22.08.2020 13:37

Porsche 916Der millionenschwere Über-Volks-Porsche

Als Porsche mit der Sechs-Zylinder-Version des VW-Porsche 914 nicht auf die anvisierten Zahlen kam, wagte man die Flucht nach vorne und entwickelte den Über-914.

von
Bruno von Rotz
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Der Porsche 916 sieht eigentlich fast aus wie jeder andere VW-Porsche 914, aber der 916 war deutlich schneller und seltener.

Der Porsche 916 sieht eigentlich fast aus wie jeder andere VW-Porsche 914, aber der 916 war deutlich schneller und seltener.

Jasen Delgado - Courtesy RM Auctions / www.zwischengas.com
Das Stahldach war beim Porsche 916 fest eingeschweisst.

Das Stahldach war beim Porsche 916 fest eingeschweisst.

Jasen Delgado - Courtesy RM Auctions / www.zwischengas.com
Der 916 ähnelt mit den Verbreiterungen und dem Frontspoiler den Rennsport-Versionen 914/6 GT.

Der 916 ähnelt mit den Verbreiterungen und dem Frontspoiler den Rennsport-Versionen 914/6 GT.

Jasen Delgado - Courtesy RM Auctions / www.zwischengas.com

Darum gehts

  • Als die Absatzzahlen für den VW-Porsche 914 hinter den Erwartungen zurücklagen, entschied man sich zu einer Flucht nach vorne.
  • Das Resultat war der sportlich geschärfte und noblere VW-Porsche 916.
  • Weil der aber schnell zu teuer wurde, wurde aus der geplanten grossen eine Mini-Serie.
  • Das macht ihn zu einem beliebten und nicht teuren Sammlerstück.

Obwohl der VW-Porsche bei seiner Premiere im Jahr 1969 freudig begrüsst worden war, schliesslich gab es nicht viele Mittelmotor-Sportwagen mit offenem Dach auf dem Markt, tat sich vor allem die stärkere Variante mit Porsche-Sechszylindermotor schwer. Die Absatzzahlen blieben hinter den Erwartungen zurück.

Bei Porsche entschied man sich zu einer Flucht nach vorne und entwickelte den VW-Porsche 916. Sportlich geschärft sollte er sein und gleichzeitig nobler. Als Verkaufspreis strebte man 40’000 bis 50’000 D-Mark an. Zum Vergleich: Ein Porsche 911 S kostete als teuerster Wagen der Palette 1971 31’150 D-Mark, ein Dino 246 GT wurde in Deutschland für 39’905 D-Mark verkauft.

Von der Rennstrecke auf die Strasse

Der Prototyp des VW-Porsche 916 bestand aus Komponenten, die sich teilweise im Rennsport oder aber im 911 bereits bewährt hatten. Um eine höhere Stabilität zu erreichen, verschweisste man das nun aus Stahlblech geformte Dach direkt mit der Karosserie, aus dem Targa-Cabriolet wurde ein Coupé. Die Längsträger wurden verstärkt und kunststoffummantelt. Beim Fahrwerk griff man auf die Elemente des 914/6 zurück, zog aber 185/70-Reifen auf Sieben-Zoll-Fuchsfelgen auf.

Angeschweisste Kotflügelverbreiterungen aus Stahlblech machten den 916 neun Zentimeter breiter. Als Motor wurde beim Prototyp ein auf Superbenzin optimierter 2,6-Liter-Motor mit 210 PS eingebaut. Insgesamt war so ein Paket entstanden, das selbst arrivierten Super-Sportwagen um die Nase fahren konnte.

Zu teuer

Die Premiere für den Porsche 916 war für den Pariser Autosalon im Herbst 1971 geplant. Doch vor Ort war der Wagen nicht zu erblicken. Das Projekt war kurzerhand gestoppt worden, weil die Kosten aus dem Ruder liefen. Unter 45’000 DM war der Wagen nicht zu bauen und für diesen Preis nicht in grösseren Zahlen zu verkaufen.

Der schnellste Serien-Porsche seiner Zeit?

Ganz gestorben war das Projekt 916 dann aber doch nicht. Es wurde eine Mini-Serie gebaut. Diese ging an Mitglieder der Familie Porsche und an Freunde des Hauses, zum Stückpreis von 41’000 D-Mark.

Rund 1000 kg schwer war ein Serien-916, der im Sinne einer einfachen Ersatzteilversorgung mit dem 911-S-2,4-Liter-Motor ausgerüstet wurde. Auch mit den «nur» 190 PS resultierte ein Leistungsgewicht von 5,3 kg pro PS. Der Sprint von 0 auf 100 km/h war in rund 7 Sekunden zu schaffen, als Spitzengeschwindigkeit sprach man von rund 240 km/h. Mit diesen Fahrleistungen waren die im Jahr 1972 gebauten «Serien»-916 die schnellsten Porsche-Sportwagen ihrer Zeit. Wer zu den glücklichen Empfängern gehörte, konnte sich die Innenausstattung nach eigenem Geschmack zusammenstellen, und er erhielt eine Rarität, die einen erklecklichen Wertzuwachs versprach, wie man heute weiss.

Der abgebildete hellgelbe Wagen ist der erste «Serien»-916, er gehörte einst Louise Piëch, der Schwester von 917-Vater Ferdinand Piëch. Sie hatte ihn sich in kastanienbraunem Leder mit Paisley-Cord-Einsätzen ausstatten lassen, ein richtiges kleines Schmuckstück. Und dieser Wagen sucht nun einen neuen Besitzer, der bereit ist, dafür bis zu eine Million US-Dollar zu bezahlen. Dafür erhält er eine von zehn in kleiner Serie gefertigten Raritäten, mit der man noch heute an jedem Porsche-Treffen für einen Menschenauflauf sorgen kann. Mehr Informationen und Fotos gibt es auf www.zwischengas.com.

Zwischengas.com ist die umfangreichste Onlineplattform zu den Themen Oldtimer, Youngtimer und historischer Rennsport und wird von Enthusiasten mit Benzin im Blut täglich mit neuen Artikeln, Bildern und historischen Dokumenten ergänzt.

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35 Kommentare
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Antifan

23.08.2020, 12:51

Jeder 9000 Fr -Dacia sieht im Innenraum wie ein Luxus-Auto aus im Vergleich zu diesem Plastik-Innenraum dieses Porsches.

Unpraktisch

23.08.2020, 12:39

Bei diesen Porsches passt einfach nichts. Da passt nicht mal ein Fahrrad rein.

FAN

23.08.2020, 12:14

Ich hatte in den 80ger einen 914, leider damals schon sehr zerrostet für 4000,-DM gekauft und als Student nicht das Geld ihn richtig zu restaurieren. Die Form wurde entweder als gut beurteilt, oder absolut abgelehnt... Ausserdem wurde er IMMER ALS "NUR EIN VW PORSCHE" bezeichnet. Ich habe den Wagen geliebt! Klasse Motor, STRASSENLAGE, Targa Dach und echter Fun beim Fahren... Leider hat uns damals der TÜV getrennt. Wenn ich das Geld dafür übrig hätte würde ich mir sofort wieder einen 914 kaufen, der 916 war damals, wie heute leider ausserhalb meiner meiner Möglichkeiten.