Aktualisiert 07.02.2020 15:46

Thomas GottsteinDer neue CS-Chef ist ein aufbrausender Top-Golfer

In der Khan-Affäre machte auch Thiams Nachfolger Thomas Gottstein Schlagzeilen. Er gilt bei der CS als aufbrausender Banker.

von
Raphael Knecht
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Thomas Gottstein wird neuer CEO der Credit Suisse.

Thomas Gottstein wird neuer CEO der Credit Suisse.

Keystone/Gaetan Bally
Er übernimmt am 14. Februar vom abtretenden Tidjane Thiam.

Er übernimmt am 14. Februar vom abtretenden Tidjane Thiam.

Walter Bieri
Gottstein war bisher CEO von Credit Suisse Schweiz.

Gottstein war bisher CEO von Credit Suisse Schweiz.

Keystone/Gaetan Bally

Wenn Tidjane Thiam am kommenden Freitag den Hut nimmt, tritt Thomas Gottstein seine Nachfolge als CEO der Credit Suisse (CS) an. Der 55-jährige Schweizer war bisher Chef von CS Schweiz und arbeitet bereits seit 1999 für die Bank.

Zwischen dem alten und dem neuen CS-CEO scheint es keine Feindseligkeit zu geben: «Ich möchte Tidjane Thiam für seine Unterstützung und Partnerschaft danken», lässt sich Gottstein in einer Mitteilung zitieren. In der grossen Beschattungsaffäre um Iqbal Khan, die Thiam den Job kostete, hatte sich Gottstein klar auf dessen Seite geschlagen.

Und zwar auf geradezu rabiate Weise: Gottstein sorgte für Schlagzeilen, weil er Khans PR-Berater Aloys Hirzel bedroht haben soll, als er diesen per Zufall im Zürcher Restaurant Kronenhalle antraf. Der neue CS-CEO habe damals gedroht, sowohl Hirzel als auch Khan selbst zu «killen».

Entschuldigung im Nachhinein

Grund für das Verhalten Gottsteins war wohl, dass Hirzels Agentur Hirzel Neef Schmid Konsulenten jahrelang die Credit Suisse begleitet hatte – sich nun aber auf Khans Seite schlug. Laut der Bank hat sich Gottstein im Nachhinein für sein emotionales Auftreten entschuldigt. Die Credit Suisse stritt allerdings ab, dass Drohungen ausgesprochen worden seien.

Die Episode bestätigt, was man laut dem Finanzblog «Inside Paradeplatz» auch intern über den neuen CEO der Bank sagt: Gottstein gelte als aufbrausend.

«Hoffnungsträger für die CS»

Sein Temperament mag ihm zwar Ärger eingebrockt haben, der treue CS-Banker kann allerdings etwas bieten, was Thiam fehlte: den Schweizer Pass. Die Credit Suisse wird zunehmend kritisiert, dass sie den Bezug zur Schweiz verloren habe. «Für die Credit Suisse ist Gottstein ein Hoffnungsträger», sagt Reputationsexperte Bernhard Bauhofer zu 20 Minuten. Man wolle mit dem Schweizer CEO vom guten Ruf des hiesigen Finanzplatzes profitieren.

Dass die Credit Suisse auf den bisherigen Schweiz-Chef setzt, soll laut Bauhofer zudem zeigen, dass man den Heimmarkt ernst nehme. Während Thiam als internationaler CEO galt, sei die Wahl Gottsteins «ein Grundsatzbekenntnis an die Schweizer Kundschaft». Bauhofer geht davon aus, dass die Bank auch ihre Strategie stärker an die Bedürfnisse der Kunden im Heimmarkt anpassen wird.

Golf und Banking

Dass Gottstein Karriere bei der Credit Suisse macht, hätte man vor 35 Jahren vielleicht nicht erwartet: Als er um die 20 Jahre alt war, galt Gottstein als einer der besten Golfjunioren Europas. Mit 21 machte er an den Junior-Europameisterschaften mit – und schaffte das beste Einzelresultat im Feld.

Allerdings lockte ihn der Profi-Golf weniger als die Banking-Branche: Gottstein ging an die Universität Zürich und machte 1989 seinen Wirtschaftsabschluss. 1995 folgte ein Doktortitel in Finance and Accounting. Gottstein stieg bei der UBS ein und wechselte nach rund zehn Jahren zur Credit Suisse.

Trotz des markanten Branchenwechsels hat Gottstein das Golfen nicht verlernt: Er gehört heute noch zu den Schweizer Managern mit dem besten Handicap. Im Ranking der Bilanz belegte er 2019 mit einem Handicap von 0,7 den vierten Platz.

Keine Beschattungen mehr

Der designierte CS-Konzernchef will nach dem Schrumpfkurs seines Vorgängers wieder den Vorwärtsgang einlegen. «Was ich zusammen mit meinen Kollegen in der Geschäftsleitung tun möchte, ist, die CS in die nächste Wachstumsphase zu führen», sagte Thomas Gottstein am Freitag zur Nachrichtenagentur Reuters. «Kostendisziplin war in unserer Branche sehr wichtig und wird das auch bleiben», sagte er.

Tidjane Thiam hatte in seiner Amtszeit die Kosten der zweitgrössten Schweizer Bank um rund Fünftel zurückgefahren. «Gleichzeitig glaube ich, dass wir in einer besser Ausgangslage als jemals in den vergangenen Jahren sind, auch ein bedeutendes Bilanzwachstum zu erzielen.»

Gottstein habe weder vor, an der bestehenden Strategie noch an der Zusammensetzung der Geschäftsleitung grössere Veränderungen vorzunehmen. «Jedes der zehn anderen Vorstandsmitglieder hat mir gegenüber zugesagt, dass sie mich voll und ganz unterstützen und bleiben werden», sagte Gottstein.

Die CS hob Gottstein am Morgen auf den Schild, nachdem die Beschattung zweier ehemaliger Spitzenmanager immer weitere Kreise zog und die Bank zu lähmen drohte. «Es gab sicherlich ein gewisses Gefühl der Unsicherheit, aber ich denke, das liegt jetzt hinter uns», sagte er. «Ich glaube nicht, dass wir ein kulturelles Problem haben. Aber es gibt ein paar Dinge, die wir aus dieser Episode gelernt haben, es wurden einige Fehler gemacht.» Beschattungen sollten nicht Teil des Instrumentariums sein, sagte er.

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