Partnerin in Adliswil getötet: «Die Frau hat ein Martyrium erlitten»
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Partnerin in Adliswil getötet«Die Frau hat ein Martyrium erlitten»

Ein 64-Jähriger bestritt vor Gericht, seine Lebenspartnerin verprügelt und erwürgt zu haben. Das Obergericht hat in nun verurteilt.

von
Stefan Hohler
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In diesem Haus in Adliswil hat ein Mann seine Lebenspartnerin getötet.

In diesem Haus in Adliswil hat ein Mann seine Lebenspartnerin getötet.

Das Bezirksgericht Horgen hat ihn wegen Tötung zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt.

Das Bezirksgericht Horgen hat ihn wegen Tötung zu einer Freiheitsstrafe von zehn Jahren verurteilt.

KEYSTONE
Das Zürcher Obergericht erhöhte die Freiheitsstrafe am Dienstag auf zwölf Jahre.

Das Zürcher Obergericht erhöhte die Freiheitsstrafe am Dienstag auf zwölf Jahre.

Keystone

Darum gehts

  • Das Zürcher Obergericht hat einen 64-jährigen Mann wegen vorsätzlicher Tötung verurteilt.
  • Er hat 2017 in Adliswil seine Freundin getötet, streitet die Tat aber ab.
  • Die Richter sprachen von einer erdrückenden Beweislast und erhöhten die Freiheitsstrafe um zwei auf zwölf Jahre.

Ein heute 64-jähriger Mann hat vor drei Jahren seine Lebenspartnerin verprügelt und erwürgt. Er hatte die betrunkene Frau schlafend auf dem Wohnzimmerboden gefunden. Erst eineinhalb Tage später will er gemerkt haben, dass sie tot ist, und alarmierte die Polizei. Das Zürcher Obergericht verurteilte den Betriebsökonomen am Dienstagnachmittag wegen vorsätzlicher Tötung zu einer Freiheitsstrafe von 12 Jahren. Das sind zwei Jahre mehr als das Bezirksgericht Horgen vor einem Jahr aussprach.

«Es war eine von roher Gewalt geprägte Tat, die Frau hat ein eigentliches Martyrium erlitten», sagte der vorsitzende Richter. «Ohne Alkoholeinfluss und das psychiatrische Gutachten wäre die Strafe sogar bei 18 Jahren gelegen.» Für die Richter war die Beweislage erdrückend. Das rechtsmedizinische Spurenbild deute klar auf eine Strangulation hin. «Entweder wurde die Frau mit blossen Händen erwürgt oder mit einem Schal erdrosselt.»

Aggressiv gegenüber Richter

Eine Dritttäterschaft könne ausgeschlossen werden, ebenso dass sich die Frau die Verletzungen selber beigebracht hat. Offen bleibt, wann der Mann seine Lebenspartnerin tötete. Als Motiv vermuten die Richter, dass der Mann wütend und aufgebracht war, als er die Frau völlig betrunken auf dem Boden liegend in der Wohnung aufgefunden hatte.

Bei der Verhandlung, die am am Morgen stattgefunden hatte, hinterliess der Beschuldigte einen negativen Eindruck. Er war gegenüber dem Richter renitent sowie aggressiv und machte widersprüchliche Aussagen. Er stritt ab, dass er an jenem Abend mit der Frau gestritten habe. Weder am Tatabend noch zuvor sei es zu Gewalt gekommen: «Wir hatten eine harmonische Beziehung, sie gab mir Ruhe und Geborgenheit.»

Dass er schon in der Vergangenheit und zuletzt im März des gleichen Jahres massive häusliche Gewalt verübt hatte, wollte er nicht weiter kommentieren. Als der Richter ihm die lange Liste der Verletzungen vorlas, welche der Rechtsmediziner an der Leiche feststellte, sagte er nur: «Das ist Chabis, was alles drin steht.» Die Frau hätte auch auf dem Nachhauseweg oder Zuhause in der Wohnung stürzen können.

Gewaltbereitschaft und Alkohol

Dass der Mann eine auffällige Persönlichkeitsstruktur mit Gewaltbereitschaft bei grossem Alkoholkonsum hat, attestierte ihm auch der Gerichtspsychiater. Das Gutachten wurde aufgrund von Akten erstellt, weil sich der Beschuldigte weigerte, mit dem Psychiater zu reden. Dass er sich nach 60 Jahren einem Gutachten stellen müsse, sei eine Frechheit, war seine Begründung.

Als der Richter wollte wissen, warum er an jenem Abend die stark betrunkene Frau in die Badewanne legte, sagte der Beschuldigte: «Ich wollte zeigen, dass es nicht geht, in meiner Wohnung betrunken zu sein.» Er habe das Problem «humoristisch lösen» wollen. Am nächsten Morgen habe er die Lebenspartnerin aufgedunsen und mit geschlossenen Augen in der Badewanne gesehen. Dann sei ihm bewusst gewesen, dass sie tot war. Laut Gutachten ist der Tod im Verlauf des Tages eingetreten.

«Ich war in Schockstarre»

Warum haben Sie die Frau dann einfach ins Bett gelegt und am Abend sogar noch ein Champions-League-Fussballspiel geschaut, fragte der Richter. «Ich befand mich in einer Schockstarre», war die Antwort des Mannes. Er sei den ganzen Tag in der Wohnung herumgetigert und habe dann am nächsten Morgen in der Früh die Polizei angerufen.

Sein Verteidiger verlangte einen Freispruch und die sofortige Entlassung aus der Sicherheitshaft. Zudem soll er für die Zeit im Gefängnis eine Genugtuung erhalten. «Todeszeitpunkt und Todesursachen sind unklar», sagte der Anwalt. Ein Kehlkopfbruch müsse nicht zwingend zum Tod führen, die Verletzung hätte schon Tage oder Wochen zuvor entstehen können. Der Tod hätte durch die Lage in der Badewanne oder durch die schon früher festgestellte Lungenerkrankung verursacht werden können. Deshalb sei sein Mandant nach dem Grundsatz im Zweifel für den Angeklagten freizusprechen.

13 statt 15 Jahre beantragt

Der Staatsanwalt, der vor Bezirksgericht noch eine Freiheitsstrafe von 15 Jahren wegen vorsätzlicher Tötung verlangt hatte, reduzierte vor Obergericht den Antrag auf 13 Jahre. Der Beschuldigte sei an jenem Abend ebenfalls stark betrunken und die Steuerungsfähigkeit mittelgradig eingeschränkt gewesen. Dass der Mann die Frau getötet hat, sei klar: «Es kam zu einem Kampf, der mit dem Tod der Lebenspartnerin endete. Der Beschuldigte hat sie bis zum bitteren Ende stranguliert.»

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