25.07.2020 20:14

Brutal überzüchtet Der Mensch hat Hunden schon so einiges angetan

Die besten Freunde des Menschen wurden nicht immer wie Freunde behandelt: Dank Zucht haben sich viele Hunderassen im Lauf der Zeit ganz schön verändert – und das nicht zum Guten.

von
Fee Anabelle Riebeling
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Na? Erkennen Sie, um welchen Hund es sich hierbei handelt? Kleiner Tipp: An seiner Kopfform werden Sie ihn nicht erkennen. Denn …

Na? Erkennen Sie, um welchen Hund es sich hierbei handelt? Kleiner Tipp: An seiner Kopfform werden Sie ihn nicht erkennen. Denn …

Dogs of all nations/Caen Elegans
… nach jahrzehntelanger Züchtung sehen Bullterrier heute in der Regel so aus: Der Kopf ist verformt, der Unterleib weniger sportlich. Weitere zuchtbedingte Veränderungen sind überzählige Zähne, Gelenkbeschwerden und Augenerkrankungen. Zudem jagen sie gern ihre eigene Rute. «Kaum zu glauben, dass der Bullterrier früher ein schöner und athletischer Hund war», schreibt Caen Elegans dazu.

… nach jahrzehntelanger Züchtung sehen Bullterrier heute in der Regel so aus: Der Kopf ist verformt, der Unterleib weniger sportlich. Weitere zuchtbedingte Veränderungen sind überzählige Zähne, Gelenkbeschwerden und Augenerkrankungen. Zudem jagen sie gern ihre eigene Rute. «Kaum zu glauben, dass der Bullterrier früher ein schöner und athletischer Hund war», schreibt Caen Elegans dazu.

Getty Images/iStockphoto
Der Basset Hound, eine britische Rasse, ist da schon besser wieder zu erkennen. Doch auch er hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Und auch das nicht unbedingt zum Guten.

Der Basset Hound, eine britische Rasse, ist da schon besser wieder zu erkennen. Doch auch er hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Und auch das nicht unbedingt zum Guten.

Dogs of all nations/Caen Elegans

Darum gehts

  • Hunde sind für manche Besitzer nur ein modisches Accessoire.
  • Dafür zahlen viele Tiere einen hohen Preis.
  • Denn so, wie sie heute aussehen, sahen sie nicht immer aus.
  • Wie stark Zucht sie verändert hat, zeigt Caen Elegans auf seinem Blog.

Mit dem Anspruch an Hunde hat sich auch deren Aussehen verändert. Einst vor allem als Arbeitstiere gehalten, sollen sie heute vor allem das Privatleben bereichern. Oftmals stehen dann Äusserlichkeiten vor dem Wohl der Tiere. Da werden ihnen zum Beispiel runde Kulleraugen und kurze Schnauzen angezüchtet, um sie niedlicher wirken zu lassen.

Welch negative Folgen solche Zuchten haben können, zeigt das Beispiel der Teetassen-Hunde gut. Sie werden so klein gezüchtet, dass sie – der Name sagt es schon – in Teetassen Platz haben. Für die Tiere selbst hat das ausnahmslos Nachteile. «Sie haben meist ein trauriges Leben», sagte Julika Fitzi, Veterinärin und tierärztliche Beraterin beim Schweizer Tierschutz (STS), zu 20 Minuten. Die Tiere seien häufig degeneriert und besonders krankheitsanfällig.

Auch falsche Fellfarben können Tiere krank machen

Doch auch weniger extrem anmutende Eingriffe des Menschen können für die Tiere gravierende Folgen haben – etwa die Herbeizüchtung spezieller Fellfarben wie «Blueline» (bei Französischen Bulldoggen und American-Staffordshire-Terriern), «Silber», «Champagner» oder «Charcoal» (Letztere alle bei Labradoren).

Verantwortlich für die spezielle Fellfarbe ist das sogenannte Dilute-Gen (engl. «to dilute»: verdünnen). Dieses sorgt für eine Verkleinerung der farbgebenden Pigmentkörnchen und damit für eine Aufhellung des Originalfarbtons. Allerdings kommt dies bei den genannten Rassen nicht natürlich vor und kann mutieren – mit fatalen Folgen für die Vierbeiner:

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Keine Frage: Labradore in anderen als den klassischen Farben sind schön und edel anzusehen. Doch für die aussergewöhnliche Färbung zahlen einige der Tiere einen hohen Preis. Um eine solche Farbe zu erhalten, implantieren Züchter den Tieren ein spezielles Gen. (Im Bild: Ein Exemplar mit der Färbung Charcoal)

Keine Frage: Labradore in anderen als den klassischen Farben sind schön und edel anzusehen. Doch für die aussergewöhnliche Färbung zahlen einige der Tiere einen hohen Preis. Um eine solche Farbe zu erhalten, implantieren Züchter den Tieren ein spezielles Gen. (Im Bild: Ein Exemplar mit der Färbung Charcoal)

Instagram/castorcontent
Das Dilute-Gen (engl. «to dilute»: verdünnen) sorgt für eine Aufhellung des Originalfellfarbtons. Dadurch wird aus Braun Silber, aus Schwarz Charcoal und aus Gelb der Farbton Champagner. (Im Bild: Labrador mit der Fellfarbe Champagne)

Das Dilute-Gen (engl. «to dilute»: verdünnen) sorgt für eine Aufhellung des Originalfellfarbtons. Dadurch wird aus Braun Silber, aus Schwarz Charcoal und aus Gelb der Farbton Champagner. (Im Bild: Labrador mit der Fellfarbe Champagne)

Instagram/torontolabradorpuppies
Doch das Gen, das weder bei Labradoren ... (Im Bild: silberfarbener Labrador)

Doch das Gen, das weder bei Labradoren ... (Im Bild: silberfarbener Labrador)

Instagram/kovaandkayda

Fotovergleich zeigt Überzüchtungen

Um auf die Folgen übertriebener Zucht aufmerksam zu machen, hat Caen Elegans auf seinem Blog «Science and Dogs» typische Vertreter verschiedener Hunderassen aus dem Jahr 1915 mit ihren modernen Nachfahren verglichen. Das Ergebnis gibt zu denken (siehe oberste Bildstrecke). Denn: «Keine Hunderasse ist jemals durch die launische und willkürliche Entscheidung, dass ein kürzeres/längeres/flacheres/grösseres/kleineres/lockigeres Was-auch-immer besser ist, verbessert worden», bringt es Elegans auf den Punkt.

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25 Kommentare
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Mügge

26.07.2020, 14:20

Ich habe seit meiner Kindheit Hunde, also über 60 Jahre. Ich könnte ohne Hund nicht leben. Ich habe mit Ihnen die schönste Zeit meines Lebens verbracht. Die letzte Hündin hat mir sogar 2x das Leben gerettet. Wer keine Ahnung vor Hunden und Tieren hat, sollte auch keine Kommentare abgeben. Hunde sind mit Sicherheit die besseren Menschen. Sie retten viele Menschenleben. Sie sind sozialer als Menschen. Wenn ich zurück blicke, wie viele Menschen meine Hunde glücklich gemacht haben und Menschen geheilt haben, dann gibt es keine bessere Medizin als einen Hund. Einfach fantastisch. Auch jetzt habe ich wieder einen Fall, wo mein Hund die Gesundheit einer schwer kranken Frau um mindestens 80 % verbessert hat. Das sind riesige Erfolge.

SG

26.07.2020, 10:27

Warum hält man Haustiere? Weil man ehrlich geliebt und gebraucht wird.Weil man nicht allein sein will,weil man seinen eigenen Artgenossen nicht verdraut.Wenn man Menschen um sich hat,die man liebt und geliebt wird,die man umsorgen kann und gebraucht wird und im Gegenzug auch Hilfe bekommt,dann braucht man keine Haustiere.Arme Menschheit.

Cerberus

26.07.2020, 09:52

Eigentlich müsste man die Qual-Züchter im Namen des Tieres allesamt verklagen und deren Zuchtstätten schliessen! Was für arrogante Menschen, die sich erlauben "Standards" festzulegen, die diametral dem Interesse und Wohl des Tieres gegenüber stehen! Genau so schlimm sind die Käufer, die den Qual-Züchtern die Tiere abnehmen. Belohnt werden sie mit kranken, behinderten Tieren und enormen Tierarztkosten oder dem frühen Verlust des ach so geliebten Tieres. Zum Glück gibt es wieder Züchter die auf die "Standards" pfeifen und versuchen Zuchtsünden zu korrigieren; als Dank werden sie von den Vereinen ausgeschlossen! Schaut euch um - es gibt noch Rassen, die nie in Mode waren und nicht ver- und über züchtet wurden. Und, auch Mischlinge sind nicht von den Qualen ausgeschlossen. Nur sieht man es nicht auf den ersten Blick und findet ihr Aussehen noch "lustig".