FCB-Social-Media-Manager: Der Mr Snapchat des 20-fachen Schweizer Meisters
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FCB-Social-Media-ManagerDer Mr Snapchat des 20-fachen Schweizer Meisters

Simon Walter ist der Social-Media-Manager des FC Basel 1893 und betreut alle Kanäle von Rotblau. Er ist während eines Spiels stets am Handy.

von
Adrian Hunziker
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Auf Reportage mit dem Social-Media-Manager des FC BaselVor dem Heimspiel des FC Basel gegen den FC Sion am 33. Spieltag der Super-League-Saison 2016/17 besprechen sich Simon Walter (l.), Social-Media-Manager, und Andrea Ruberti, Club-TV-Manager, auf dem Rasen.

Auf Reportage mit dem Social-Media-Manager des FC BaselVor dem Heimspiel des FC Basel gegen den FC Sion am 33. Spieltag der Super-League-Saison 2016/17 besprechen sich Simon Walter (l.), Social-Media-Manager, und Andrea Ruberti, Club-TV-Manager, auf dem Rasen.

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Walter, der alle Social-Media-Kanäle des FCB betreut, macht erste Fotos.

Walter, der alle Social-Media-Kanäle des FCB betreut, macht erste Fotos.

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Aus verschiedenen Perspektiven, versteht sich.

Aus verschiedenen Perspektiven, versteht sich.

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Es ist ein Full-Time-Job: die sozialen Kanäle des FC Basel 1893 für 2,34 Millionen Fans zu betreuen. Beim 20-fachen Schweizer Meister übernehmen das Simon Walter und sein Kollege Andrea Ruberti. Sie befassen sich rund um die Uhr mit Social Media, machen Bilder, Videos und kontrollieren die FCB-Kanäle.

In etwas mehr als einer Woche beginnt die neue Super-League-Saison und das FCB-Social-Media-Team macht sich wieder an die Arbeit. 20 Minuten hat an einem Spieltag der vergangenen Spielzeit Walter über die Schultern geschaut – ein Erfahrungsbericht.

Keine Videos aus der Garderobe

Das nennt man wohl Vorführeffekt: Wir befinden uns gerade auf der Medientribüne im St.-Jakob-Park mit Simon Walter, dem Social-Media-Manager des FC Basel. Wenige Minuten zuvor haben wir darüber gesprochen, dass die Spieler des FCB einige Richtlinien, die Social Media betreffen, einhalten müssen.

Da erzählt Walter, dass nur gerade eine Stunde vor Spielbeginn (Basel gegen Sion in der 33. Super-League-Runde, Endstand 2:2) ein Spieler ein Video aus der Garderobe gemacht und es auf Instagram gepostet hat. «Das ist natürlich nicht in unserem Sinn», sagt Walter. Er werde das Gespräch mit dem entsprechenden Profi suchen.

Marcel Koller ist im Stadion

Dann wendet er sich seiner aktuellen Aufgabe zu: den FCB-Anhängern neuen Stoff zu liefern, auf Snapchat, Instagram, Twitter und Facebook – das sind insgesamt rund 2,34 Millionen Fans. Vor und nach dem Spiel hat er viel zu tun, während der Partie hält er sich eher zurück, «die Fans sollen sich aufs Spiel konzentrieren können». Und auch Walter kann so das Geschehen besser geniessen. Natürlich macht er aber bei einem Tor ein Video. Das stellt er auf Snapchat, den kurzweiligsten Social-Media-Kanal.

Während er mit dem Handy fotografiert, Texte verfasst und kurze Videos schneidet, wird Walter von FCB-Fotografen mit aktuellen Bildern gefüttert. Als einer der Fotografen den österreichischen Nationaltrainer Marcel Koller im Stadion entdeckt, ist das Foto sofort da und Walter macht einen Twitter-Eintrag. Sein Bauchgefühl sagt ihm, dass dieses Bild für Instagram ungeeignet wäre, deshalb lässt er das.

Ägypter stürmen Facebook-Seite

Was keinem der Basel-Fans passt, ist der Sittener 1:1-Ausgleich in der 39. Minute. Trotzdem macht Walter auch davon ein Video und publiziert es. «Ich kann in solchen Situationen natürlich nicht so emotional reagieren wie gewisse Vollblut-FCB-Fans. Aber man darf schon spüren, dass mich das nicht freut. Also schreibe ich das auch so in meine Posts.» Die Professionalität dürfe dabei aber nicht verloren gehen.

Kurz darauf hat Walter in der Pause etwas mehr Zeit, um Einträge zu tätigen. «Ich mache fast alles mit dem Handy, obwohl ich auch einen Laptop dabeihabe. Es geht mit dem Phone aber einfach schneller. Dumm ist nur, dass ich nicht alles gleichzeitig machen kann.»

Die zweite Halbzeit plätschert vor sich hin. Walter löscht stark beleidigende oder anstössige Kommentare auf Facebook und Instagram – «ja, das kommt mehr vor, als man vielleicht denkt.» Auf diesem Kanal hat der FCB mit 2,1 Millionen weitaus die grösste Anhängerschaft. Über 900'000 Fans stammen aus Ägypten. Die früheren Spieler Mohamed Salah und Mohamed Elneny, aber auch der aktuelle Profi Omar Gaber haben auf Social Media ihre Spuren hinterlassen.

Facebook-Live-Video muss abgebrochen werden

In der 88. Minute schiesst Seydou Doumbia den FCB vermeintlich zum 2:1-Sieg, Walter hat wieder mehr Arbeit. Kaum ist er fertig, macht er sich gemeinsam mit Andrea Ruberti, Club-TV-Manager des FCB, auf den Weg in Richtung Rasen. Sie dürfen alle Absperrungen passieren und warten hinter dem Tor vor der Muttenzer Kurve auf das Ende des Spiels. Auf dem Spielfeld wollen sie dann die ersten Video-Interviews aufnehmen.

Da passierts: Sion schafft in letzter Minute den 2:2-Ausgleich, die Stimmung im Stadion kippt. Zwar ist der FCB rechnerisch schon Schweizer Meister, trotzdem wollten die Anhänger einen Sieg der Rotblauen sehen – speziell, da das die Hauptprobe für den Cupfinal einige Tage später ist. So wird das Facebook-Live-Video mit FCB-Verteidiger Michael Lang schwierig – sehr schwierig. Denn während Lang die Fragen von Ruberti beantwortet, halten einige Sion-Spieler hinter ihm inne und schauen auf die Videowand. Das provoziert die Muttenzer Kurve, es ertönt ein gellendes Pfeifkonzert. Das Interview mit Lang muss abgebrochen werden (siehe Video unten).

Lang und Heusler im Facebook-Live-Video

Der FCB-Verteidiger und der Präsident äussern sich zum Spiel gegen Sion (2:2). (Video: FCB)

FCB-Verteidiger Lang und Präsident Heusler äussern sich zum Spiel gegen Sion. (Video: FCB)

Als der scheidende FCB-Präsident Bernhard Heusler vor die Kamera tritt, ist das Stadion leer, es findet ein gepflegtes Gespräch statt. Zu guter Letzt äussert sich in den Katakomben des Stadions der enttäuschte Davide Callà. Nach getaner Arbeit verabschiedet er sich höflich und verschwindet mit gesenktem Kopf. Nun machen sich Walter und Ruberti auf, das Videomaterial zu schneiden und auf die Social-Media-Kanäle zu verteilen. Walters Arbeitstag endet spät nach 23 Uhr – dann hat er endlich auch mal Zeit, seine privaten Social-Media-Kanäle zu checken.

So sieht das vollendete Video aus:

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