Patrik Gisel: Der neue Raiffeisen-Boss zeigt sich in der Badehose
Aktualisiert

Patrik GiselDer neue Raiffeisen-Boss zeigt sich in der Badehose

Der designierte Nachfolger von Pierin Vincenz an der Spitze der Raiffeisen-Bank gibt auf Social Media viel von sich preis. Das ist untypisch für einen CEO.

von
Kaspar Wolfensberger
Auf Social Media zeigt sich der designierte Raiffeisen-CEO Patrik Gisel von der offenen Seite.

Auf Social Media zeigt sich der designierte Raiffeisen-CEO Patrik Gisel von der offenen Seite.

Die Chefs von grossen Unternehmen meiden die sozialen Medien meist. Von den 20 Firmen des Schweizer Aktienleitindexes SMI sind nur drei CEOs auf Twitter aktiv: Ulrich Spiesshofer von ABB, Holcim-Chef Bernard Fontana und Patrick De Maeseneire von Adecceo. Bei Nicht-SMI-Firmen sieht es ähnlich aus. Die meisten Manager haben keine Social-Media-Konten.

Eine weitere Ausnahme ist Patrik Gisel. Er ist der designierte Nachfolger von Pierin Vincenz an der Spitze der Raiffeisen-Bank. Bereits seit 15 Jahren arbeitet er für das Geldinstitut mit Sitz in St. Gallen. Bei Twitter zeigt er sich recht offen. «Verdammter Mist, Skiunfall, direkt ins Gesicht, sehe aus wie eines der Opfer von Wladimir Klitschko» – solche Sprüche finden sich auf seinem Profil, wie das Portal «Inside Paradeplatz» herausgefunden hat. Facebook-Fotos beweisen zudem seine Sportlichkeit und zeigen Gisel beim Angeln, Turmspringen in der Speedo-Badehose oder beim Absolvieren eines Ironman.

Keine Emotionen zeigen

Ist es eine gute Idee, wenn ein CEO auf Social Media sein Privatleben der Öffentlichkeit zeigt? Die Raiffeisen-Bank zumindest stört sich nicht daran. «Herr Gisel ist auf den Social Media sehr reduziert aktiv und ausschliesslich im privaten, sportlichen Bereich. Aus Raiffeisen-Sicht stellt dies kein Problem dar», so eine Sprecherin der Bank.

Nicht alle sehen dies so. Informationsmanagement-Experte Bendicht Luginbühl erklärt der Unterhalt eines Social-Media-Accounts beanspruche «viel Zeit zur Unzeit». Ausserdem gelte bei Social Media: «Man setzt sich aus, man möchte gefallen, auffallen, sich positionieren. Und wenn man attackiert wird, reagiert man fälschlicherweise dann doch.» Gisel müsste sich jetzt Fragen stellen wie: Was ist sinnstiftende Information? Was ist Inszenierung meiner eigenen Person? Was bringt diese Art der Selbstdarstellung einem designierten CEO der Raiffeisen?

Es kommt auf die Branche an

Für PR-Berater Fidel Stöhlker wiederum gibt es keine allgemeingültige Antwort. Es komme auf die Branche an. Bei eher konservativen Unternehmen wie Banken sei von einem Social-Media-Auftritt abzuraten. Wenn sich der CEO doch dazu entschliesse, einen Twitter- oder Facebook-Account zu unterhalten, gebe es gewisse Regeln, die er befolgen sollte. «Er sollte sich nicht zu heiklen Themen wie Politik äussern und auf private, emotionale Posts verzichten», so Stöhlker.

Gut seien hingegen Bilder von sportlichen Aktivitäten wie Velofahren. Der Grund: «Sie vermitteln, dass der CEO ein sportlicher und ausgeglichener Mensch ist.» Aus der Perspektive von Stöhlker begeht Gisel mit gewissen seiner Tweets also einen Fehler. Dafür vermitteln seine Ironman- und Angelbilder den Eindruck eines dynamischen Machers. «Sein Auftritt liesse sich auf jeden Fall noch optimieren», so Stöhlker.

Gisels Tweet über seinen Skiunfall:

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