Der Dodge Charger 500 hätte die Nascar- Meisterschaft aufmischen sollen
Der Dodge Charger 500 sollte mit seinem aerodynamischen Design die NASCAR-Meisterschaft dominieren – dazu kam es aber nie.

Der Dodge Charger 500 sollte mit seinem aerodynamischen Design die NASCAR-Meisterschaft dominieren – dazu kam es aber nie.

RM Sotheby’s / www.zwischengas.com 
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Dodge Charger 500 Der Muscle Car, der die Nascar- Meisterschaft aufmischen sollte

Aerodynamik sei für Leute, die keine Motoren bauen können, soll Enzo Ferrari gesagt haben. Doch selbst die Amis, für die Leistung einst über alles ging, entdeckten Ende der 60er die Vorteile eines niedrigen Luftwiderstands – zumindest auf der Rennstrecke.

von
Paul Krüger

Ende der 60er-Jahre zeichneten sich die Stock-Car-Rennwagen der NASCAR noch dadurch aus, dass sie tatsächlich weitgehend «Stock» waren und auch beim freundlichen Vertragshändler im Showroom standen – oder besser: stehen mussten, denn das Reglement verlangte es. Und so brachte die Chrysler Corporation zur Saison 1969 ein neues, aerodynamisch optimiertes «Sondermodell» ihres Mid-Size-Coupés, das eigentlich gar nicht für Privatkundinnen und -kunden gedacht war, sondern der Konkurrenz in der ovalen Rennstrecke gehörig den Allerwertesten versohlen sollte.

Schneller dank Asphalt

Die Rennstrecken der NASCAR hatten sich in den zehn Jahren zuvor stark gewandelt. Ende der 50er drifteten die Full-Size-Kutschen noch über unbefestigte Dirt-Tracks; nur vereinzelte kleine Strecken hatten eine geteerte Fahrbahn. Bis 1959 mit dem Daytona International Speedway in Florida der erste asphaltierte «Superspeedway» entstand, der Autos und Fahrer in noch nie dagewesene Geschwindigkeitsregionen katapultierte. In Folge dieses High-Speed-Spektakels wurden viele der alten Sandbahnen zu Beginn der 60er-Jahre ebenfalls asphaltiert oder gleich zugunsten neugebauter Speedways aus dem Rennkalender gestrichen. Motorleistung war fortan nicht mehr die einzige Eigenschaft eines Autos, die über Sieg oder Niederlage entschied. Bei den Windschatten-Duellen in den Steilkurven war nun auch ein möglichst niedriger Luftwiderstand gefragt.

Der Charger 500 sollte Chryslers Homologationsmodell für die NASCAR-Saison 1969 werden.

Der Charger 500 sollte Chryslers Homologationsmodell für die NASCAR-Saison 1969 werden.

RM Sotheby’s / www.zwischengas.com
Nur drei Stück wurden in Weiss mit rotem Interieur bestellt.

Nur drei Stück wurden in Weiss mit rotem Interieur bestellt.

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Das «Fastop» mit eingelassener Scheibe macht das Heck des Charger 500 strömungsgünstiger.

Das «Fastop» mit eingelassener Scheibe macht das Heck des Charger 500 strömungsgünstiger.

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Dummerweise stand die damalige Automode dem komplett entgegen. Die Front des 1968er Dodge Charger mit zurückversetztem Kühlergrill wirkte auf den Superspeedways wie ein Bremsfallschirm. Die steile Heckscheibe zwischen den lang auslaufenden C-Säulen war strömungstechnisch ebenfalls ein Desaster. Dodge korrigierte diesen Missstand im September 1968 mit dem Charger 500. Statt des «Sammeltrichters» mit Hide-Away-Headlights an der Front trug er einen bündig abschliessenden Kühlergrill mit fest installierten Doppelscheinwerfern vor sich her. Die Heckscheibe war nun ebenfalls formschlüssig zwischen den C-Säulen eingesetzt, sodass der 500er eine Art Fastback hatte.

500 Käufer gesucht

Technisch entsprach der Charger 500 dem Charger R/T. Anders als im Prospekt behauptet, war der 500 jedoch nicht ausschliesslich mit dem 426er-Hemi zu haben. Basis-Motor war wie beim R/T der reguläre 440er-Magnum mit 7,2 Litern Hubraum und 380 SAE-PS. Der Hemi kostete 648.20 Dollar Aufpreis. Einzige weitere Antriebsoption war die Wahl zwischen der TorqueFlite-Dreigang-Automatik oder einem manuellen Vierganggetriebe. Nun mussten sich nur noch 500 Käuferinnen und Käufer für das 3'843 Dollar teure Homologationsmodell finden. Denn um für die NASCAR Grand National Series zugelassen zu werden, war eine Auflage von 500 Autos verlangt – daher auch der Namenszusatz von Chryslers erstem «Aero Warrior».

Da Ford im Januar 1969 mit dem Torino Talladega konterte, war Chrysler wieder unter Zugzwang. Im April 1969 präsentierten sie den radikalen Charger Daytona mit Keil-Nase und Monsterspoiler, der nun kein Geheimnis mehr daraus machte, dass er ein verkappter Rennwagen war. So wurde die Fertigung des im Vergleich erschreckend zivilen Charger 500 bereits nach 392 Stück wieder eingestellt. Zum Modelljahr 1970 war «500» zu einer blossen Ausstattungs-Variante des Mid-Size-Coupés geworden, die immerhin Radlaufchrom, Einzelsitze und elektrische Uhr vom Basis-Charger abhoben. Von den 46'315 Charger des Jahrgangs 1970 waren 27'264 Charger 500 – gänzlich ohne motorsportlichen Ehrgeiz mit Stufenheck und zurückversetztem Kühlergrill.

Einen ausführlichen Fahrbericht sowie viele weitere Bilder gibt es auf www.zwischengas.com zu lesen und zu sehen.

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