Wegen Impfung und tiefen Infektionszahlen - Die Masken-Nachlässigkeit verbreitet sich in der Schweiz
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Wegen Impfung und tiefen InfektionszahlenDie Masken-Nachlässigkeit verbreitet sich in der Schweiz

Die Schweizerinnen und Schweizer nehmen es mit der Maskenpflicht immer weniger genau. Doch Expertinnen und Experten warnen: Auch zwei Wochen nach der ersten Impfung ist man erst zu knapp 50 Prozent geschützt.

von
Joel Probst

Die Masken-Müdigkeit ist weit verbreitet, wie eine Strassenumfrage zeigt.

20 Minuten

Darum gehts

  • Die Masken-Disziplin in der Schweiz nimmt ab.

  • Gründe dafür sind die tiefen Infektionszahlen und Geimpfte, die sich in falscher Sicherheit wiegen.

  • «Weiterhin Maske auf!», mahnt deshalb etwa das Gesundheitsdepartement Basel-Stadt.

Die Infektionszahlen sinken und mit ihnen offenbar auch die Lust, Maske zu tragen. Ein Augenschein an der Zürcher Bahnhofstrasse zeigt, dass ein beträchtlicher Anteil der Passanten seine Maske unter dem Kinn oder gar nicht trägt – trotz Maskenpflicht.

Das Phänomen beschränkt sich dabei nicht auf Zürich: «In Einzelfällen kann man durchaus einen gelockerten Umgang mit den Schutzmasken beobachten, vor allem im Freien an Orten, wo eigentlich eine Maskenpflicht besteht», stellt auch Anne Tschudin vom Gesundheitsdepartement Basel-Stadt fest.

Eine gewisse «Corona-Müdigkeit» sei mit zunehmender Dauer der Pandemie in der Bevölkerung spürbar und mache sich auch bei unseren Einsätzen bemerkbar, teilt Isabelle Wüthrich, Mediensprecherin der Kantonspolizei Bern, auf Anfrage mit. «Dabei reagieren vereinzelt Personen nicht mehr mit dem gleichen Mass an Verständnis auf unsere Aufforderungen und kommen den geltenden Vorgaben eher etwas widerwillig nach.»

Masken-Müdigkeit verbreitet sich

Viele Menschen plagt die Masken-Müdigkeit, wie eine Strassenumfrage zeigt: «Mein Pflichtbewusstsein, Maske zu tragen, hat sicher nachgelassen», sagt etwa Leonardo Indino (21) aus Zürich. Er fragt sich: «Für was soll ich eine Maske anziehen, jetzt, wo die Infektionszahlen sowieso sinken?» Besonders im Freien verzichte er deshalb darauf.

Auch der 14-jährige Noel Moeri aus Herrliberg geht lockerer mit der Maskenpflicht um als auch schon: «Ich trage sie grundsätzlich, wo es Pflicht ist. Aber wenn ich zum Beispiel ins Restaurant rein laufe, krame ich sie nicht mehr extra hervor.» Generell beobachtet der Schüler, dass die Maskenregeln weniger strikt durchgesetzt würden - «seit meine Lehrerin geimpft ist auch in der Schule».

Falsche Sicherheit dank erster Impfung

Die Impfung kann der Maskendisziplin ebenfalls abträglich sein. Nach dem ersten Pieks könne durchaus ein falsches Sicherheitsgefühl aufkommen, so Tschudin. «Viele Menschen fühlen sich von einer gewissen Angst rund um eine Corona-Ansteckung befreit.» Doch der Impfschutz ist nach der ersten Dosis noch verhältnismässig klein.

Laut dem Tessiner Infektiologen Andreas Cerny bieten die in der Schweiz angewendeten m-RNA-Impfstoffe 20 Tage nach der ersten Impfung gerade einmal eine Schutzwirkung von 46 Prozent gegen eine Infektion. «Der volle Impfschutz wird erst 14 Tage nach der zweiten Impfung erreicht», so Cerny. Für den Infektiologen ist deshalb klar: «Man sollte bis zwei Wochen ab der zweiten Impfung aufpassen.»

«Weiterhin Maske auf!»

Als Antwort auf den Übermut der frisch Geimpften hat die Gesundheitsdirektion Basel-Stadt in ihrem Impfzentrum ein Plakat mit dem Schriftzug «Weiterhin Maske auf!» aufgestellt. «Das Plakat soll darauf hinweisen, dass Schutzmassnahmen wie Hygiene- und Distanzregeln auch für geimpfte Personen weiterhin gelten», so Tschudin.

Auch das Bundesamt für Gesundheit mahnt zur Vorsicht: «Die Hygiene- und Verhaltensregeln bleiben auch nach vollständiger Impfung wichtige Massnahmen, um sich und andere vor dem Coronavirus zu schützen», sagt Sprecherin Masha Foursova auf Anfrage: «Dies, weil die Impfung keinen hundertprozentigen Schutz vor einer Übertragung des Coronavirus auf andere Personen bietet.»

Trotzdem sei die Impfkampagne alles in allem ein Lichtblick. Tschudin: «Mit jeder Impfung kommen wir der Herdenimmunität näher, was es uns ermöglichen wird, bei günstigem epidemiologischem Verlauf weitere Lockerungen durchzuführen.»

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