Keine Lösung gefunden: Der NHL-Lockout geht doch weiter
Aktualisiert

Keine Lösung gefundenDer NHL-Lockout geht doch weiter

Der Sitzungsmarathon in New York ist am Donnerstagabend ohne Resultat zu Ende gegangen. Eine Lösung im NHL-Tarifstreit ist nach wie vor nicht in Sicht.

von
Klaus Zaugg

Weil sich sechs Teambesitzer und schliesslich 18 Spieler in New York an zwei Tagen zu Sitzungen ohne NHL-Boss Gary Bettman und Gewerkschafts-General Don Fehr zu Gesprächen trafen, gab es bereits Gerüchte über das Ende des NHL-Lockouts per Freitag. Aber es ist weiterhin keine Lösung in Sicht. Den nach den Gesprächen ausgearbeiteten Vorschlag der Spielergewerkschaft hat die Liga rundweg abgelehnt. Ein neuer Sitzungstermin ist noch nicht vereinbart.

Es geht nach wie vor um die gleichen Probleme: Die Aufteilung der 3,3 Milliarden Gesamteinnahmen. Grundsätzlich ist die Liga bereit, 50:50 zu teilen (bisher 57 Prozent für die Spieler). Aber über das Wie des Teilens gehen die Meinungen nach wie vor weit auseinander. Immer noch ist unklar, in welcher Form die weiterlaufenden bestehenden Verträge respektiert werden sollen (d.h. wie gross die Kürzungen sein werden). Es gibt keine Übereinstimmung in Transferfragen (wann darf einer ohne Kompensation wechseln?), über die Limitierung der Dauer von Spielerverträgen und keine Einigung über die Dauer des neuen Gesamtarbeitsvertrages (die Liga will, wie andere Sportarten, zehn Jahre, um eine Weile Ruhe zu haben, die Gewerkschaft will schon nach sechs Jahren eine Ausstiegsoption). Es gibt Meinungsverschiedenheiten, ob und wie die Spielerlöhne an die Gesamteinnahmen gekoppelt werden sollen (die Spieler wollen garantierte Verträge) und darüber hinaus gibt es nach wie vor unzählige Kleinigkeiten (wie die Olympia- und WM-Teilnahme der NHL-Stars für die nächsten Jahre, auch für 2014) zu regeln. Das Vertragsgesamtwerk umfasst mehr als 500 Seiten.

Es braucht jetzt ein Wunder

Wann gibt es eine Lösung? Das kann niemand sagen. Es gibt vorerst keinen neuen Terminplan für weitere Verhandlungen. NHL-Boss Gary Bettman und Gewerkschafts-General Don Fehr sind offensichtlich nicht mehr dazu in der Lage, konstruktiv zu verhandeln. Die Vermittlungsversuche der staatlichen Schlichtungsstelle sind gescheitert. Die direkten Gespräche zwischen Teambesitzern und den Spielern haben auch keine Lösung gebracht. Es braucht jetzt ein Wunder.

So viel lässt sich feststellen. Wir haben eine ganz ähnliche Situation wie im Dezember 2004. Am 16. Februar 2005 ist dann die ganze Saison abgesagt worden. Der Unterschied zu 2004 liegt darin, dass durch die neuen Kommunikationsmittel (wie Twitter) viel mehr Einzelheiten des ganzen bizarren Streites in die Öffentlichkeit gelangen und so Spekulationen angeheizt und immer wieder Hoffnungen befeuert werden. Aber eine Lösung ist heute so wenig in Sicht wie damals im Dezember 2004.

Der ganze Streit wird in Nordamerika von der Öffentlichkeit in wirtschaftlich schwierigen Zeiten immer mehr als lächerliches Theater empfunden. Weil eine Spielergewerkschaft, deren Mitglieder im Durchschnitt rund 2,2 Millionen Dollar pro Saison verdienen, mit Milliardären um Privilegien und Pfründe feilscht. Es handelt sich durchaus um eine ganz besondere Form der Wohlstandsverwahrlosung. Dabei ist es ganz einfach: Wenn Millardäre mit Millionären streiten, gewinnen immer die Milliardäre. Aber das sehen die selbstbewussten NHL-Jungmillionäre anders - und riskieren die Absage der ganzen Saison. Vorerst sind alle Spiele bis zum 14. Dezember abgesagt. Als sicher gilt: Diesmal wird im Falle eines Falles die Absage nicht erst im Februar erfolgen.

Die Chancen, dass die NHL-Stars beim Spengler Cup spielen, steigen.

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