Aktualisiert 02.08.2012 15:52

Hiroshi Hoketsu Der Methusalem unter den Olympioniken

Der 71-jährige Japaner Hiroshi Hoketsu ist längst pensioniert. Doch 48 Jahre nach seinem ersten Olympia-Einsatz will er es noch einmal wissen. Im Dressurreiten versucht er seine lange Karriere zu krönen.

von
pre

Wenn am 2. August die Dressur-Wettbewerbe im Greenwich-Park mit dem Grand Prix beginnen, werden viele Augen auch auf den Olympia-Oldie gerichtet sein. Der japanische Dressurreiter Hiroshi Hoketsu ist mit 71 Jahren der älteste Teilnehmer und denkt noch nicht ans Aufhören. Etwas verlegen sagt er: «Ich denke nicht daran, dass ich der Älteste bin.» Und nach einer kleinen Pause schiebt er freundlich lächelnd nach: «Das tue ich nur, wenn mich Journalisten danach fragen.»

Der 71-jährige Hiroshi Hoketsu könnte der Grossvater der meisten Teilnehmer sein. Von einem Medaillengewinn ist er mit seiner Stute Whisper weit entfernt. Doch das stört ihn nicht. Als eifriger Senior will er einfach nur dabei sein. Dafür hat der rüstige Rentner sein Leben straff organisiert und ernährt sich gesund. «Ich reite jeden Tag und mache fast täglich eine Stunde Fitness», sagt Hoketsu, der seit neun Jahren zwischen Japan und Aachen pendelt.

Seit 2003 in Pension

Der ehemalige erfolgreiche Geschäftsmann reitet in London die Fuchs-Stute Whisper aus baden-württembergischer Zucht und wird vom renommierten holländischen Trainer und Dressur-Ausbildner Ton de Ridder trainiert. Auch die Luzerner Tierärztin Marcela Krinke-Susmelj, die derzeit beste Schweizer Dressurreiterin, übt mit De Ridder und profitiert vom ausgewiesenen Fachmann.

Der Japaner, der in seiner Heimat als der beste Dressurreiter aller Zeiten gilt, studierte an der berühmten Keio-Universität sowie an der Duke University in den USA und wurde anschliessend Mitarbeiter bei Ortho Diagnostic, einer japanischen Tochterfirma des US-Konzerns Johnson & Johnson. Im Laufe seiner beruflichen Karriere stieg Hoketsu bis zum Vorsitzenden des Betriebs auf. 2003 ging er, reich begütert, in Pension.

1964 in Tokio als Springreiter dabei

Seine ersten Olympischen Spiele erlebte Hoketsu 1964 in Tokio. Damals war er noch Springreiter. Als seine Sehkraft nachliess und er Probleme mit dem Abschätzen der Distanzen zwischen den Sprüngen bekam, sattelte er um. Er verschrieb sich dem Dressursport, wurde Profireiter und trainiert seit Jahren in Aachen.

Bei den Spielen in Seoul 1988 musste er kurzfristig passen, weil sein Pferd wegen Problemen mit der Quarantäne nicht in Südkorea ankam. So feierte Hoketsu sein Olympia-Comeback 2008 in Hongkong - mit 67 Jahren. Schon damals war er der Senior der Spiele und bei internationalen Medien ein vielgefragter Mann. In Japan hielt er eine eigene Pressekonferenz ab, als er im April dieses Jahres die Qualifikation für London schaffte. Diese war nämlich in Frage gestellt, weil sein Olympia-Pferd Whisper lahmte.

Die Ursache blieb lange unklar - bis sich eine hartnäckige Sehnenverletzung herausstellte. Eine Operation drohte. Doch ein befreundeter Tierarzt in Amsterdam half. «Die Genesung grenzt an ein Wunder», kommentiert der Asiate, den man viel jünger schätzt. Whisper und Hoketsu sind in Greenwich dabei und starten heute um 13 Uhr Ortszeit als 13. Teilnehmer. Ob das Glück bringt?

In Rio 2016 Rekordhalter?

Ein Wunder wäre es auch, wenn der Japaner den Rekord von Oscar Swahn noch knacken könnte. Der schwedische Sportschütze war 1920 in Antwerpen 72 Jahre und 279 Tage alt und ist damit der älteste Olympia-Teilnehmer der Geschichte. 2016 könnte Hoketsu vorbeiziehen. Das werde wohl schwierig, sagt der rüstige Rentner lächelnd und verweist auf die nachlassende Fitness im Laufe der Jahre: «Mein Pferd ist jetzt fünfzehn und wäre für Rio zu alt. Ich aber werde weiterhin dem Pferdesport verbunden bleiben. Vielleicht werde ich Dressur-Trainer in Japans Verband oder reite weiter, wenn ich gesund bleibe.» (pre/si)

Deine Meinung

Fehler gefunden?Jetzt melden.