Aktualisiert 18.01.2010 08:21

Verkehrsrevolution

Der Pannenstreifen wird zur Fahrspur

Zum ersten Mal in der Schweiz wird heute Montag der Pannenstreifen bei Stau zur provisorischen Fahrspur. Das Pilotprojekt wird zwischen Morges und Ecublens durchgeführt. Die Massnahme stösst auch im Rest der Schweiz auf grosses Interesse.

von
Annette Hirschberg
Die A 1 zwischen Morges udn Ecublens: Am Montag soll der Pannenstreifen genutzt werden können.

Die A 1 zwischen Morges udn Ecublens: Am Montag soll der Pannenstreifen genutzt werden können.

Im Schweizer Verkehrsregime wird heute Montag ein ganz neues Kapitel aufgeschlagen: Bei Stau soll der Pannenstreifen auf der 6,5 Kilometer langen Strecke zwischen Morges und Ecublens zur dritten Fahrspur werden. «Auf dieser Strecke gibt es täglich eine besonders hohe Staubelastung», sagt Mediensprecher Thomas Rohrbach vom Bundesamt für Strassen (Astra). Die Massnahme wird in der Schweiz nun erstmals eingeführt.

Gemäss Verkehrsplanung des Bundes ist der Pannenstreifen eigentlich ausschliesslich den Pannen- und Unterhaltsfahrzeugen und der Polizei vorbehalten. Im europäischen Ausland ist der Tabubruch schon länger vollzogen: In Italien und Deutschland nutzt man auf besonders belasteten Autobahnabschnitten in Stauzeiten schon länger den Pannenstreifen und hat gute Erfahrungen damit gemacht.

Lichtsignal-Anlage steuert Freigabe

Die Umrüstung der provisorischen Fahrspur im Westschweizer Nadelöhr war allerdings nicht gratis. 34 Millionen Franken wurden im letzten Jahr für die baulichen Anpassungen auf der A1 zwischen Morges und Ecublens ausgegeben. Damit wurden der Pannenstreifen auf einzelnen Streckenabschnitten verstärkt und zusätzliche Haltebuchten für Pannenfahrzeuge eingerichtet. Eine neue Lichtsignal-Anlage gibt zudem ab Montag bei Stau den Pannenstreifen für den Verkehr frei. Die Freigabe wird über Erfassungsgeräte gesteuert, welche die Fahrzeugdichte und die Geschwindigkeit auf der Strecke messen.

Das Astra bezeichnet die Pannenstreifennutzung als Pilotversuch, doch das Projekt stösst bereits andernorts auf grosses Interesse.

Ab 2013 auch rund um Winterthur

Beim Autobahn-Flaschenhals rund um Winterthur sollen bei Stau in Zukunft ebenfalls die Pannenstreifen wie Schleusen geöffnet werden. «Frühestens ab 2013 kann die Standspur rund um Winterthur flexibel genutzt werden», sagt Astra-Sprecherin Karin Ammann. Auf dieser Strecke wird im Rahmen der laufenden Sanierung von A7 und A1 auch der Pannenstreifen auf seine neue Funktion als flexible Fahrspur vorbereitet.

«Derzeit werden die Rahmenbedingungen geschaffen», bestätigt Ammann. Die Vorfreude der Autofahrer auf diese Erweiterung ist so gross, dass die Zweigstelle des Astra in Winterthur die Ankündigung der Pannenstreifen-Nutzung wieder vom Netz nehmen musste. «Wir hatten zu viele Anfragen und Mails deswegen, weil alle glaubten, diese Massnahme komme sofort», so Ammann.

In Winterthur will man die Auswertung aus dem Pilotversuch in der Romandie berücksichtigen. «Die Ergebnisse werden in unser Projekt einfliessen», sagt Ammann. So sollen etwa die Lichtsignal-Anlage und die Verkehrserfassung für Winterthur erst nach den ersten Auswertungen des Projekts Morges-Ecublens geplant werden.

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