Barry Marshall - Der Mann, der sich absichtlich ein Magengeschwür bescherte
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Barry MarshallDer Mann, der sich absichtlich ein Magengeschwür bescherte

Der Internist Barry Marshall war sich sicher: Nicht Stress oder falsche Ernährung sind für die meisten Magengeschwüre verantwortlich, sondern Bakterien. Das glaubte ihm bloss keiner. Daher startete er einen äusserst unappetitlichen Selbstversuch.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Nicht nur Forscher, sondern auch Freunde: Für die Erkenntnisse, die sie mithilfe eines unappetitlichen Selbstversuchs gewannen, wurden Barry Marshall (links) und Robin Warren 2005 mit dem Nobelpreis für Medizin geehrt. 

Nicht nur Forscher, sondern auch Freunde: Für die Erkenntnisse, die sie mithilfe eines unappetitlichen Selbstversuchs gewannen, wurden Barry Marshall (links) und Robin Warren 2005 mit dem Nobelpreis für Medizin geehrt.

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Um zu beweisen, dass nicht nur Stress und falsche Ernährung, sondern auch Bakterien zu Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren führen können, stürzte Marshall im Jahr 1984 einen Bakterien-Cocktail. Daraufhin entwickelte er eine schwere Magenschleimhautentzündung, die als Vorstufe von Geschwüren gilt.

Um zu beweisen, dass nicht nur Stress und falsche Ernährung, sondern auch Bakterien zu Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren führen können, stürzte Marshall im Jahr 1984 einen Bakterien-Cocktail. Daraufhin entwickelte er eine schwere Magenschleimhautentzündung, die als Vorstufe von Geschwüren gilt.

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Lange leiden musste Marshall nicht: Mithilfe von Antibiotika wurde er Bakterien und Beschwerden schnell wieder los, ein weiterer Beweis dafür, dass die beiden mit ihrer These richtig lagen.

Lange leiden musste Marshall nicht: Mithilfe von Antibiotika wurde er Bakterien und Beschwerden schnell wieder los, ein weiterer Beweis dafür, dass die beiden mit ihrer These richtig lagen.

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Darum gehts

  • Mit vollem Körpereinsatz zum Nobelpreis für Medizin.

  • Das beschreibt die Entdeckung des Internisten Barry Marshall und des Pathologen Robin Warren ziemlich gut.

  • Appetitlich ging es bei der Beweiserbringung nicht wirklich zu.

Normalerweise setzen Internisten alles daran, ihre Patienten zu heilen. Auch Barry Marshall. Doch im Jahr 1984 machte er eine Ausnahme: Da verabreichte der Australier sich selbst einen Bakterien-Cocktail, in der Hoffnung, dadurch krank zu werden. Doch warum? Verrückt geworden, wie seine Frau zunächst befürchtete, war Marshall nicht. Nur ein bisschen verzweifelt. Denn niemand wollte seine These zur Entstehung von Magen- und Zwölffingerdarmgeschwüren glauben.

Bis zu diesem Zeitpunkt gingen Mediziner davon aus, dass diese beiden Beschwerden auf Stress oder falsche Ernährung zurückzuführen sind. Entsprechend behandelte man sie, indem man die Säureproduktion im Magen unterdrückte. Tatsächlich zeigte diese Art der Therapie in vielen Fällen Wirkung. Allerdings erlitt ein grosser Teil der Patienten danach einen Rückfall. Warum, war lange Zeit offen.

Eine Idee, Gegenargumente und fehlende Beweise

Anfang der 1980er-Jahre stiess Marshalls Kollege Robin Warren auf eine mögliche Erklärung: Bei etwa der Hälfte aller Magenschleimhaut-Biopsien, die er als Pathologe durchführte, entdeckte er Bakterien des Typs Helicobacter pylori, die besonders den unteren Bereich des Magens besiedelten. Und damit in Bereichen, in denen er auch Entzündungsanzeichen fand. Es könnte also ein Zusammenhang bestehen, folgerte er und beschloss der Sache nachzugehen.

Gemeinsam mit Marshall, der seine Meinung teilte, gelang es Warren schliesslich, die Bakterien im Labor zu kultivieren. Andere Mediziner und auch Forschende konnten der These der beiden nichts abgewinnen: Ein Bakterium könne niemals in der unwirtlichen Umgebung des Magens bei extrem niedrigem pH-Wert überleben, noch sich vermehren, argumentieren sie dagegen.

Erhoffte Auszeichnung

Marshall und Warren erkannten, dass sie ihre Annahme nur mit Taten belegen konnten. Deshalb unternahm ersterer besagten simplen Selbstversuch. Er schluckte den Helicobacter-pylori-Cocktail und entwickelte tatsächlich innerhalb weniger Tage eine schwere Magenschleimhautentzündung, die als Vorstufe von Geschwüren gilt. Der Nachweis für seine und Warrens Theorie war damit erbracht.

Lange leiden musste Marshall nicht: Mithilfe von Antibiotika wurde er Bakterien und Beschwerden schnell wieder los, ein weiterer Beweis dafür, dass die beiden mit ihrer These richtig lagen.

Der Einsatz der beiden Australier half nicht nur, die Therapie für Betroffene zu verbessern, sondern bescherte den beiden im Jahr 2005 auch den Nobelpreis für Medizin (siehe Video). Der Anruf des Komitees erreichte Marshall und Warren in einer Bar in Perth. Dort hatten sich die beiden schon in den Jahren zuvor immer am Tag der Bekanntgabe der Auszeichnung getroffen – weil sie die Ehre schon lange erwartet hatten.

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