Zum Raubtier mutiert: Der mörderische Bruder des Mistkäfers
Aktualisiert

Zum Raubtier mutiertDer mörderische Bruder des Mistkäfers

Normalerweise ernähren sich Mistkäfer von Dung. Doch US-Forscher haben nun erstmals eine Art entdeckt, die zum Räuber geworden ist: Das in den Regenwäldern Perus beheimatete Tier zerfetzt und frisst grosse Tausendfüssler.

Die Käfer umklammern die zusammengerollten Tausendfüssler mit ihren Hinterbeinen und reissen ihnen Beine und schliesslich den Kopf ab, wie Forscher um Trond Larsen von der Universität Princeton im Fachmagazin «Biology Letters» (online vorab) berichten. Sie nutzen dazu die scharfe, bezahnte Kante ihrer «Oberlippe» wie einen Hebel.

Larsen und seine Kollegen entdeckten den räuberischen Mistkäfer mit dem wissenschaftlichen Namen Deltochilum valgum in den Tiefland- Regenwäldern Perus. Unter 131 Mistkäferarten war er der einzige, der das typische Dungkugel-Rollen zu Gunsten einer räuberischen Lebensweise aufgegeben hatte.

Verletzte Beute bevorzugt

In Fallenexperimenten zeigte sich, dass die Tiere stark von Tausendfüsslern als Köder angelockt wurden. Sie stürzten sich vor allem auf lebende, verletzte Exemplare, selbst wenn diese grösser waren als sie selbst. Andere Beute fanden die Forscher nicht. Deltochilum valgum scheine sich daher auf Tausendfüssler als Nahrung spezialisiert zu haben.

Dies sei ein sehr seltenes Beispiel dafür, wie kleine körperliche und Verhaltens-Änderungen eine Art in eine völlig andere Stufe der Nahrungskette versetzen können, meinen die Forscher. Solche Übergänge könnten die schnelle Evolution und Diversifizierung in vielen Insektengruppen erklären.

Die weltweit verbreitete Gruppe der Mistkäfer gräbt sich normalerweise in den Dung von Wirbeltieren und lebt von den Bakterien und der sich zersetzenden Biomasse. Einzelne Arten haben ihre Nische auch in zersetzendem Obst oder Aas gefunden.

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