Der Mobbing-Hölle entfliehen
Aktualisiert

Der Mobbing-Hölle entfliehen

Schikanen, Belästigungen, Beleidigungen, Ausgrenzungen oder kränkende Arbeitsaufgaben am Arbeitsplatz sind alarmierende Zeichen: Aus ungelösten Konflikten kann Mobbing entstehen.

von
Othmar Bertolosi

Arbeitskolleginnen und –kollegen schauen einen dauernd schief an oder ignorieren einen völlig. Sie hören auf zu sprechen, wenn man auftaucht oder gehen einem aus dem Weg. Gerüchte machen die Runde, Arbeitsaufgaben sind weit unter den Fähigkeiten: So macht der Arbeitsalltag schnell keinen Spass mehr. Beatrice Müller* (50) hat dies alles am eigenen Leib erfahren. Doch damit nicht genug: Derartige, versteckte Anfeindungen können auch zu massiven psychischen Problemen führen.

„Bei allgemeiner Unzufriedenheit der Mitarbeitenden, wenn Konflikte nicht gelöst werden, bei Fusionen und Umstrukturierungen und immer dann, wenn am Arbeitsplatz der Druck zu nimmt, treten Arbeitsplatzkonflikte und Mobbing häufiger auf", weiss Präventionsfachfrau und Organisationsentwicklerin Esther Lauper. Opfer kann unter Umständen jeder werden, unabhängig von der Person oder der Stellung in der Hierarchie. Es gibt aber Möglichkeiten, sich erfolgreich dagegen zu wehren.

Mobbing ist aber nicht nur für die Betroffenen ein Problem, sondern auch für die Unternehmen: „Mobbing führt zu Demotivation und hohen Betriebskosten. Es schadet dem Ruf der Firma und verärgert die Mitarbeitenden„, erklären Fachleute. Dazu gehört, die Frühwarnzeichen von Arbeitsplatzkonflikten, psychosozialem Stress und Mobbing zu kennen. „Den partnerschaftlichen Umgang unter den Mitarbeitenden zu fördern, Probleme und Konflikte unter den Mitarbeitenden Ernst zu nehmen und sie unterstützend und sozial kompetent zu lösen, sind wirksame Massnahmen gegen Mobbing und andere Arbeitsplatzkonflikte", führt Esther Lauper weiter aus.

Der konstruktive Umgang mit Mobbing- und anderen schwierigen und komplexen Situationen lässt sich lernen. Die Investitionen in entsprechende Weiterbildungsangebote zu Gunsten einer positiven Unternehmenskultur lohnen sich: Grundsätzlich gilt, dass in einem guten Arbeitsklima in der Regel nicht gemobbt wird. Beatrice Müller hat aber bereits vorher die Notbremse gezogen und ihren Arbeitgeber verlassen. Nun führt die gelernte Verkäuferin einen kleinen Dorfladen in Eigenregie. Und ist glücklich darüber, selbst wenn der tägliche Arbeitsweg über zwei Stunden beträgt.

*Name geändert

Wie wehrt man sich gegen Arbeitskonflikten und Mobbing?

- Bei wohlgesinnten Menschen moralischen und persönlichen Rückhalt suchen

- Jede Art von Übergriff protokollieren (Tagebuch), Beweise sammeln

- Gespräche mit Arbeitskollegen und Vorgesetzten führen

- Unstimmigkeiten von Anfang an der Wurzel angehen. Ungerechtigkeiten nicht akzeptieren.

- Sofort reagieren und Grenzen ziehen: klar machen, dass man das Verhalten der Mobber nicht toleriert und sich dagegen wehrt

- Wenn Mobbing nicht aufhört Beratungsstelle aufsuchen oder Selbsthilfegruppe beitreten

- Arzt konsultieren bei Konzentrationsschwierigkeiten, Ess- und Schlafstörungen, Herzbeschwerden oder Angstzuständen etc.

- Rechtsberatung aufsuchen

Deine Meinung