Aktualisiert 30.05.2011 11:03

Mohamed Bin HammamDer Mann, der Sepp Blatter stürzen will

Wer ist der Mann, der Sepp Blatter (75) aus dem Fifa-Präsidenten-Amt vertreiben will? Eine Geschichte über Freundschaft und Verrat.

von
Klaus Zaugg
Katar
Mohamad Bin Hammam: Kann er Sepp Blatter stürzen?

Mohamad Bin Hammam: Kann er Sepp Blatter stürzen?

Nie zuvor hatte der Schweizer einen so gefährlichen Rivalen wie Katars Sport-Sonnenkönig Mohamed Bin Hammam. Der 61-Jährige ist eine Mischung aus Barack Obama und Christoph Blocher.

In Mohamed Bin Hammams Heimatstadt Doha mag es auch Probleme geben. Nur eines fehlt im Sport-Disneyland Arabiens nie: Geld. Unbegrenzte finanzielle Mittel öffnen unbegrenzte Möglichkeiten und 2022 wird sogar die Fussball-WM in Katar ausgetragen. Mohamed Bin Hammam orchestrierte die wundersame Bewerbung Katars. Hier ist er ein Held. Ein Sport-Sonnenkönig. Seit 1972 war er unter anderem auch Präsident des Tischtennis- und des Volleyballverbandes. Und natürlich auch des Fussballverbandes. Er kennt die Farbe und die Macht des Geldes. Wenn einer den bitterbösen Spruch «Money talks, bullshit walks» kennt, dann der Mann aus Katar.

Der Multimillionär, der sein Vermögen in der Bau- und Immobilienbranche gemacht hat, präsidiert seit 2002 den asiatischen Fussballverband (Asian FootballConfederation). Im Januar ist er für eine weitere Amtsperiode gewählt worden. Ohne Gegenkandidat und Gegenstimme.

Blatters mit Abstand gefährlichster Rivale

Bin Hammam ist ein erfahrener, kluger und machtbewusster Sportpolitiker und mit Abstand der gefährlichste Rivale, den Blatter je hatte. Gegen UEFA-Präsident Lennart Johansson gewann Blatter 1998 mit 111:80 Stimmen, gegen Afrikas Fussball-Vorsitzenden Issa Hayatou 2002 gar mit 139:56 Voten. Der Schwede und der Kameruner waren chancenlos. Johansson, weil er schlicht zu naiv war, um einen Wahlkampf gegen den schlauen Blatter zu gewinnen. Zu wenige wollten einen Demokraten und Korruptions-Bekämpfer an der Spitze der FIFA. Hayatou hatte als Afrikaner keine Chance, weil er zu wenig Unterstützung aus den anderen Teilverbänden hatte. Zudem konnte Blatter 1998 und 2002 auf einen mächtigen Verbündeten zählen: Bin Hammam, seit 1996 auch FIFA-Funktionär. Ausgerechnet er wendet sich nun gegen seinen einstigen Freund. Diesen «Verrat», auf den letzte Woche sogar die Medien in Katar hingewiesen haben, kommentierte er kürzlich süffisant so: «People have to try change. Change is good.» (Die Leute müssen Veränderungen anstreben. Veränderungen sind gut.)

Die Wahlversprechungen entlarven Bin Hammam als schlauen und machtbewussten Sportpolitiker. Der Wolf der Macht schlüpft in den Schafspelz des Reformers und Modernisierers und Demokraten. Er macht auf «Change» wie einst Barack Obama. Aber im Falle einer Wahl würde er sich in seinem Wesen und Wirken kaum vom Fussballmonarchen Blatter unterscheiden. Das macht ihn so gefährlich für Blatter.

Blatter in die «Verhinderer- und Bremser»-Ecke gestellt

Das sind die sechs Wahlversprechen des Herausforderers:

- Vergrösserung des FIFA-Exekutivkomitees (das u.a. die WM vergibt) von 24 auf 41 Mitglieder. Mehr Demokratie durch ein grösseres Gremium? Nein. Primär 16 lukrative neue Pösteli. Dagegen kann niemand sein.

- Verdoppelung der Basisentschädigung an die FIFA-Mitgliederverbände von 250 000 auf 500 000 Dollar. Wer mag schon einem Mann die Gefolgschaft verweigern, der höhere Subventionen verspricht?

- Transparenz u.a. bei den Entschädigungen für die FIFA-Fürsten. Höhere Transparenz? Kein Problem. Der Präsident wird ja entscheiden, was er transparent machen will. Und nicht die FIFA-Kritiker.

- Weniger FIFA-Zentralismus und mehr Kompetenzen und Autonomie für die FIFA-Teilverbände (Asien, Europa, Afrika, Mittel- und Lateinamerika, Südamerika und Ozeanien).

- Zulassung von technischen Hilfsmitteln (wie Video-Beweis). Zwei politisch kluge Versprechen: So macht Hammam auf Modernität und Reformen, auf Veränderungen und Fortschritt und stellt damit Blatter in die Ecke des Verhinderers und Bremsers.

- Sepp Blatter soll auch im Falle einer Wahlniederlage weiterhin im Dienste der FIFA bleiben. Versöhnlicher, kluger, politischer Unsinn: Es mag die Blatter-Freunde beruhigen und ermutigen, doch für Hammam zu stimmen. Es ist undenkbar, dass der FIFA-Sonnenkönig nach seinem Sturz zum konstruktiv mitarbeitenden Befehlsempfänger wird.

Hammams Gegner im eigenen Verband

Mit Bin Hamman würde die FIFA zum ersten Mal einen Präsidenten aus dem asiatischen Teilverband bekommen. Das ist sexy: Asien ist schliesslich die kommende Wirtschafts-Weltmacht. Bisher hatte die FIFA sieben Europäer und einen Brasilianer mit europäischen Wurzeln als Präsidenten.

Bin Hammam bezeichnet seine Chancen offiziell als 50:50. Diese Einschätzung wird in seiner Heimatstadt Doha nur knapp bestätigt. Bin Hammam hat, wie alle, die im Sport so hoch gestiegen sind, auch seine Feinde. Kritiker bezeichnen seinen Führungsstil im Asiatischen Verband als zu autoritär und bezweifeln, ob er die Stimmen aller 46 Nationen aus seinem Teilverband bekommen wird. Sepp Blatters Chancen könnten darin liegen, mit einer Charme-Offensive gerade in Bin Hammams eigenem Teilverband auf Stimmenfang zu gehen.

Am 1. Juni wählen die Vertreter der 208 FIFA-Mitgliederänder am FIFA-Hauptsitz in Zürich den Präsidenten.

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