Aktualisiert 09.12.2014 17:57

Westschweiz«Der Luchs beschnupperte meinen Hund!»

Einen Luchs sieht man in der Schweiz eher selten – im Jura kam es am Wochenende gleich zu zwei Zusammentreffen mit dem scheuen Raubtier.

von
Caroline Gebhard
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Thierry Crausaz zückte sein Handy - er hatte etwa zwei Minuten, um Bilder des schönen Jungtiers zu schiessen.

Thierry Crausaz zückte sein Handy - er hatte etwa zwei Minuten, um Bilder des schönen Jungtiers zu schiessen.

Leser-Reporter
So nah kamen sich Luchs und Fotograf. Als sich der Luchs dem Hund des Leser-Reporters näherte, kümmerte sich der Fotograf nicht mehr um die Kamera, sondern um seinen Hund. Doch das junge Raubtier schnupperte bloss am Haustier.

So nah kamen sich Luchs und Fotograf. Als sich der Luchs dem Hund des Leser-Reporters näherte, kümmerte sich der Fotograf nicht mehr um die Kamera, sondern um seinen Hund. Doch das junge Raubtier schnupperte bloss am Haustier.

Leser-Reporter
Es war eine ganze Luchs-Familie: Das Zusammentreffen geschah nahe des Jura-Gipfels Suchet (nordöstlich von Vallorbe).

Es war eine ganze Luchs-Familie: Das Zusammentreffen geschah nahe des Jura-Gipfels Suchet (nordöstlich von Vallorbe).

Leser-Reporter

Am Sonntag durfte der Wanderer Thierry Crausaz im südlichen Jura beim Gipfel des Suchet etwas Besonderes erleben. Plötzlich fing sein Hund an zu bellen – da sah Crausaz hinter einem Felsen Luchse. Eine Familie. Die Mutter und eins der Kleinen verschwanden rasch, doch das zweite Jungtier blieb fast zwei Minuten stehen.

«Dank meines Hundes konnte ich es fotografieren», sagt der Leser-Reporter: «Der junge Luchs schaute meinen Hund an und beschnupperte ihn. Und umgekehrt. Ganz so, wie das Hund und Katze machen würden.» Laut Fridolin Zimmermann, Biologe bei Kora, einer Stelle, die die Schweizer Raubtierpopulation beobachtet und erforscht, sind solche Begegnungen extrem selten. Zimmermann: «Die Luchse flüchten nicht unbedingt, wenn sie Menschen sehen. Aber es ist extrem selten, dass man sie sieht.»

Tragisches Treffen am Tag zuvor

Gleich zwei Mal kam es zu einem der seltenen Treffen zwischen Luchs und Mensch. «Eines der Jungen war zwei Meter von uns entfernt! Wir konnten es mehrere Minuten lang beobachten, es war wunderbar!» Océane Oppliger und sein Freund erinnern sich an den magischen Moment am Samstagabend, als sie mit dem Auto in der Nähe von Boveresse NE zwei junge Luchse mit ihrer Mutter sahen. Unweit des Zusammentreffens fanden sie kurze Zeit später eine unschöne Szene vor: Ein drittes Jungtier lag tot auf der Strasse, offenbar von einem Auto überfahren.

Es sei sehr gut möglich, dass die Autofahrer vom Samstagabend dieselben Luchse gesehen haben wie der Wanderer am Tag darauf – der Gipfel des Suchet liegt nur rund 10 Kilometer südlich vom Fundort des toten Jungtiers entfernt. «Es ist nicht erstaunlich, dass die Mutter und die Kleinen sich einen Moment lang in der Nähe aufhalten», sagt Experte Zimmermann. Der Tod auf der Strasse, fügt er an, sei die häufigste Todesursache für junge Luchse in der Schweiz.

Luchs-Population nimmt zu im zentralen Jura

Die Luchse, die den Süden des Jura bewohnen, also in der Region, in der sich dieses Zusammentreffen abspielte, werden in diesem Winter gezählt. Im zentralen Jura wurden sie gerade gezählt: «Es gibt eine signifikante Zunahme», sagt Fridolin Zimmermann, der von zwei Individuen pro 100 Quadratkilometern spricht. Er fügt an, dass die Jungtiere, die im vergangenen Frühling auf die Welt kamen, ihre Mutter ab April 2015 verlassen würden, um ab dann ihr eigenes Territorium zu erobern.

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