Aktualisiert 06.07.2012 17:46

Zu Lüthis Jubiläum

Der Mann, der sein Dorf verändert hat

«Hat er gewonnen?» Bei der schlichten Feier zu seinem zehnjährigen GP-Jubiläum hat Tom Lüthi (26) auch an Roger Federer gedacht.

von
Klaus Zaugg, Sachsenring

Zehn Jahre GP-Zirkus. Immer mit dem gleichen Manager (Daniel M. Epp). Am 19. Juli 2002 hat für Tom Lüthi (25) mit einem 26. Platz auf dem Sachsenring ein Abenteuer begonnen, das noch lange nicht zu Ende ist. Am frühen Freitagabend hat der Emmentaler im Team-Pavillon im Fahrerlager sein zehnjähriges Jubiläum gefeiert.

Es ist eine schlichte, leise halbstündige Feier. Nicht einaml ein Fotograf ist da, um den Augenblick zu verewigen. Ein Kuchen wird auf den Tisch gestellt. Finger-Food. Champagner. Stille Freude und Genugtuung. Hansueli und Silvia, seine Eltern, sind auch da und Silvia kann es fast nicht fassen, dass es schon zehn Jahre sind: «Er ist doch noch so jung ...» Tom Lüthis Freundin Fabienne, die ehemalige Miss Bern, ist natürlich auch da. Sie kümmert sich um alles, was nicht direkt mit Töff und Technik zu tun hat. Sie schenkt den Champagner nach und verteilt den Kuchen.

Nach dieser Feier versteht auch ein Aussenstehender, warum Tom Lüthi, der Bauernbub aus dem emmentalischen Linden, 2005 Weltmeister und vor Roger Federer Sportler des Jahres werden konnte. Und warum er heute einer der populärsten Schweizer Einzelsportler ist.

Viele Gratulanten schauen vorbei

Tom Lüthi und sein Manager Daniel M. Epp haben noch nie Brücken hinter sich abgebrochen. Sie sind nie arrogant geworden. Wer gerade im Fahrerlager ist, kommt vorbei. Selbst die Techniker aus den drei schwierigen Aprilia-Zeiten (2007 bis 2009), mit denen es viele Sträusse auszufechten galt, mögen Tom noch immer.

Igor Strauss (mit dem gleichnamigen Komponisten nicht verwandt) ist ein Freund der Familie aus dem Dorf. Der Fernmelde-Techniker war vor zehn Jahren schon dabei, als alles anfing und bringt es jetzt auf den Punkt: «Es kam mir damals bei den ersten GP wie ein Märchen vor. Einer aus unserem Dorf fährt einen GP! Und es kommt mir auch heute alles immer noch wie ein Märchen vor. Tom hat unser Dorf verändert. Wegen ihm sind viele in die Welt hinausgezogen um ihn einmal bei einem Rennen zu sehen, und das hat alle weltoffener gemacht.» Das ist doch auch ein Kompliment: Ein Sportler verändert durch sein Wesen und Wirken die Mentalität in seiner Heimat. Nicht einmal Roger Federer dürfte es gelingen, die Mentalität der Basler zu verändern.

Ein Routinier mit 26 Jahren

Tom Lüthi wird am 6. September erst 26 Jahre alt. Aber er ist bereits ein Routinier mit der Erfahrung aus 156 GP. Er hat einen aufregenden Tag hinter sich. Mit einem Sturz bei Tempo 120 am Freitagvormittag im ersten freien Training. Er ist unverletzt geblieben. Oder besser: Die Prellungen und Schürfungen, die er sich beim Sturz am letzten Samstag in Assen zugezogen hat, werden nicht schlimmer. «Ich bin auf der Maschine fit. Aber sonst noch nicht so geschmeidig.»

Wenigstens gibt es trotz dem Sturz in Assen auch eine erfreuliche Meldung. Manager Daniel M. Epp sagt: «Die Maschine ist beim Sturz in Assen nicht zerstört worden. Sie ist jetzt bei Eskil Suter in der Werkstatt und wird neu justiert. Wir verwenden hier eine Ersatzmaschine und die hat den Sturz am Freitagvormittag heil überstanden.» Weil es keine neue Maschine braucht, spart das Team gut 40 000 Franken.

Erfreulich ist auch, dass Tom Lüthi jetzt die neuentwickelten Teile auch sofort erhält. Letzte Saison wurde Marc Marquez von Eskil Suter exklusiv mit Neuerungen beliefert. Für den GP von Deutschland auf dem Sachsenring haben Marquez und Lüthi eine neue Hinterradschwinge erhalten. Was allerdings auch eine Ursache für die Stürze der beiden besten Suter-Piloten am ersten Trainingstag zum GP von Deutschland sein könnte (20 Minuten Online berichtete). «Wir sind beide übers Vorderrad gestürzt. Es kann sein, dass durch die neue Hinterradschwinge das Vorderrad anders belastet wird. Das werden wir herausfinden und wir verwenden die neue Schwinge auf jeden Fall.»

«So ziemlich alles hat sich verändert»

Tom Lüthi sagt, fast ein wenig melancholisch, mit dem Tom Lüthi von 2002 habe er höchstens noch den Namen gemein. «Sonst hat sich so ziemlich alles verändert.» Äusserlich ist aus dem «Kinderstar» ein kräftiger junger Mann geworden. 15 Zentimeter grösser als 2002.

Inzwischen steht Tom Lüthi auch gern zu seiner Herkunft. Das war anfänglich nicht so. Er wollte einst partout nicht als Bauernbub bezeichnet werden. Auch für eine Prämie von 3000 Franken war nicht bereit, sich für ein Töff-Fachmagazin zusammen mit einer Kuh abbilden zu lassen. Jetzt würde er mit sich das Kalb machen und mit einer Kuh fotografieren lassen.

Das Schlusswort zum Jubiläumstag überlassen wir seinem Manager Daniel M. Epp: «Diese Karriere ist noch lange nicht zu Ende. Ich bin sicher, dass Tom Lüthi in den nächsten fünf Jahren noch besser wird.»

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