Aktualisiert 14.11.2011 11:30

Zugs Meistertrick?Der NLA-Topskorer als Nati-Verteidiger

In der Not hat Nati-Coach Sean Simpson aus NLA-Topskorer Damien Brunner einen Verteidiger gemacht. Ein Experiment, das die Meisterschaft entscheiden kann.

von
Klaus Zaugg
München
Stürmer Damien Brunner (hier im Testspiel gegen die NLA-Selection) schonte seine Kräfte gegen die Slowakei in der Verteidigung. (Bild: Keystone)

Stürmer Damien Brunner (hier im Testspiel gegen die NLA-Selection) schonte seine Kräfte gegen die Slowakei in der Verteidigung. (Bild: Keystone)

Gegen die Slowakei musste Sean Simpson ungewöhnliche Massnahmen treffen. Der Nati-Coach beorderte sowohl Damien Brunner wie auch Fabian Schnyder in die Defensive. Brunner verteidigte an der Seite von Patrick von Gunten. Meistens hinter Julien Sprunger, Andrej Bykow und Benjamin Plüss. Dem produktivsten NLA-Sturm. Optisch mahnte der flinke, schnelle NLA-Topskorer an Luganos fliegenden Verteidiger Petteri Nummelin. Schnyder bewährte sich neben HCD-Verteidiger Robin Grossmann. Die verteidigenden Zuger Stürmer kassierten keinen Gegentreffer.

Wie die Schweizer in München haben auch die Zuger eher zu wenig als zu viele Verteidiger. Brunner spielte zwar in Zug schon hin und wieder einzelne Einsätze an der blauen Linie – vor allem dann, wenn es in einer Schlussphase darum geht, ein Tor aufzuholen. Aber dass er eine ganze Partie als Verteidiger bestreiten kann, dazu auf hohem Niveau gegen einen so schnellen Gegner wie die Slowakische Nationalmannschaft und kein Gegentor zulässt – das ist neu, speziell und bemerkenswert.

Dieses gelungene «Nummelin-Experiment» kann entscheidenden Einfluss auf die Meisterschaft haben: Es ist durchaus denkbar, dass Zug in den Playoffs in ähnliche Verteidigernot kommt wie das Nationalteam beim Deutschland Cup. Coach Doug Shedden weiss jetzt, dass er in der Not zwei Stürmer im Team hat, die gegebenenfalls auf hohem Niveau als «fliegende Verteidiger» ein ganzes Spiel an der blauen Linie bestreiten können.

Weniger laufen als im Sturm

Eigentlich hätte ja Brunner gegen die Slowaken gar nicht spielen sollen: Weil er alle drei Partien der letzten Woche (Allstar-Spiel, Deutschland, USA) bestritten hatte, und weil er am Dienstag bereits mit Zug gegen Biel wieder anzutreten hat. Simpson holte erst telefonisch die Einsatzerlaubnis bei Zugs Trainer Doug Shedden ein.

Brunner sagt, die Idee, Verteidiger zu spielen, habe sich dann spontan bei der Spielvorbereitung mit Sean Simpson entwickelt: «Zuerst haben wir darüber gesprochen, dass ich nur im Powerplay und Boxplay spielen sollte um ein wenig Energie zu sparen. Aber wenn ich auf der Bank sitzen muss und nicht spielen kann, werde ich hässig. Ich will einfach spielen. Schliesslich sind wir auf die Idee gekommen, dass ich Verteidiger spielen kann. Letztlich ist das ja weniger anstrengend. Weil man als Verteidiger etwas weniger laufen muss als die Stürmer.»

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