«Der Ölpreis macht uns Sorgen»
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«Der Ölpreis macht uns Sorgen»

Der hohe Ölpreis und die anhaltende Krise auf den Finanzmärkten könnte nach Einschätzung der Finanzminister der Euro-Zone die derzeit noch robuste Konjunktur stärker dämpfen als absehbar.

«Der Ölpreis macht uns Sorgen», sagte der Chef der Euro- Finanzministergruppe Jean-Claude Juncker am Montag nach dem Treffen der Minister in Brüssel. Doch blieben die Regierungen dabei, auf die Verteuerung nicht mit Steuersenkungen zu reagieren.

EU-Währungskommissar Joaquin Almunia ergänzte, die Turbulenzen an den Kreditmärkten hielten länger an als gedacht und könnten die Realwirtschaft auf Dauer stärker bremsen. «Wir sind besorgt über dieses Risiko», sagte Almunia.

Die Krise am US-Hypothekenmarkt hatte im Sommer auf die Banken und Kreditmärkte in Europa übergegriffen und die Zinsen am Geldmarkt nach oben getrieben. Einige US-Banken erlitten milliardenschwere Verluste.

Ölpreis noch nicht berücksichtigt

Die Kommission hatte vergangene Woche erst ihre Prognosen für das Wachstum in der EU und in der Euro-Zone 2008 reduziert. Der jüngste Ölpreisanstieg über 90 Dollar je Barrel war dabei noch gar nicht berücksichtigt. Die Kommission erwartet nach 2,6 Prozent Wachstum des Bruttoinlandsprodukts in diesem Jahr für das Euro- Gebiet 2008 noch 2,2 Prozent.

Trotz des starken Kursanstiegs des Euro zum Dollar in den vergangenen Wochen verschärften die Finanzminister ihre Warnungen an die Devisenmärkte nicht. Die Gemeinschaftswährung hatte am Freitag einen neuen Höchststand von 1,4752 Dollar erreicht und war damit sechs US-Cent teurer als beim letzten Treffen der Eurogruppe.

Im Verhältnis zu den Währungen der wichtigsten Handelspartner der Euro-Zone verteuerte sich die Gemeinschaftswährung seit Beginn des Jahres um gut fünf Prozent.

Juncker wiederholte nur die Formel der sieben führenden Industrieländer (G7), die den Devisenmarkt bisher kaum beeindruckte: Scharfe Ausschläge der Wechselkurse schadeten dem Wachstum und seien nicht willkommen.

Reise nach China

Auch über seine bevorstehende Reise mit Almunia und dem Präsidenten der Europäischen Zentralbank (EZB), Jean-Claude Trichet, Ende November nach China liess Juncker sich kaum etwas entlocken.

Die Euro-Währungspolitiker haben eine Aufwertung des künstlich billig gehaltenen chinesischen Yuan als Schlüssel einer Beruhigung an den Devisenmärkten ausgemacht und wollen darüber mit Chinas Führung reden. Juncker sagte, bei den Gesprächen mit der viertgrössten Wirtschaftsmacht der Welt seien keine schnellen Änderungen zu erwarten.

(sda)

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