Simón Bolívar: Der mysteriöse Tod des Freiheitshelden
Aktualisiert

Simón BolívarDer mysteriöse Tod des Freiheitshelden

Venezuelas Präsident Hugo Chávez ist überzeugt, dass der südamerikanische Freiheitsheld Simón Bolívar ermordet wurde. Was steckt dahinter?

von
Peter Blunschi
Bolívars Tod am 17. Dezember 1830, dargestellt von dem venezolanischen Maler Antonio Herrera Toro.

Bolívars Tod am 17. Dezember 1830, dargestellt von dem venezolanischen Maler Antonio Herrera Toro.

Vor Pathos ist Hugo Chávez noch nie zurückgeschreckt: «Der grosse Bolívar ist zurückgekehrt. Er wirft sein Licht auf ein Volk, das ihn für immer lieben wird», sagte der venezolanische Staatschef in der Nacht zum Samstag, als der Sarg des legendären Unabhängigkeitskämpfers in Caracas geöffnet und sein Skelett exhumiert wurde. Nun soll ein DNA-Test zeigen, ob sich wirklich um Simón Bolívars Überreste handelt – und ob er umgebracht wurde.

Hugo Chávez ist überzeugt davon, dass El Libertador (der Befreier) am 17. Dezember 1830 im kolumbianischen Santa Marta nicht wie bisher vermutet an Tuberkulose starb, sondern Opfer eines Mordkomplotts wurde. Der umstrittene Staatschef sieht sich als geistigen Erben von Simón Bolívar, er bezeichnet seine linkspopulistische, gegen den Neoliberalismus gerichtete Bewegung als «bolivarische Revolution» und hat das Geburtsland des Freiheitskämpfers in Bolivarische Republik Venezuela umgetauft.

War es Arsen?

Die Mordtheorie erhielt erst kürzlich neue Nahrung durch eine These von Forschern der Johns Hopkins Universität in Baltimore, wonach der damals 47-jährige Bolívar an einer Arsenvergiftung gestorben war. Paul Auwaerter, ein Experte für Infektionskrankheiten an der US-Hochschule, bestätigte gegenüber dem Magazin «Time», dass Simón Bolívar «höchstwahrscheinlich zu viel Arsen eingenommen hat», sei es durch das Wasser der Anden oder weil er es als Medizin eingenommen hatte, was damals durchaus üblich war.

Als Beleg sieht Auwaerter die Tatsache, dass in Bolívars Herz und Lunge eine übel riechende, grünliche Flüssigkeit gefunden wurde, was damals als Symptom für Tuberkulose galt. Für den US-Mediziner passt dieses Symptom jedoch eher zu einer Bronchiektasie, einer schweren bakteriellen Entzündung, die oft mit einer Arsenvergiftung einhergeht und nicht mit Tuberkulose. Von Hugo Chávez' Mordtheorie hält Auwaerter allerdings gar nichts: Er fürchte, der Präsident interpretiere seine Forschungen falsch, sagte er «Time».

Beweis vermutlich nie möglich

Tatsächlich gibt es wenig Anzeichen für eine Ermordung. Zwar hatte sich Bolívar als Herrscher der kurzlebigen Republik Gross-Kolumbien (bestehend aus den heutigen Staaten Ecuador, Venezuela, Panama und Kolumbien) zahlreiche Feinde geschaffen. 1828 wurde sogar ein Attentat auf ihn verübt. Doch am 27. April 1830 war er von allen politischen Ämtern zurückgetreten und wollte ins Exil gehen. Nach allen historischen Überlieferungen starb Simón Bolívar friedlich auf einer Farm in Santa Marta. Selbst Hugo Chávez räumte ein, dass ein angebliches Verbrechen vermutlich nie bewiesen werden kann.

Simón Bolívar

Der 1783 in Caracas geborene Simón Bolívar gilt als bedeutendster Führer der südamerikanischen Unabhängigkeitsbewegung. Ab 1810, als seine Heimat Venezuela die Selbstverwaltung erklärte, befreite er den nördlichen Teil Südamerikas mit den heutigen Staaten Venezuela, Kolumbien, Panama, Ecuador, Peru und dem nach ihm benannten Bolivien von der spanischen Kolonialherrschaft. Mit wichtigen Zielen scheiterte Bolívar, so mit der von ihm angestrebten Abschaffung der Sklaverei. Und die von ihm gegründete Republik Gross-Kolumbien zerbrach kurz nach seinem Tod 1830. Heute wird Simón Bolívar in weiten Teilen Südamerikas als Befreier und Nationalheld verehrt.

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