Urheberrechts-Prozesse: Der Musik-Industrie droht der Todesstoss
Aktualisiert

Urheberrechts-ProzesseDer Musik-Industrie droht der Todesstoss

Für etliche Labels könnte es bald lebensbedrohlich werden: Eine bisher unbeachtete Klausel im US-Urheberrechtsgesetz erlaubt es Künstlern, die Rechte an ihrer Musik zurückzufordern.

von
Niklaus Riegg

Der Musikindustrie brechen die Verkäufe ein. Die Labels haben die Verlagerung des Geschäfts ins Internet komplett verpasst. Mit der Arroganz aus fünf Jahrzehnten erfolgreichen Geschäftsgangs sah sich die Industrie nicht – respektive viel zu spät – genötigt, sich einem neuen Umfeld zu stellen. Das Resultat: Zwischen 1999 und 2009 ist in den USA der Verkauf um mehr als die Hälfte eingebrochen. Und weil die grossen Labels geschlafen haben, hat mittlerweile Apple mit iTunes den Markt übernommen – und diktiert die Bedingungen.

Geldquelle könnte wegbrechen

Um so wichtiger ist für die grossen Labels der «Backkatalog», die Klassiker, die alten Meisterwerke. Denn auch wenn viele kaum mehr Musik kaufen, Alben wie «Darkness on the Edge of Town» von Bruce Springsteen, «The Wall» von Pink Floyd oder «Back in Black» von AC/DC wollen viele noch zu Hause stehen haben – oder wenigsten regulär im Internet kaufen. Dies ist ein gutes Geschäft für die Plattenfirmen: Diese Titel sind längst refinanziert, es muss im Gegensatz zu neuen Veröffentlichugen kaum Geld für Werbung ausgegeben werden.

Doch genau diese Geldquelle könnte der Industrie jetzt wegbrechen: Eine bisher kaum beachtete Klausel im US-Urhebergesetz aus dem Jahr 1978 kommt demnächst zum Zug. Diese besagt, dass Künstler nach 35 Jahren die Rechte an ihrer Musik und ihren Kompositionen zurückfordern können. Dies gilt für alle Songs und Alben, die nach 1978 veröffentlicht wurden. Musiker, die ihre Rechte zurückwollen, müssen dies zwei Jahre zuvor anmelden. Das haben nach einem Bericht der «New York Times» auch schon einige gemacht: Bob Dylan, Tom Petty, Kris Krisofferson oder Tom Waits.

«Eine lebensbedrohliche Veränderung»

«Die Industrie hat eine Fantastilliarde Dollars mit dieser Musik gemacht. Viel mehr als die Künstler selber», so Don Henley von den Eagles. «Es geht um Gerechtigkeit». Laut Branchenkennern könnten die Urheberrechtsansprüche für die Musikindustrie von einschneidender Bedeutung sein: «Das ist eine lebensbedrohliche Veränderung für sie», sagt Künstleranwalt Kenneth J. Abdo, der unter anderen Kool and the Gang vertritt, zur «New York Times». Denn die Plattenfirmen müssten nicht nur auf die Einnahmen aus Verkäufen verzichten, ihnen würden auch die Lizenzeinnahmen für die Verwendung von Songs in Werbungen und Filmen wegbrechen.

Noch hoffen die Labels ein Schlupfloch zu finden. Doch einige Majors haben Angst vor allfälligen Prozessen, die bis vor die höchste Kammer weitergezogen werden könnten. Denn mit einem Gang vor Gericht dürften sie einige Künstler verärgern – und falls diese Recht bekommen, müssten die Plattenfirmen mit ihnen neu verhandeln, um deren Werke weiterhin verteiben zu können.

Die Labels haben noch einen anderen Grund, die Sache klein zu halten: Bis jetzt ist nicht klar, ob die Klausel auch für die US-Veröffentlichungen der britischen Bands gilt. Dabei geht es dann um Kaliber wie Led Zeppelin, The Rolling Stones, Pink Floyd, Sex Pistols oder Dire Straits. Alles Bands, die bis heute enorm viele Alben verkaufen.

Nicht nur in den USA, auch in der Schweiz ist der Tonträgermarkt eingebrochen.

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