Zwiespältiger Eindruck: Der Meister und seine Anlauf-Schwierigkeiten

Aktualisiert

Zwiespältiger EindruckDer Meister und seine Anlauf-Schwierigkeiten

Marco Streller beendete nach drei Super-League-Spielen ohne Tor seine persönliche Durststrecke. Sein FC Basel hingegen sucht auch nach dem Ende des 1. Quartals weiter den Weg zurück zum Erfolg.

von
ete

FCB-Captain Marco Streller weiss, dass es an allen Ecken und enden happert. (Video: 20 Minuten Online)

Wo ist die «Mia-san-mia»-Winnermentalität, die den FCB der letzten Jahre ausgemacht hat? Wo das Selbstverständnis, dass alles gelingt, was Rotblau anfasst? Wenn der aktuelle Meister keines der letzten drei Ligaspiele gewonnen hat und nach neun Runden «nur» auf Platz vier in der Tabelle liegt, ist es einfach normal, dass es nicht normal ist.

«Wir strotzen im Moment nicht gerade vor Selbstvertrauen», gibt Captain Marco Streller zu. Und Goalie Yann Sommer zuckt nur ratlos mit den Schultern. «Was soll ich sagen? Wir sind auch nicht hundertprozentig mit uns zufrieden. Wir spielen einfach nicht so gut, dass wir an die Tabellenspitze gehören.»

Anspruch und Wirklichkeit

Neun Spiele, drei Siege und fünf Remis. Das ist die Bilanz der Rotblauen nach dem ersten Quartal der Saison 2012/13. Der Rückstand auf Leader St. Gallen beträgt sieben Punkte. Ungewöhnlich für den Branchenleader, der für sich in Anspruch nimmt, immer und überall der Beste sein zu wollen. Aber kein Beinbruch, denn der FCB gilt als Spätstarter und hat auch in den letzten Jahren selten einen Traumstart hingelegt.

Zu Beginn der Saison 2011/12 hatte der FCB nach 9 Partien (4 Siege, 3 Remis, 2 Niederlagen) nur einen Punkt mehr auf dem Konto und belegte den dritten Tabellenplatz. Die Differenz auf den Tabellenersten aus Luzern betrug sechs Punkte. Ähnlich sah die Quartalsbilanz ein Jahr zuvor aus: Der FCB belegte mit 15 Punkten Platz 4 (4 Siege, 3 Remis, 2 Niederlagen). Dem FCB fehlten drei Punkte auf Leader Luzern.

Gestiegene Erwartungen noch nicht erfüllt

Vergleichbar mit den aktuellen Umständen ist die Saison 2009/10. Der Start von Trainer Thorsten Fink in die Schweizer Meisterschaft mit einer zur Vorsaison stark veränderten Mannschaft verlief verhalten: Mit drei Siegen, drei Remis und drei Niederlagen beendete der FCB das erste Viertel der Meisterschaft auf dem 7. Platz. Der Rückstand auf YB, das die Tabelle nach 9 Runden anführte, betrug satte zehn Punkte.

«Mir ist klar, dass wir die gestiegenen Erwartungen zum jetzigen Zeitpunkt nicht erfüllen können. Die Mannschaft braucht noch Zeit. Wir müssen geduldig bleiben. Das erste Quartal ist okay, aber das bedeutet nicht, dass ich zufrieden bin. Auch ich weiss, da ist noch einige Luft nach oben und ich hoffe, dass die Mannschaft mitzieht.»

Dem FCB Ausgabe 2012/13 fehlt es nicht an Ehrgeiz oder Willen. Es fehlt auch nicht am Hunger. Aber es fehlt ihr an Ordnung, an einem Ballverteiler und Chef im Mittelfeld wie es Granit Xhaka und Benjamin Huggel waren. Es fehlt ihr an Power, die die Fussballmaschine in den vergangenen Jahren auf hohem Tempo laufen liess. Die dynamischen und trickreichen Flügel im Stile eines Xherdan Shaqiri, der die Mannschaft unberechenbar machte. Und es fehlt den Angreifern an Zuspielen, die sie wie im letzten Jahr am Laufmeter in Tore umwandelten.

Ladehemmung bei Alex Frei

Alex Frei (24 Ligatore) und Marco Streller (13) erzielten fast die Hälfte der 78 FCB-Treffer in der letzten Meisterschaft. In der laufenden Saison steht Frei bei zwei Toren. Streller führt wenigstens zusammen mit dem Sittener Leo (5 Treffer) das Torschützen-Ranking der SFL an.

Der Captain beendete beim 1:1 am Sonntag in Bern seine torlose Phase von drei Spielen oder fünf Wochen. Zuletzt hatte Streller am 18. August beim 2:0-Sieg gegen Lausanne getroffen. Frei hingegen wartet weiter auf ein persönliches Erfolgserlebnis. Den letzten Treffer in einem Ligaspiel erzielte der letztjährige Torschützenkönig in der 3. Runde (2:2 gegen GC). Die wurde am 28. Juli gespielt.

«Im Leben eines Stürmers gibt es immer wieder so Wochen, wo er nicht trifft und Wochen, wo jeder Ball ins Tor geht. Da lasse ich mich auch nicht aus der Ruhe bringen», sagt Streller von der Abschlussschwäche nicht weiter berührt. Der Fussball habe sich dahin entwickelt, dass man auch als Stürmer mehr defensive Arbeit verrichten muss.

Captain Streller wünscht sich endlich einen Sieg

Ausserdem habe man zuletzt vermehrt Kontertore kassiert und deshalb galt es in erster Linie das Augenmerk auf die Stabilität in der Defensive zu richten. «Wir haben einen guten Trainer und der wird die richtige Mischung schon finden», so Streller weiter. «Jeder Spieler gibt das Beste. Momentan happert es halt etwas, aber das kann im Fussball schnell gehen. Ich bin schon lange im Geschäft und weiss, wie das läuft. Wir haben jetzt zweimal in Folge unentschieden gespielt. Das war nicht unser Ziel. Wir wollen jedes Spiel gewinnen. Wenn wir nun gegen Sion und Lausanne sechs gewinnen, würde uns das etwas Rückenwind bringen und dann denke ich, sind wir wieder dran.»

Aber auch Streller moniert fehlende Power. «Das sehe ich auch so, dass es an Power fehlt. Wir brauchen vielleicht einmal einen «dreckigen« Sieg, bei dem der Ball einfach irgendwie ins Tor rollt. Aber wenn man in so einer Phase ist wie wir es sind, sieht man halt eher das Negative, als das Positive und deshalb müssen wir dafür sorgen, dass das Pendel wieder auf die andere Seite ausschlägt.»

Privatsache zwischen Trainer und Mannschaft

Dazu fehlen laut Trainer Heiko Vogel nur Details. Welche Nuancen dem Basler Spiel fehlen, will der Pfälzer nicht verraten. «Das ist Privatsache zwischen Trainer und Mannschaft», sagte Vogel. Keine Privatangelegenheit ist zum Glück noch das Lesen der Tabelle. Und beim Betrachten fällt nicht nur YB-Trainer Martin Rueda auf, dass «die Rangliste halt schon gewisse Wahrheiten widerspiegelt». Und die reflektiert: Der FCB ist noch nicht top.

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