Burma: Der mysteriöse Besuch eines Exzentrikers

Aktualisiert

BurmaDer mysteriöse Besuch eines Exzentrikers

Er wollte Gutes tun und richtete nur Schaden an. Der Amerikaner John Yettaw schwamm durch einen See, um die burmesische Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi zu besuchen. Seinetwegen sitzt sie nun im Gefängnis.

von
Peter Blunschi

Er lebt in einem Wohnmobil in den Wäldern von Missouri, zwischen riesigen Bäumen und kaputten Autos, wie der US-Sender CNN berichtete. Von seinen Nachbarn wird der 53-jährige John William Yettaw als sehr intelligenter, aber auch exzentrischer Eigenbrötler beschrieben. Nun sitzt er in einem Gefängnis in Rangun, nachdem er letzte Woche durch den Inya-See zum Haus von Aung San Suu Kyi geschwommen war und dort drei Nächte verbracht haben soll. Ihm droht eine mehrjährige Haftstrafe.

Seine Motive sind und bleiben mysteriös. Politische Ziele soll John Yettaw nicht gehabt und sich für die Lage in Burma nicht interessiert haben, sagte seine zweite Ehefrau Betty der von burmesischen Oppositionellen in Thailand herausgegebenen Zeitung «Irrawaddy». Er habe aber bereits im letzten Sommer einen erfolglosen Versuch unternommen, die Friedensnobelpreisträgerin von 1991 zu treffen. «Er ist ein sehr friedliebender Mensch und wollte ihr nichts Böses antun», behauptete Betty Yettaw.

Suu Kyi als Studienobjekt?

Seiner ersten Frau Yvonne, von der sich der gläubige Mormone und Vater von sieben Kindern vor rund sieben Jahren scheiden liess, soll er gemäss «Irrawaddy» gesagt haben, er arbeite an einer psychologischen Abhandlung über Trauma und Vergebung. Offenbar besuchte John Yettaw an einer Schule in Missouri Kurse in Psychologie, zuletzt war er dort aber nicht mehr eingeschrieben. Gemäss CNN hatte er in der Armee gedient und danach unter Alkoholproblemen und posttraumatischem Stress gelitten.

Zuletzt lebte er von einer Behindertenrente, ausserdem arbeitete er als Handwerker. «Wir haben nicht viel Geld», sagte Ehefrau Betty Yettaw, selbst die Reise nach Burma vom letzten Sommer sei noch nicht abbezahlt gewesen. Ihr Mann sei «nicht verrückt, aber exzentrisch», räumte sie ein. Sah er in Aung San Suu Kyi, die weltweit für ihren starken Willen verehrt wird, einfach nur ein ideales Studienobjekt?

Idealer Vorwand für Junta

Die Frage bleibt vorerst offen. Sicher ist aber, dass Yettaw ihr mit seiner Visite einen Bärendienst erwiesen hat. Für die Militärjunta in Burma war sie der ideale Vorwand, um die beliebte Oppositionsführerin, die in Kürze aus dem jahrelangen Hausarrest hätte entlassen werden müssen, weiter einzusperren und vor den geplanten Wahlen 2010 aus dem Verkehr zu ziehen. Am Montag soll die gesundheitlich angeschlagene Suu Kyi vor Gericht gestellt werden, weil sie illegal Besuch empfangen hat.

Betty Yettaw ist überzeugt, dass ihr Mann deswegen «sehr bestürzt» ist: «Ich glaube nicht, dass er vorhersehen konnte, welchen Schaden er anrichten würde.» Für Aung San Suu Kyi und alle, die auf Demokratie in Burma hoffen, ist das kein Trost. «Wir sind alle sehr wütend über diesen elenden Amerikaner. Er ist ein Idiot», schimpfte ihr Anwalt Kyi Win, nachdem er seine Klientin im Gefängnis besucht hatte.

Internationale Appelle

Nach der Inhaftierung von Oppositionsführerin Aung San Suu Kyi gerät das Militärregime in Burma zunehmend unter Druck. Westliche wie auch asiatische Länder forderten die sofortige Freilassung Suu Kyis.

Nach zahlreichen westlichen Ländern setzten sich auch Thailand, Indonesien, Japan und Singapur sowie eine Gruppe prominenter Persönlichkeiten für die Friedensnobelpreisträgerin ein. Auch der von Südafrikas Ex-Präsident Nelson Mandela gegründete sogenannte Ältestenrat verlangte die sofortige Freilassung Suu Kyis.

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