Aadorf TG: «Der Panzer ist mein Baby – es soll weiterleben»
Aktualisiert

Aadorf TG«Der Panzer ist mein Baby – es soll weiterleben»

Ein Thurgauer bietet auf tutti.ch eine Mowag-Panzerattrappe zum Verkauf an. Der Wagen kann auch durch die Stadt gefahren werden.

von
fej

Eine kleine Testfahrt mit der Panzerattrappe.

«Das Fahren des Panzerautos ist für mich jedes Mal ein spezielles Erlebnis», sagt Thomas Bachmann aus Aadorf. Völlig verständlich, denn ein Panzerauto auf der Strasse ist nicht eben alltäglich.

Nach knapp acht Jahren will sich der Aadorfer nun von seiner Mowag-Panzerattrappe trennen. Auf tutti.ch bietet er das Fahrzeug für 5650 Franken zum Verkauf an.

Dieses Auto ist kaum zu zerstören

«Ich habe insgesamt fünf Militärfahrzeuge, aber keinen Platz mehr», begründet Bachmann seinen Entscheid. Für das über fünf Tonnen schwere Gefährt gab es bereits einige Interessenten: Sammler von Armeefahrzeugen sowie ein Feldküchenverein hätten fast zugebissen. «Der Verein war kurz davor, das von der Mowag Kreuzlingen hergestellte Fahrzeug zu kaufen», erzählt Bachmann. Wegen internen Unstimmigkeiten sei es aber nicht zum Vertragsabschluss gekommen.

Die 1957 gebaute Panzerattrappe 4 x 4 erreicht bis zu knapp 60 km/h und hat 108 PS. «Sie darf mit bis zu 50 Stundenkilometern auf öffentlichen Strassen gefahren werden», sagt Bachmann. Dies dank der Seitenfenster, die der Vorbesitzer seinerzeit eingebaut hat.

Das von einem 3,7-Liter Chrysler-Sechszylinder angetriebene Fahrzeug ist mit zehn Millimeter dickem Stahl versehen. Zudem hat es eine Vollgummibereifung mit Luftkammern. Bachmann: «Die beiden Hinterräder sind deshalb nicht platt zu kriegen.»

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Noch steht die Mowag-Panzerattrappe im thurgauischen Aadorf.

Noch steht die Mowag-Panzerattrappe im thurgauischen Aadorf.

Fejsal Sulejmani
Der 57-jährige Thomas Bachmann hatte viel Spass mit dem ungewöhnlichen Gefährt.

Der 57-jährige Thomas Bachmann hatte viel Spass mit dem ungewöhnlichen Gefährt.

Fejsal Sulejmani
Bis Ende der 80er-Jahre wurden dieinsgesamt 240 produzierten Panzerattrappen von der Schweizer Armee zu Übungszwecken gebraucht: als bewegliches Ziel für diverse Übungsgeschosse und -granaten.

Bis Ende der 80er-Jahre wurden dieinsgesamt 240 produzierten Panzerattrappen von der Schweizer Armee zu Übungszwecken gebraucht: als bewegliches Ziel für diverse Übungsgeschosse und -granaten.

Fejsal Sulejmani

Kategorie C1 ist ein Muss

«Jedes Fahrzeug kann, wenn es die Zulassungskriterien erfüllt und erfolgreich vorgeführt wurde, im Rahmen der gültigen Verkehrsregeln und unter allfälligen im Fahrzeugausweis eingetragenen Auflagen am Strassenverkehr teilnehmen», schreibt Ernst Rudolf Anderwert vom Strassenverkehrsamt Thurgau auf Anfrage von 20 Minuten. Ausserdem sei für schwere Personenwagen mit nicht mehr als 7500 Kilogramm Gesamtgewicht mindestens die Führerauswei-Kategorie C1 erforderlich.

«Nur auf Wiesen und Landwegen gefahren»

Bachmann selbst hat die Panzerattrappe noch nie eingelöst. Er sei aber vor fünf Jahren kurz davor gewesen. «Etwa fünfmal pro Jahr bin ich auf den naheliegenden abgesperrten Wiesen und Landwegen gefahren», sagt er. «Dieses Panzerauto ist einzigartig, ich kenne keines auf der ganzen Welt, das auf die Strasse darf.»

Schweren Herzens würde er sich von seinem Panzerwagen verabschieden, so der 57-jährige Allrounder. «Ich will das Ding in gute Hände übergeben. Dieser Wagen ist mein Baby, es soll weiterleben.»

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