Neigezüge: Der neue Cisalpino ist zu fett für den Gotthard
Aktualisiert

NeigezügeDer neue Cisalpino ist zu fett für den Gotthard

Das Neigezug-Desaster nimmt kein Ende: Der neue Cisalpino ist zu schwer, um am Gotthard wie geplant mit hoher Kurvengeschwindigkeit fahren zu können. Die Passagiere haben das Nachsehen.

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Noch im Juli sollen die ersten neuen Cisalpinos zwischen Genf und Mailand verkehren – freilich ohne Neigetechnik. Diese wird wohl auch am Gotthard nicht zum Einsatz kommen: Wie «Der Bund» in der heutigen Ausgabe berichtet, ist die Wahrscheinlichkeit sehr gering, dass die Neigezüge am Gotthard wie geplant mit erhöhter Kurvengeschwindigkeit fahren können. Mit 450 Tonnen ist der ETR 610 dafür zu schwer, wie Tests ergaben. In engen Kurven müsste in die Geleisanlagen investiert werden, was zu teuer wäre. Der neue Cisalpino erfüllt somit seinen Zweck nicht – er wurde extra dafür angeschafft, um durch hohe Kurvengeschwindigkeiten Fahrzeit einzusparen - ohne dafür in die Infrastruktur investieren zu müssen.

Im Moment würden SBB-Mitarbeiter abklären, ob die Neigetechnik am Gotthard wenigstens zum Teil genutzt werden könnte, schreibt «Der Bund» weiter. Laut Experten ist der Zug dermassen schwer, weil er sowohl mit Neigetechnik in der Schweiz als auch auf dem neuen Hochgeschwindigkeitsnetz in Italien fahren soll.

Offiziell geben sich die SBB weiterhin bedeckt: Sie gehen davon aus, dass die technischen Probleme mit der Neigetechnik lösbar sind.

Passagiere haben das Nachsehen

Wenn die Cisalpinos ohne Neigetechnik fahren müssen, bedeutete dies auf der Strecke Zürich-Chiasso eine 15 Minuten längere Fahrzeit als geplant für die Zugpassagiere. Gleichwohl sind die SBB im Dilemma: Für den Verkehr nach Italien brauchen sie dringend neue Züge. Ohne die neuen Cisalpinos ist etwa die neue Verbindung von Zürich nach Turin gefährdet. Kurzfristigen Ersatz gibt es nicht. Die SBB haben bereits Züge aus dem Binnenverkehr abgezogen, um einen Notfahrplan aufrechterhalten zu können.

Cisalpino zwischen Genf und Mailand

Auf der Achse Genf-Mailand verkehren ab Ende Juli zwei der 14 neuen Cisalpino-Züge. Für den Fahrplanwechsel im Dezember erwartet Cisalpino die Lieferung von acht Zügen der neuen Generation.

Die bestellten 14 Neigezugkompositionen hätten bereits auf den Fahrplanwechsel 2007/2008 eingeführt werden sollen. Wegen Lieferverzögerungen der Produktionsfirma Alstom muss Cisalpino, die Tochtergesellschaft von Trenitalia und SBB, Rollmaterial für mehrere Millionen Franken monatlich dazumieten.

Mit dem neuen Cisalpino verkürzt sich die Fahrt zwischen Genf und Mailand um 38 Minuten. Da der Zug in Italien mit bis zu 250 km/h fahren kann, wird die Reisezeit zwischen Mailand und Florenz gar um eine Stunde 15 Minuten kürzer. (SDA)

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