Transferkönig Mendes: Der Mann, der für 400 Millionen Spieler verschob
Aktualisiert

Transferkönig MendesDer Mann, der für 400 Millionen Spieler verschob

Vom desillusionierten Barbesitzer zum mächtigsten Spieleragenten der Welt: Jorge Mendes hat diesen Sommer mehr Geld bewegt als Real und ManUnited zusammen.

von
Kai Müller
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Wenn grosse Transfers über die Bühne gehen, ist Jorge Mendes meist nicht weit.

Wenn grosse Transfers über die Bühne gehen, ist Jorge Mendes meist nicht weit.

AFP/Patricia de Melo Moreira
Der jüngste Coup des Portugiesen: der Wechsel des 19-jährigen Anthony Martial von Monaco zu Manchester United für 50 Millionen Euro.

Der jüngste Coup des Portugiesen: der Wechsel des 19-jährigen Anthony Martial von Monaco zu Manchester United für 50 Millionen Euro.

AFP/Franck Fife
Mendes' bekanntester Klient ist Superstar Cristiano Ronaldo.

Mendes' bekanntester Klient ist Superstar Cristiano Ronaldo.

AFP/Andre Kosters

Vor knapp 20 Jahren war Jorge Mendes ein Niemand. Seine Karriere als Fussballer: gescheitert. Zu wenig Talent. Stattdessen versuchte sich der Portugiese als Unternehmer, besass eine Videothek und betrieb eine Bar im Städtchen Caminha an der nördlichen Grenze zu Spanien – mit überschaubarem Erfolg. Eine zufällige Kneipenbekanntschaft veränderte alles. Heute ist der 49-Jährige der weltweit einflussreichste Spielerberater.

Allein in diesem Transfersommer fädelte Mendes Deals im Wert von fast 400 Millionen Euro ein. Von Angel Di María (für 63 Millionen zu Paris St-Germain) über Anthony Martial (50/Manchester United), Nicolás Otamendi (44,6/Manchester City), Jackson Martínez (35/Atlético Madrid) bis zu Arda Turan (34/Barcelona), um nur die wichtigsten zu nennen. Man muss kein Rechengenie sein, um die Dimensionen von Mendes' Profit zu erahnen, geht man von den branchenüblichen 10 Prozent Provision aus. Bis heute soll der Agent, der gemäss eigener Aussage vier Handys auf sich trägt und gelegentlich 20 Stunden am Tag telefoniert, Geschäfte im Wert von 1,35 Milliarden Euro abgewickelt haben.

Der Schachspieler im Hintergrund

Das Portfolio von Mendes' Firma Gestifute liest sich wie ein Who's Who des Weltfussballs. Namen wie James Rodríguez, Angel Di María, Diego Costa, Radamel Falcao, Thiago Silva, Fábio Coentrão oder Pepe finden sich darin. Als wäre das nicht genug, vertraut auch Trainerikone José Mourinho auf Mendes' Dienste. Über allen thront jedoch Weltfussballer Cristiano Ronaldo.

Passend zum Mann, der seine Massanzüge am liebsten fernab des Scheinwerferlichts ausführt und seine Figuren bevorzugt aus dem Hintergrund steuert, nahm Mendes' märchenhafter Aufstieg seinen Anfang im schummrigen Licht einer Kneipe in Guimarães. Man schrieb das Jahr 1996, als Mendes an der Bar Bekanntschaft mit Nuno Espírito Santo machte. Der damals 22-jährige Goalie des städtischen Erstligisten träumte von einem Engagement beim grossen FC Porto. Nur: Ein Wechsel zum nicht einmal sechzig Kilometer entfernten Rivalen war problematisch. Also heckte Mendes einen Plan aus, sagte zu Nuno: «Du musst zuerst ins Ausland.» Er überzeugte den jungen Keeper – und hatte seinen ersten Klienten.

Portugiesischer Markt als Goldgrube

Mendes schaffte es schliesslich, Nuno bei La Coruña unterzubringen. Über weitere Stationen in Spanien landete der Goalie 2002 tatsächlich bei Porto. Kostenpunkt: 3 Millionen Euro. Mendes unterhielt inzwischen beste Verbindungen in die Chefetage des FC Porto, nachdem sich der Club mit José Veiga, dem Berater von Luís Figo und damaligen Branchenleader im heimischen Business, überworfen hatte. Mendes machte sich das Zerwürfnis zunutze und stieg zum gefragtesten Mann im Land auf. Der portugiesische Markt mit seiner Schwemme an Talenten erwies sich als wahre Goldgrube.

Mendes hatte mit dem Nuno-Deal längst das Interesse weiterer Landsleute geweckt und landete mit dem Wechsel Hugo Vianas von Sporting Lissabon zu Newcastle United für 12 Millionen seinen ersten internationalen Transfercoup. Weil er über ein brillantes Auge für Talente verfügt, nahm er früh Cristiano Ronaldo, der damals über die Landesgrenzen hinaus wenig bekannt war, unter seine Fittiche. Nach dem legendären Freundschaftsspiel zwischen Sporting Lissabon und Manchester United im Sommer 2003, als Ronaldo die Engländer schwindlig spielte, transferierte Mendes seine neuste Attraktion für 17,5 Millionen Euro zu den Red Devils.

Prügelei mit Figo-Berater

Über die Jahre stieg der Selfmademan zum mächtigsten Spieleragenten im Fussballgeschäft auf. 2008 handelte er für José Mourinho mit Inter Mailand den höchstdotierten Trainervertrag aus, im Folgejahr machte er Ronaldo mit dem 94-Millionen-Transfer zu Real zum bis damals teuersten Spieler der Geschichte.

Über welch breites Netz Mendes verfügt, zeigte sich auch diesen August, als der Zufall wollte, dass Monaco und Valencia im Playoff zur Champions League aufeinandertrafen. Sowohl bei den Monegassen als auch bei den Spaniern – deren Trainer heisst übrigens Nuno Espírito Santo – stehen nicht weniger als acht Mendes-Kunden unter Vertrag, was die Zeitung «El País» zur Schlagzeile «Jorge Mendes gegen Jorge Mendes» inspirierte.

Wie die meisten Akteure in diesem Business umweht Mendes aber nicht die Aura des Unbefleckten. Es sind mehrere Fälle überliefert, in denen er Klienten kurz vor anstehenden Transfers von anderen Beratern abwarb, um die Provision einzuheimsen. 2002 gipfelte sein aggressives Werben um Luís Figo in einer Schlägerei am Lissaboner Flughafen mit dessen Berater José Veiga. Dass er den Weltfussballer von 2001 nicht für sich gewinnen konnte, sollte seinen rasanten Aufstieg nicht bremsen.

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