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Netflix-DokuDer Mord, der die USA seit 20 Jahren in Atem hält

JonBenét Ramsey starb 1996 und ziert noch immer Titelblätter. Warum sind die Amerikaner so von ihr besessen? Ein neuer Film sucht Antworten.

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cat
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Ein undatiertes Familienvideo von JonBenét Ramsey. Das Mädchen aus Boulder, Colorado, nahm regelmässig an Schönheitswettbewerben teil. In der Nacht auf den 26. Dezember 1996 wurde es Opfer eines Gewaltverbrechens. JonBenét wurde nur sechs Jahre alt.

Ein undatiertes Familienvideo von JonBenét Ramsey. Das Mädchen aus Boulder, Colorado, nahm regelmässig an Schönheitswettbewerben teil. In der Nacht auf den 26. Dezember 1996 wurde es Opfer eines Gewaltverbrechens. JonBenét wurde nur sechs Jahre alt.

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Das Mädchen wurde in seinem Elternhaus erwürgt und im Keller abgelegt.

Das Mädchen wurde in seinem Elternhaus erwürgt und im Keller abgelegt.

AP/Jack Dempsey
In den frühen Morgenstunden des 26. Dezember meldeten sie ihre Eltern John und Patsy Ramsey als vermisst, nachdem sie eine Lösegeldforderung im Haus gefunden hatten. Die Summe: 118 000 Dollar.

In den frühen Morgenstunden des 26. Dezember meldeten sie ihre Eltern John und Patsy Ramsey als vermisst, nachdem sie eine Lösegeldforderung im Haus gefunden hatten. Die Summe: 118 000 Dollar.

AP/David Zalubowski

Kaum ein Gewaltverbrechen erschütterte die USA nachhaltiger als jenes an JonBenét Ramsey. Das sechsjährige Mädchen, von seiner Mutter auf Schönheitskönigin im Miniaturformat getrimmt, liegt an Weihnachten 1996 tot im Keller ihres Zuhauses im Nobelort Boulder, Colorado. Die Obduktion zeigt, dass sie stranguliert wurde. Steckt hinter der Tat ein Familienmitglied? Ein Triebtäter? Oder gar ein Pädophilen-Ring?

Nur acht Stunden davor, in den frühen Morgenstunden des 26. Dezember 1996, hatte Mutter Patsy Ramsey den Notruf gewählt. Ihre Tochter JonBenét sei gekidnappt worden. Ein mehrseitiger Erpresserbrief liegt vor. Die Entführer fordern 118'000 Dollar – fast genau die Summe, die Vater John gerade als Bonus von der Firma ausbezahlt bekam.

Von der eigenen Familie ermordet?

Zur Tatzeit im Haus waren Vater John, Mutter Patsy und Bruder Burke, der damals neun Jahre alt war. Alle drei geraten unter Verdacht. Doch die Beweise reichen nicht aus, um jemanden zu verurteilen. Laut Statistik liegt die Wahrscheinlichkeit, dass ein Kind von einem Familienmitglied oder einer Betreuungsperson und nicht von einem Fremden ermordet wurde, bei 12:1. Doch JonBenét ist kein normales Mädchen. Sie war eine lokale Berühmtheit, die in aufreizender Kleidung an Schönheitswettbewerben teilnahm. Wurde ihr das zum Verhängnis?

Wer die Tat begangen hat, ist bis heute unklar. Mutter Patsy starb 2006 an Krebs. «Ich glaube nicht, dass der Fall gelöst werden kann. Es gibt einfach zu wenig Beweise», sagt Kitty Green. Die Regisseurin beleuchtet den Fall in ihrer neuen Dokumentation «Casting JonBenet», die ab morgen auf Netflix zu sehen ist.

Doch die Australierin wählt nicht die Form des klassischen Whodunit à la «Making a Murderer», sondern machte einen semi-dokumentarischen Film, der auch das makabre Vermächtnis des Kinder-Starlets untersucht. Denn 20 Jahre später ziert JonBenét noch immer Titelblätter in den USA. «Die Öffentlichkeit ist von diesem Fall besessen. Sie ist zur Ikone geworden. Das hat mich mehr interessiert, als wer sie ermordet hat», so Green.

Der Trailer zum Dokfilm:

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