-Plattform zu den Themen Oldtimer, Youngtimer und historischer Rennsport und wird von Enthusiasten mit Benzin im Blut täglich mit neuen Artikeln, Bildern und historischen Dokumenten ergänzt.

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