Aktualisiert 05.01.2011 12:17

Selbstmord

Der Pahlewi-Fluch schlägt wieder zu

Prinz Ali Resa Pahlewi, der jüngste Sohn des ehemaligen Schahs von Persien, hat sich das Leben genommen – wie vor zehn Jahren schon seine Schwester.

von
pbl
Ali Resa Pahlewi und seine Mutter Farah Diba 2005 bei der Beisetzung von Fürst Rainier von Monaco.

Ali Resa Pahlewi und seine Mutter Farah Diba 2005 bei der Beisetzung von Fürst Rainier von Monaco.

Wie die Familie mitteilte, habe sich der 44-Jährige in seinem Haus in Boston in der Nacht zum Dienstag das Leben genommen. Pahlewi sei tot in seinem Appartement gefunden worden, teilte die Polizei mit. Die Zeitung «Boston Globe» berichtete, die Polizei untersuche den Todesfall noch. Nach vorläufigen Erkenntnissen habe sich Ali Resa Pahlewi erschossen.

Schah Mohammed Resa Pahlewi war bis zu seinem Sturz durch die islamische Revolution 1979 knapp 40 Jahre lang Herrscher des Iran. Er ging ins Exil und starb ein Jahr später an Krebs. Sein Sohn Ali Resa wurde in Teheran geboren, wuchs nach Ausweisung der Familie aber in Ägypten und den USA auf. Er war nie verheiratet und studierte bis zuletzt Philologie und altiranische Studien an der Harvard-Universität im Bostoner Vorort Cambridge.

Schwester starb nach Überdosis

Anders als sein älterer Bruder hielt er sich 2009 während der Proteste gegen die umstrittene Wiederwahl von Präsident Mahmud Ahmadinedschad aus der Öffentlichkeit fern. Der älteste Sohn, der den gleichen Namen trägt wie sein Vater, bestätigte den Tod seines Bruders auf seiner Internetseite. «Wieder einmal teilen wir das Leid von Müttern, Vätern und Verwandten der vielen Opfer in diesen dunklen Zeiten für unser Land», schrieb Resa Pahlewi junior.

Ali Resa ist bereits das zweite von vier Kindern des Schahs und seiner dritten Ehefrau Farah Diba, das sich das Leben genommen hat. Im Juni 2001 starb die 31-jährige Prinzessin Leila Pahlewi in einer Hotelsuite in London an einer Überdosis Schlafmittel. Das einstige Model hatte zuvor jahrelang an Magersucht und Depressionen gelitten. Ihre Tochter habe die Verbannung und das Schicksal ihres Vaters nie überwinden können, sagte Farah Diba.

Vertraute von Ali Resa Pahlewi sagten, er sei nach dem Tod seiner Schwester zunehmend in Depression verfallen, die mit der Zeit immer schlimmer wurden. «Seine Ausreise aus dem Iran, das Leben im Exil, der Tod seines Vaters und dann seiner Schwester, zu der er eine enge Beziehung hatte», sagte eine Freundin der Familie, Nazie Eftekhari, die für Resa Pahlewi in Washington arbeitet. «Diese Todesfälle waren ein schwerer Schlag für ihn.»

Oppositionsbewegung trauert

Websites und soziale Online-Netzwerke wurden zum wichtigsten Forum für die iranische Oppositionsbewegung, die dort um Pahlewi trauerte. In den Kommentaren wurde aber auch Frustration und Wut über die im Iran regierenden islamischen Hardliner laut. «Wo ist Gottes Gerechtigkeit?», hiess es dort zum Beispiel. «Die Hölle ist ein zu schöner Ort für die, die unser Land nahmen und so viel Leid verursachten.»

Im Iran berichtete die amtliche Nachrichtenagentur IRNA kurz über den Tod des Schah-Sohns. Auf der Website des staatlichen Fernsehsenders Press TV hiess es: «Sohn des iranischen Exdiktators bringt sich um». Unter den Iranern gibt es noch Anhänger der Monarchie, die sich Resa Pahlewi junior als Staatsoberhaupt wünschen. In der iranischen Oppositionsbewegung spielt der Schah-Sohn jedoch keine prominente Rolle. (pbl/sda/dapd)

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