Aktualisiert 23.05.2018 05:15

Trotz Genoni und Berra

Der Nati droht ein heftiges Goalie-Problem

Die Euphorie um die Nati war riesig. Der Verband steht derweil vor einer grossen Herausforderung, die zu einem Problem werden kann.

von
Marcel Allemann
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Reto Berra gewann schon zwei Mal mit der Nati WM-Silber, ist aber mittlerweile doch schon 31 Jahre alt.

Reto Berra gewann schon zwei Mal mit der Nati WM-Silber, ist aber mittlerweile doch schon 31 Jahre alt.

Helmut Fohringer
Leonardo Genoni war der Schweizer Goalie-Held an der WM, er ist 30 Jahre alt.

Leonardo Genoni war der Schweizer Goalie-Held an der WM, er ist 30 Jahre alt.

epa/Liselotte Sabroe
Gilles Senn (22) war als Nummer 3 an der WM dabei, er soll für die Zeit nach Genoni, Berra und Flüeler aufgebaut werden.

Gilles Senn (22) war als Nummer 3 an der WM dabei, er soll für die Zeit nach Genoni, Berra und Flüeler aufgebaut werden.

Keystone/Alexandra wey

Seit vielen Jahren lebt das Nationalteam von seinen aussergewöhnlichen Goalies. Von Persönlichkeiten wie David Aebischer, Martin Gerber, Jonas Hiller oder Tobias Stephan, momentan von Reto Berra und Leonardo Genoni. Letzterer hat mit seinen unglaublichen Leistungen im Viertelfinal gegen Finnland (3:2) und im Halbfinal gegen Kanada (3:2) die WM-Medaille erst möglich gemacht.

Doch Aebischer und Gerber sind nicht mehr aktiv. Hiller und Stephan haben sich nach den Olympischen Spielen aus dem Nationalteam zurückgezogen. Und Berra ist auch schon 31 Jahre alt. Genoni ist 30.

Man muss inständig hoffen, dass das Duo noch viele Jahre zur Verfügung steht. Denn ausser Berra, Genoni und ZSC-Meistergoalie Lukas Flüeler (er ist auch schon 29) gibt es keine Schweizer Goalies, die aktuell die Klasse haben, an einer WM das Tor zu hüten.

Ein herausragendes Talent, das erst 17 ist

Gilles Senn (22), an der WM der dritte Schweizer Goalie, Luca Boltshauser (24) und Joren van Pottelberghe (20) sind noch nicht so weit. Ob sie es überhaupt jemals sein werden, wird sich erst noch weisen. Mit Melvin Nyffeler (23) hat ein weiterer Kandidat die letzten drei Jahre ausschliesslich in der Swiss League gespielt. Er muss sich nach dem Aufstieg mit Rapperswil-Jona zuerst in er höchsten Spielklasse beweisen.

Was auf U20-Stufe nachrückt, ist dürftig. Das nächste herausragende Talent soll der erst 17-jährige Akira Schmid (SCL Tigers) sein. Swiss Ice Hockey muss aufpassen, dass man sich in den nächsten Jahren nicht mit einem gewaltigen Goalieproblem konfrontiert sieht. Ohne einen Rückhalt wie Genoni sind Sternstunden wie an der WM in Dänemark illusorisch. Selbst die Qualifikation für die Viertelfinals könnte sich so als unüberwindbaren Hürde erweisen.

«Wir wissen, dass wir eine Kluft haben»

Bei Swiss Ice Hockey weiss man um die Problematik. «Das Problem wurde erkannt. Deshalb haben wir uns mit den zusätzlichen Geldern, die uns zugesprochen wurden, als erste Massnahme sogleich einen vollamtlichen Goalie-Trainer geleistet (Peter Mettler seit 2017; die Red.).

Plus eine Stelle in der Erfassung auf Stufe U13 und U14, damit die Ausbildung der Goalie-Trainer vorangetrieben wird. Das alles läuft, und die ersten Resultate tröpfeln allmählich rein. «Auf Stufe U18 und U20 gibt es Goalies, die über sehr grosses Potenzial verfügen», sagt Raeto Raffainer, der CEO des Nationalteams.

Der Bündner ist sich aber bewusst, dass es mittelfristig nicht einfach wird. «Wir wissen, dass es nach der Generation Genoni, Flüeler, Berra für ein paar Jahre eine Kluft gibt. Das ist der Grund, weshalb wir für die WM-Vorbereitung Van Pottelberghe und Senn aufgeboten, und Senn am Ende als dritten Goalie an die WM mitgenommen haben. Das sind Goalies mit Potenzial, die wir aufbauen müssen und wollen», so Raffainer. Einen anderen Weg gibt es für den Verband nicht. Dafür ist es schon zu spät.

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