Star Style: Der nette Netzwerker
Aktualisiert

Star StyleDer nette Netzwerker

Musikproduzent Mark Ronson gelingt im Leben alles. Trotzdem glaubt er, nur ein einziges richtiges Talent zu haben.

Wer meint, noch nie etwas von Mark Ronson gehört zu haben, liegt höchstwahrscheinlich falsch. Denn wenn es von jemandem viel zu hören gibt, dann von ihm. Der Musikproduzent, DJ und Vater des «New Soul» ist

verantwortlich für Überhits wie «Rehab» und «Valerie» von und mit Amy Winehouse. Mit seiner Arbeit am Album-Meilenstein «Back to Black» prägte er den Aufstieg der Skandalnudel so massgeblich wie das Crack ihren Abstieg. Der 33-jährige Brite, der seit 2008 auch einen U.S.-Pass besitzt, hat auch schon mit Stars wie Christina Aguilera und Robbie Williams zusammengearbei-tet und Aufsteiger wie Lily Allen oder Adele nach oben gebracht. Kurz: Wer heute in London oder New York an der Seite Ronsons gesehen wird, hat gute Chancen, der nächste heisse Scheiss im Musikgeschäft zu werden.

Der charmante Musik-Nerd hat früh gelernt, wie man die Herzen der High Society bezirzt. Mick Jagger sass bei Ronsons zuhause am Esstisch, als Mark klein war, und Andy Warhol sah sich seine Kinderzeichnungen an. Kurz: All seine Bezugspersonen waren Top-Shots aus Showbusiness, Modeindustrie und Kunstszene. Als Ober-haupt dieser steinreichen Rock'n'Roll-Aristokratie amtierte Marks Vater Laurence Meredith Ronson, Immobilienerbe und Bandmanager.

Stark geprägt hat ihn aber vor allem die Mutter, die ihn in London zur Welt brachte und jüdisch erzog. Ann Dexter-Jones, wie Mama Ronson heute heisst, schmiss früher wilde Dinnerpartys für David Bowie oder Keith Richards und die Rolling Stones im Londoner Nobelviertel St. John's Wood, wo Ronson mit seinen zwei Jahre jüngeren Zwillingsschwestern Samantha und Charlotte aufwuchs. (Ja, die Samantha, die heute als DJ in Hollywood unterwegs ist und das Bett mit Partygirl Lindsay Lohan teilt. Und ja, die Charlotte, deren Outfits Stars wie Gisele Bündchen, Kate Moss oder Gwen Stefani tragen.)

Später liess sich die Mutter scheiden, heiratete Mick Jones, Gitarrist bei der Rock-Band Foreigner, und zog mit Kind und Kegel nach New York. Mark war damals acht Jahre alt — den englischen Akzent hat er aber bis heute beibehalten. Genauso wie den Hang zum Understatement. Dieser blitzt auf, wenn er seine Familienverhältnisse relativiert und sagt: «Es ist nicht so, dass wir die Kennedys wären.»

Marks Musikkarriere begann so richtig, als er Teenager war und an Techno-Partys den DJ beobachtete. Mit 17 begann er selbst in Clubs aufzulegen, mixte verschiedene Stile von Rap bis Rock und wurde damit zum Liebling der Bling-Bling-Szene New Yorks. Unter anderem auch von Rapper Jay-Z, der die DJ-Skills Ronsons einmal so beurteilte: «The Nigga is nice.» Doch Mark Ronson mag sich nicht im Glanz der Superpromis sonnen. In einem Familienporträt, das im «New York Magazine» erschien, gab er zu bedenken, dass die Leute an den Society-Events meist gar nicht wüssten, was für Musik er spiele. «Sie wollen einfach sagen können, dass sie Mark Ronson gebucht haben.»

Doch was kann er nun am besten, der milchgesichtige Junge mit der braven Frisur und den massgeschneiderten Anzügen, dem die It-Girls und Models reihenweise erliegen? Er versteht es, Beziehungen zu nützen, die man ihm in die Wiege legte, und auf deren Basis neue zu knüpfen. Mark Ronson gilt nicht umsonst als bestvernetzter Mann im Musikgeschäft. Auf seine Networking-Skills angesprochen, gibt es vom bescheidenen Produzenten dann ausnahmsweise mal ein kleines Eingeständnis: «Wenn man das als Talent bezeichnen kann, ist Networking wahrscheinlich mein grösstes. Ich mag es, wenn unterschiedliche Leute sich gegenseitig etwas entlocken, was normalerweise nicht ans Licht kommen würde.»

Ronsons Neuer

Am 29. Mai erscheint das Album des Australiers Daniel Merriweather eine vollumfängliche Mark-Ronson-Produktion. Die Single-Auskopplung «Change» mit Rapper Wale schaffte es bereits in die Top Ten der UK-Charts. Daniel Merriweather, «Love & War» (Sony BMG)

Deine Meinung