Bären in der Schweiz: «Der nächste Bär könnte schon im Frühling da sein»

Aktualisiert

Bären in der Schweiz«Der nächste Bär könnte schon im Frühling da sein»

Kaum ist Bär M13 tot, steht schon der nächste Meister Petz vor unserer Tür. Davon geht zumindest Bärenexperte Georg Brosi aus. Das Schicksal des Bären hängt von der Disziplin der lokalen Bevölkerung ab.

von
Andreas Bättig

Wie wollen Sie verhindern, dass in Zukunft nochmals ein Bär wie M13 in der Schweiz abgeschossen werden muss?

Georg Brosi*: Wir müssen dafür sorgen, dass Bären bei uns nicht zu Problembären werden. Dazu braucht es aber die Bevölkerung und zwar jeden Einzelnen in der Region, in der sich der Bär bewegt. Ziel ist, dass Bären nicht lernen, dass sie in der Nähe von Menschen Nahrung finden.

Wie wollen Sie das konkret vermeiden?

Man muss ein ganzes Bündel an Präventionsmassnahmen aufbauen. Indem wir zum Beispiel die Abfallentsorgung entlang der Kantonsstrassen oder Wanderwege mit speziellen Kübeln bärensicher machen. Auch Bienenhäuschen müssen mit einem Elektrozaun geschützt werden. Zudem ist die Bevölkerung angehalten, den Abfall nicht einfach nach draussen zu stellen, sondern in die Garage.

Passiert das jetzt?

Wir sind dran. Das ist aber schneller gesagt als getan. Zudem ist das im Puschlav nicht ganz einfach. Wir haben hier über 500 Maiensässe, die bärenkonform umgerüstet werden müssen. Das ist ein riesiger Aufwand. Bis es aber auch in den Köpfen der Menschen ist, dass zum Beispiel beim Grillieren der Abfall nicht einfach weggeworfen werden soll, dauert es sicher auch noch seine Zeit.

Haben M13 und das grosse mediale Interesse dazu beigetragen, dass Sie die Massnahmen nun schneller umsetzen können?

Sicher wurde der Druck auf die Bevölkerung und die Behörden erhöht.

Für wie realistisch halten Sie es, dass in der Schweiz Bär und Mensch friedlich nebeneinander leben können?

Die Schweiz ist kein optimaler Ort für Bären. Es fehlt ein grosser zusammenhängender Lebensraum. Das Risiko ist beträchtlich, dass ein Bär hier zum Problembär wird, da die Verlockungen einfach zu gross sind und der Lebensraum zu stark aufgeteilt ist. Ein Bär ist ein Nahrungsopportunist. Er sucht immer den einfachsten Weg zur Nahrung. Und hat er einmal gemerkt, dass er sich sein Essen in der Nähe sehr leicht beschaffen kann, ist es schwierig, ihn davon wieder abzubringen.

Auch mit Vergrämungen nicht?

Nein. Man müsste ihn jedes Mal, wenn er in der Siedlung ist, vergrämen. Die Erfolge von unseren Vergrämungen - also die Umerziehung des Bären - sind bescheiden.

Kann man denn Problembären nicht einfach einfangen und irgendwo aussetzen?

Niemand will einen Problembären. Die Herkunftsländer sind gar nicht an einer Rücknahme von solchen Tieren interessiert. Auch der Schweizerische Nationalpark bietet sich als Lösung nicht an, da die Bären dort nicht bleiben. Und ein Tierpark kam sowieso nicht in Frage, da diese nicht über genügend Kapazität verfügen. Diese Gefangenschaft hätte ich dem Tier nie antun können. Da nehme ich lieber die heftigen Reaktionen über den Abschuss in Kauf.

Haben Sie Kontakt zu Ländern, die mit Bären mehr Erfahrung haben?

Wir pflegen gute Kontakte zu Italien, Slowenien und Schweden. Wir schauen, wie die mit den Bären umgehen. In Slowenien leben um die 700 Bären, in Schweden gegen 3500. Im Gegensatz zur Schweiz ist der zusammenhängende Lebensraum dort viel grösser. Interessant ist, dass in diesen Ländern sehr konsequent gegen Problembären vorgegangen wird. Das trägt zur grösseren Akzeptanz des Bären bei der Bevölkerung bei.

Wann kommt der nächste Bär in die Schweiz?

Wir gehen davon aus, dass auch dieses Jahr im Frühling ein Bär in die Schweiz kommen könnte.

*Georg Brosi ist Vorsteher des Amts für Jagd und Fischerei des Kantons Graubünden.

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