Aktualisiert 03.12.2011 22:17

So gut wie noch nieDer neue Streller

Marco Streller erlebt mit dem FCB einen wahren Höhenflug. In der Meisterschaft, im Cup und in der Champions League läuft es rund. Nun winkt gegen Luzern der Titel des Wintermeisters.

von
Eva Tedesco
FCB-Captain Marco Streller reitet auf der Welle des Erfolgs und bleibt dabei bescheiden und sympathisch. (Keystone/AP)

FCB-Captain Marco Streller reitet auf der Welle des Erfolgs und bleibt dabei bescheiden und sympathisch. (Keystone/AP)

«Grosse Spieler lassen ihre Mitspieler glänzen». Dieser Satz stammt nicht von Marco Streller, sondern vom ehemaligen portugiesischen Spitzenspieler Luis Figo. Aber er könnte genauso gut vom «neuen» FCB-Captain sein.

Entspannt und gutgelaunt sitzt Marco Streller inmitten einer Runde Journalisten. Locker fallen ihm die Worte von den Lippen. Der lange Baselbieter lacht und scherzt. Nichts erinnert mehr an jenen Streller, der sich mit ungeschickten Äusserungen den Unmut der Fans ausserhalb von Basel zugezogen hat. Nichts an den ungelenken Profi, der nach Anerkennung lechzte und keine erntete. «Pippi» weiss auf alles eine Antwort, gibt Gas - ohne arrogant zu wirken - und wirkt selbstbewusst und locker. Der neue Streller redet und spielt so gut wie noch nie.

Zusammen mit Alex Frei bildet er das erfolgreichste und gefährlichste Offensiv-Duo der Liga. Frei (11 Saisontore) als Vollstrecker. Streller in erster Linie als Vorbereiter (8 Assists). Unter Thorsten Fink hat Streller endlich die Position gefunden, die ihm entgegen kommt. Der lange Schlacks fand sich im System von Christian Gross mit nur einer Spitze nie zurecht. Mit Frei im Zwei-Mann-Sturm kann er glänzen. Wieviel Spass ihm die Rolle des Vorlagengebers macht, ist offensichtlich. «Das soll nicht heissen, dass ich nicht gerne Tore schiesse», so Streller, «aber ich stelle meine persönlichen Bedürfnisse für Titel mit der Mannschaft gerne hinten an.» Wie zur nachdrücklichen Bestätigung zitiert Streller Luis Figo: «Grosse Spieler lassen ihre Mitspieler glänzen».

Erfolgreich und neuerdings auch sympathisch

Und glänzt dabei selbst. Streller arbeitet nach hinten mit und legt für die Offensive vor. Er treibt an und behält die Übersicht. Streller übernimmt Verantwortung und bringt Mitspieler zur Raison, wenn die Emotionen, wie bei Aleksandar Dragovic gegen den FCZ, überborden. «Das passiert alles instinktiv», so der Captain, der mit dem Druck der Kapitänsbinde immer besser wird und auf dem höchsten Niveau in seiner Karriere spielt.

Streller muss niemandem mehr etwas beweisen. Er weiss, was er kann, zeigt und artikuliert das auch. Er wirkt sympathisch. «Meine Arbeit wird geschätzt, so dass ich sogar viele Komplimente auch ausserhalb von Basel bekomme. Warum das früher anders war, kann ich nicht sagen. Ich habe immer vor allen Respekt gehabt und nie eine abfällige Geste gegenüber anderen gemacht.» Die Zeiten, in denen Streller polarisierte, scheinen der Vergangenheit anzugehören.

Murat Yakin: Vorgänger und Vorbild

Mit dem neuen Streller tritt der FCB am Samstag auch gegen den FC Luzern an. Bei den Innerschweizern trifft «Pippi» in Trainer Murat Yakin auf einen seiner namhaften Vorgänger, der ihm neben Franco Costanzo am meisten als Vorbild im Amt des Captains gedient hat. Gegen den FCL hat der FCB noch eine Rechnung offen. Gegen die Innerschweizer kassierte Rotblau die letzte Niederlage in der Meisterschaft: ein 1:3 am 20. August. Die Pleite in der 6. Runde war der Knackpunkt. Seither wird der FCB stärker und stärker und durfte «national wie internationale unglaubliche Momente erleben», wie Streller es ausdrückt.

Einen dieser Momente muss der FCB am Samstag für 90 Minuten ausblenden: das Champions-League-«Endspiel» gegen Manchester United am kommenden Mittwoch. «Ich wäre schon enttäuscht, wenn wir den Einzug in die Achtelfinals nicht schaffen», sagt Streller. «Es ist kein Nachteil, dass wir gewinnen müssen. Wir müssen zu Chancen kommen und die Effizienz aus dem Spiel gegen Galati mitnehmen», sagt Streller. Und dann kann der FCB auf ein kleines Wunder hoffen? «Eher auf ein grosses», entgegnet der Captain. Er schaut noch einmal in die Runde und fragt: «Wars das?». Streller bedankt sich und zieht lachend von dannen. Denn er kann sich sicher sein, dass gegen ManU für einmal die ganze Schweiz hinter dem FCB stehen wird.

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