Zwei Milliarden verloren: Der nette Zocker von nebenan hat UBS gewarnt
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Zwei Milliarden verlorenDer nette Zocker von nebenan hat UBS gewarnt

Der Vorzeige-Banker K.A. aus London soll der UBS einen Milliardenverlust eingebrockt haben. Der UBS-Händler galt als höflich und eloquent. Wer ist der Oberzocker, der sich angeblich selber verraten hat?

von
kub

Ein Schock ging durch die Finanzwelt gestern Donnerstag. Ein einziger UBS-Händler in London soll zwei Milliarden Dollar verzockt haben. Ein Einzeltäter? Wie BBC am Freitagmorgen meldet, haben nicht die internen Kontrollen in der UBS Alarm geschlagen, sondern der Händler K.A. habe selber gemeldet, dass er in illegale Deals verwickelt sei. Die UBS hat laut BBC die Hinweise von A. überprüft und erst danach die Polizei und die Bankenaufsicht avisiert.

Doch wer ist dieser Zocker? K.A. war einer von 6000 UBS-Angestellten in London. Er ist der Sohn eines UNO-Beamten und wuchs in Israel, Syrien und dem Irak auf. In England studierte er an der Universität von Nottingham. Dort hat A. 2003 einen Bachelor in E-Commerce und Digitalwirtschaft erworben. Von 1992 bis 1998 besuchte er ein teures Internat in West Yorkshire.

2006 begann seine Karriere im UBS-Hochhaus in der Londoner City. Zuerst als Trainee, dann als Trader, später als Direktor. Zuletzt soll er der Investment-Banking-Einheit «Equities» angehört haben. Der britischen Finanzaufsicht FSA (Financial Services Authority) zufolge arbeitet A. bei der UBS und ist sowohl beim Konzern in der Schweiz als auch bei der britischen Tochter UBS Limited in London registriert. Pikant: Laut «Financial Times» hat er im Back Office der Handelsabteilung gearbeitet, wie Jérôme Kerviel, der vor drei Jahren die Société Générale um Milliarden von Euro gebracht hat.

Bis diesen Sommer wohnte A. in einem 4000 Pfund teuren Apartment im trendigen Londoner Viertel Shoreditch. Später zog er um Richtung Osten. Sein früherer Nachbar sagte der New York Times, er sei stets gut gekleidet, höflich und eloquent gewesen. «Er war sehr nett.»

«Brauche ein Wunder»

Er war bekannt dafür, dass er wilde Partys schmiss. Einmal gabs eine laute Feier in seiner Wohnung. Als Nachbarn reklamierten, gab er eine Flasche Champagner aus. Er selber beschrieb sich einmal als total materialistisch und von Frauen besessen. Seine Langzeit-Freundin war angeblich eine Krankenschwester, weiss The Sun.

Wann A.'s Geldgeschäfte anfingen aus dem Ruder zu laufen, ist noch nicht bekannt. Laut The Sun postete A. auf seiner Facebook-Seite kurz bevor er verhaftet wurde, dass er in Schwierigkeiten sei und jetzt «ein Wunder brauche». Als es Anfang August an den globalen Finanzmärkten turbulent zu und her ging und diese abzustürzen drohten, schrieb er: «Kann man die Märkte nicht für eine Woche schliessen, damit sich alle mal erholen können?» Das konnte er offensichtlich nicht mehr. Die Polizei verhaftete ihn in der Nacht auf Donnerstag, nachdem er die UBS selber gewarnt hatte. Die Transaktionen seien laut UBS «nicht autorisiert» gewesen.

Falls er für schuldig befunden wird, muss er wohl für mehrere Jahre hinter Gitter. So wie der andere Oberzocker aus Frankreich, Jérôme Kerviel. Am Freitagmorgen gab die Londoner Polizei bekannt, dass die 24-stündige Frist, innerhalb der ein Verdächtiger ohne Erstattung einer Anzeige festgehalten werden könne, um zwölf Stunden verlängert worden sei.

Finma in Kontakt mit UBS

Seine Familie ist bitter enttäuscht. Sein Vater in Ghana meinte gegenüber The Sun, Betrug sei nicht der Lebensstil der Familie. Er müsse aber zuerst mit seinem Sohn sprechen, bevor er ihn verurteile.

Die Eidgenössische Finanzmarktaufsicht Finma will sich zum jetzigen Zeitpunkt nicht äussern. Man stehe aber «in engem Kontakt» mit der Grossbank. «Die UBS hat uns umgehend informiert», sagte Finma-Sprecher Tobias Lux. Der Zeitpunkt, zu dem die UBS die Machenschaften ihres Mitarbeiters entdeckt hat, wird im Moment aber weder von der Finma noch von der UBS bekannt gegeben.

Ob die Banken - und die Aufsichtsbehörden - aus dem Fall A. endlich etwas lernen?

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Kaspar Villiger ist sehr enttäuscht

Bei dem Betrugsfall handle es sich «um einen sehr professionell gemanagten Einzelfall», erklärte UBS- Verwaltungsratspräsident Kaspar Villiger an einer Veranstaltung am Donnerstag in Riehen BS. Dies berichtete die «Tagesschau» von Schweizer Fernsehen SF.

Gegen Betrug sei man aber nicht gefeit. Der Sache werde nun auf den Grund gegangen. Er könne nicht verhehlen, dass er sehr enttäuscht von dem Vorfall sei, sagte der Alt Bundesrat an der Generalversammlung des Arbeitgeberverbands Basel, wo er als Gastreferent auftrat.

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