14.01.2020 12:35

BombardierDer Pannenzug verursacht wieder mehr Störungen

Die neuen Doppelstockzüge sind wieder häufiger in Störungen verwickelt. Nun können keine Sitzplätze mehr reserviert werden.

von
Stefan Ehrbar
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Passagiere auf dem neuen SBB-Doppelstockzug brauchen wieder mehr Geduld. Im Dezember 2019 stieg die Zahl der Zwischenfälle mit dem neuen Flaggschiff des SBB-Fernverkehrs wieder.

Passagiere auf dem neuen SBB-Doppelstockzug brauchen wieder mehr Geduld. Im Dezember 2019 stieg die Zahl der Zwischenfälle mit dem neuen Flaggschiff des SBB-Fernverkehrs wieder.

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War es im Oktober im Durchschnitt alle 7100 Kilometer zu einem Zwischenfall gekommen und im November alle 6600 Kilometer, betrug dieser Wert im Dezember laut Angaben der SBB nur noch  5219 Kilometer.

War es im Oktober im Durchschnitt alle 7100 Kilometer zu einem Zwischenfall gekommen und im November alle 6600 Kilometer, betrug dieser Wert im Dezember laut Angaben der SBB nur noch 5219 Kilometer.

Keystone/Ennio Leanza
Für einen uneingeschränkten Einsatz verlangt die SBB einen Wert von mindestens 8000 Kilometern ohne Störung. Laut SBB liegt der tiefere Wert an Problemen beim Kuppeln und am Sicherheitssystem.

Für einen uneingeschränkten Einsatz verlangt die SBB einen Wert von mindestens 8000 Kilometern ohne Störung. Laut SBB liegt der tiefere Wert an Problemen beim Kuppeln und am Sicherheitssystem.

Keystone/Pablo Gianinazzi

Passagiere auf dem neuen SBB-Doppelstockzug brauchen wieder mehr Geduld. Im Dezember stieg die Zahl der Zwischenfälle mit dem neuen Flaggschiff des SBB-Fernverkehr wieder. Kam es im Oktober im Durchschnitt alle 7100 Kilometer zu einem Zwischenfall und im November alle 6600 Kilometer, betrug dieser Wert im Dezember laut Angaben der SBB nur noch 5219 Kilometer. Für einen uneingeschränkten Einsatz verlangt die SBB einen Wert von mindestens 8000 Kilometern ohne Störung.

Die vermehrten Ausfälle haben laut SBB-Sprecher Raffael Hirt zwei Ursachen. «Erstens hatten wir mehr Kupplungsstörungen. Weil seit dem Fahrplanwechsel am 15. Dezember mehr FV-Dosto im Einsatz sind, kuppelt die SBB die Fahrzeuge öfter als vorher.» Zudem seien bei einem Sicherheitssystem vermehrt Störungen aufgetreten. «Die Sicherheit der Reisenden war in jedem Fall gewährleistet», so Hirt.

«Rechnen mit positiver Entwicklung»

Die SBB arbeite eng mit Bombardier zusammen, um die Zuverlässigkeit weiter zu steigern. Die im letzten Jahr erzielten Fortschritte seien «erfreulich», so Hirt. Zurzeit setze die SBB die FV-Dosto auf täglich knapp 100 Verbindungen der Linien IC3, IR13 und IR37 ein. Die Züge legten täglich total über 16'000 Kilometer zurück.

Bombardier gibt sich optimistisch. Sprecher Andreas Bonifazi sagt: «Wir rechnen weiterhin mit einer positiven Entwicklung.» Die Januar-Werte dokumentierten das. Die «leicht gesunkenen Werte» im Dezember seien vor allem auf Probleme mit einem Sicherheitssystem, dem sogenannten ZUB, in drei Zügen zurückzuführen. Während SBB-Sprecher Hirt sagt, die genaue Ursache des Softwareproblems sei noch Teil laufender Analysen, spricht Bonifazi davon, dass die Probleme «analysiert und behoben» seien.

Reservationen nicht möglich

Noch nicht behoben sind allerdings Probleme mit den Reservationen. Das hat Folgen für die Passagiere. Auf den Verbindungen, auf denen die FV-Dosto fahren, können keine Sitzplätze mehr reserviert werden. Das elektronische System funktioniere noch nicht wie gewünscht, bestätigt SBB-Sprecher Hirt. «Darum kann die SBB auf den genannten Linien momentan keine Einzelplatzreservation anbieten. Wir bedauern das.»

Zur betrieblichen Zuverlässigkeit der Züge bestehe aber kein Zusammenhang. Sobald das System funktioniere, biete es einen «entscheidenden Vorteil» gegenüber dem heutigen System mit den kleinen Zetteln in den Halterungen oberhalb der Sitze. Diese könnten nämlich jeweils nicht kurzfristig in Ersatzzügen angebracht werden, so Hirt. Nicht betroffen seien Reservationen von Gruppen.

Insgesamt erhält die SBB von Bombardier 62 FV-Dosto-Züge für 1,9 Milliarden Franken. Noch ist nicht einmal die Hälfte abgeliefert. Am 1. Januar waren 27 Züge für die SBB unterwegs. Laut Hersteller Bombardier sollen bis im Juni 2021 alle Züge abgeliefert sein. Sobald die SBB genügend funktionierende Züge zur Verfügung hat, will sie diese auch auf ihrer Paradestrecke, dem IC1 zwischen St. Gallen, Zürich und Genf einsetzen. Noch ist unklar, wann es so weit ist: «Einen Termin können wir momentan nicht nennen», sagt SBB-Sprecher Raffael Hirt.

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