Bruno von Rotz / www.zwischengas.com
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Der Mercedes-Benz SL 55 AMG hat jetzt schon Klassiker-Status

Der Mercedes-Benz SL der Baureihe R230 ist noch kein Oldtimer. Dieses Jahr werden die ersten produzierten Exemplare gerade einmal 20 Jahre alt. Trotzdem stellt kaum jemand den Klassiker-Status dieser damals fortschrittlichen und ästhetisch überzeugenden Konstruktion in Frage.

von
Bruno von Rotz
19.12.2020

Der Mercedes-Benz SL der Baureihe R230 gilt als Neoklassiker, zumal in der AMG-Ausführung SL 55. Als er vorgestellt wurde, verkörperte er das damals Machbare in seiner Klasse. Dies lässt ihn auch heute noch modern wirken.

Als Nachfolger des über 12 Jahre produzierten R129 mit dem kantigen Design von Bruno Sacco und dem vollautomatisch versenkbaren Stoffdach war die Latte für den zunächst als SL 500 im Sommer 2001 vorgestellten neuen SL hoch gelegt. Doch der Neue überzeugte mit integriertem Hardtop, genannt Variodach, auf Anhieb. Die Aussenmassen änderten sich gegenüber dem Vorgänger nur im Zentimeterbereich.

Mit seinem Vieraugengesicht, seiner gestreckten keilförmig ausgelegten Silhouette und dem rundlichen Heck setzte sich der R230 deutlich vom R129 ab. Kühlöffnungen im Stile vergangener Mercedes-Rennwagen verknüpften den neuen SL mit der Mercedes-Tradition.

Die frühen AMG-Versionen der Mercedes-Benz-SL-Baureihe R230 unterschieden sich optisch vor allem unter dem Kühlergrill von den langsameren Modellen.

Die frühen AMG-Versionen der Mercedes-Benz-SL-Baureihe R230 unterschieden sich optisch vor allem unter dem Kühlergrill von den langsameren Modellen.

Simon Kwasny / www.zwischengas.com  
Macht offen am meisten Freude und dank viel Drehmoment kommt nie Hektik auf.

Macht offen am meisten Freude und dank viel Drehmoment kommt nie Hektik auf.

Simon Kwasny / www.zwischengas.com
Der SL 55 AMG aus dem Jahr 2002 ist mit Vieraugengesicht ein typischer Vertreter der Mercedes-Designphilosophie zur Jahrtausendwende.

Der SL 55 AMG aus dem Jahr 2002 ist mit Vieraugengesicht ein typischer Vertreter der Mercedes-Designphilosophie zur Jahrtausendwende.

Simon Kwasny / www.zwischengas.com

Technick gab zu reden

Es war allerdings fast weniger das Design als die Technik, welche zu reden gab. Tatsächlich hatten die Mercedes-Ingenieure viel Fortschritt und Zukunft in den Luxussportwagen eingebaut.

Die selbsttragende Karosserie wies einen hohen Aluminiumanteil auf, um das Gewicht in Grenzen zu halten. Erstmals kam «drive by wire» zum Einsatz und zwar bei der Bremsbetätigung. Mit der «Sensotronic Brake Control SBCTM» wurde der Fahrer von der Bremshydraulik entkoppelt. Ein Pedaldruck löste nun elektronische Impulse aus, die wiederum die Bremsbetätigung steuerten. Der Bremsdruck konnte damit schneller und sogar präventiv aufgebaut werden.

Zum SBCTM gesellte sich das «Elektronische Stabilitäts-Programm ESP» und die aktive Fahrwerksregelung «Active Body Control ABC», welche starke Bewegungen des Karosseriekörpers mit hydropneumatischen Elemente verhinderte. Moderne Aufhängungskonstruktionen und allerlei Luxus stellten sicher, dass die Käufer ihren SL sicher und komfortabel geniessen konnten. Die Tests waren sich einig, richtige Schwachpunkte hatte der Vorzeige-Sportwagen aus Sindelfingen keine.

Teuer und teurer

Während der SL 500 in der Schweiz 153’000 Franken kostete, trieb es der kurz nachher vorgestellte SL 55 AMG noch bunter, denn mit ihm standen sogar 200’300 Franken auf dem Preisschild. Es wurde allerdings auch mehr geboten, denn nun katapultierten den SL zunächst 476 und ab 2002 sogar 500 PS mit Supersportwagengewalt nach vorne. Deutlich über 300 km/h lief ein nicht abgeriegelter SL 55 AMG und 100 km/h waren aus dem Stand schon in weniger als fünf Sekunden erreicht.

Dampfhammer in der Praxis

Als moderner Autofahrer kommt man mit dem SL 55 AMG auf Anhieb zurecht. Der Motor startet noch per Schlüsseldreh und hält sich bezüglich Lautäusserungen vornehm zurück. Natürlich ist da etwas V8-Bollern zu hören und auch das Heulen des Kompressors bleibt nicht unbemerkt, aber solange man ihm nicht die Sporen gibt, bleibt der 5,4-Liter-V8 überraschend leise.

Cruisen scheint die Domäne des AMG zu sein. Mühelos gleitet der SL über Landstrassen und Autobahnen, das Fahrwerk fühlt sich komfortabel an, die Übersicht ist (bei offenem Dach) hervorragend. Der Blick gleitet über die lange Haube, erfreut sich am geschmackvoll ausstaffierten Interieur. Aber wenn’s sein muss oder darf, dann geht’s richtig vorwärts. Allerdings nimmt dann auch der Treibstoffverbrauch rasant zu und aus möglichen 12 Litern werden dann schnell 20 pro 100 km.

19’022 SL 55 AMG wurden gebaut, etwa 370 davon wurden in der Schweiz verkauft. Ein exklusives Vergnügen also, auch heute noch.

Weitere Informationen und viele Bilder zum Mercedes-Benz SL 55 AMG finden sich im umfangreicheren Fahrbericht auf www.zwischengas.com.

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49 Kommentare
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Polestar

20.12.2020, 22:54

Der Polestar 2 wurde zum "Schweizer Auto des Jahres" gewählt. Wirklich ein tolles Fahrzeug 👍 🚗 🔋

Also Irgendwie

20.12.2020, 22:26

war, ist und bleibt diese Formensprache etwas für den eher sehr einfachen Geschmack. Die Designer aus Stuttgart hatten mit dieser Baureihe angefangen eine grosse Affinität zu gewissen Bevölkerungsschichten aufzubauen. Und das bis heute mit grossem Erfolg.

Coronamutation

20.12.2020, 21:38

Fahri immr mit kopftuch