Aktualisiert 03.04.2020 04:41

Selbstständige Coiffeuse

«Der Notkredit reicht hinten und vorne nicht»

Der Bund hat Selbstständigen Notkredite und weitere Massnahmen versprochen. Für manche Unternehmer greift das zu kurz.

von
Raphael Knecht
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Der Coiffeur-Salon von Jasmin Pinteritsch bleibt bis auf Weiteres geschlossen.

Der Coiffeur-Salon von Jasmin Pinteritsch bleibt bis auf Weiteres geschlossen.

Jasmin Pinteritsch
Die selbstständige Unternehmerin fürchtet um ihre Existenz.

Die selbstständige Unternehmerin fürchtet um ihre Existenz.

Jasmin Pinteritsch
Sie hat darum einen Notfallkredit aufgenommen.

Sie hat darum einen Notfallkredit aufgenommen.

Jasmin Pinteritsch

Als selbstständige Coiffeuse wird Jasmin Pinteritsch in der Coronavirus-Krise hart getroffen. Wie viele andere Schweizer Unternehmer hat sie kein Einkommen mehr, seit sie ihren Coiffeursalon auf Weisung des Bundes schliessen musste.

Nun hat sie einen Notfallkredit beantragt, um über die Runden zu kommen. Die Bank bot ihr einen einmaligen Kredit von 4800 Franken an. Die Unternehmerin aus dem aargauischen Neuenhof ist enttäuscht:«Das reicht hinten und vorne nicht.» Sie habe bereits jetzt Rechnungen von über 6150 Franken zu begleichen. Die Höhe des Notfallkredits darf bis zu 10 Prozent des Umsatzes des Kreditstellers betragen.

Solidarische Rechnungssteller

Vermieter, Krankenkasse und Telecom-Anbieter boten ihr auf Anfrage an, Rechnungsfristen zu erstrecken, sollte sie nicht bezahlen können. Das sei zwar solidarisch, so die Betreiberin von Coiffeur Jasmin: «Aber wenn ich alles abstottern muss, bekomme ich dann einfach später Probleme.»

Sie hat sich nun für Erwerbsausfallentschädigung bei der Sozialversicherung angemeldet. Das können Selbstständigerwerbende, die auf Weisung des Bunds schliessen mussten, derzeit ausnahmsweise tun. Die Versicherung zahlt ihr ab Mitte April 80 Prozent ihres durchschnittlichen Einkommens. Sie hofft, dass sie sich damit über Wasser halten kann.

Kredit für den Notfall

Den Kredit hat sie für den Notfall trotzdem aufgenommen – damit sie dann die nötigen Mittel parat habe. Sie hofft aber, dass sie möglichst nicht auf das Geld zurückgreifen muss.

Für Pinteritsch greifen die Massnahmen des Bundes für Selbstständige zu kurz. «Es hiess, uns werde geholfen – aber der Kredit und die Erwerbsausfallentschädigung reichen kaum zum Überleben», so die Unternehmerin.

Das Staatssekretariat für Wirtschaft (Seco) sagt auf Anfrage, man könne nicht zu Einzelfällen Stellung beziehen. Der Bundesrat und das Seco seien sich aber bewusst, dass vor allem selbstständige Unternehmer vor enormen Herausforderungen stünden.

Immerhin: Freunde, Familie und Kundschaft zeigen sich gegenüber der Coiffeuse besonders hilfsbereit. «Sehr viele haben sich bei mir gemeldet und möchten mir helfen – dafür bin ich dankbar», sagt sie.

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