Silvio Berlusconi: Der Pappagallo und seine Showgirls
Aktualisiert

Silvio BerlusconiDer Pappagallo und seine Showgirls

Italien hat das «nackteste Fernsehen der Welt», und Silvio Berlusconi lebt glänzend davon. Seine Vorliebe für Showgirls ist allgemein bekannt. Immer öfter holt er sie in die Politik.

von
Peter Blunschi

Man nennt sie «Velina». Das ist ein ziemlich durchsichtiger Stoff, und damit ist eigentlich schon alles gesagt. Gemeint sind die Showgirls mit kurvenreichem Körper, die sich in überaus leichter Bekleidung im italienischen Fernsehen tummeln. Erfunden wurden sie 1983 vom Sender Italia 1, der zum Imperium von Silvio Berlusconi gehört. Inzwischen mag selbst die staatliche RAI nicht mehr auf Veline verzichten, weshalb Italien den zweifelhaften Ruf geniesst, das «nackteste Fernsehen der Welt» zu haben.

Die Karriere einer Velina endet häufig damit, dass sie sich einen Fussballer angelt. Oder einen Popstar – siehe das Ex-Showgirl Michelle Hunziker. Immer häufiger aber zieht es sie in die Politik. Das brachte dem nunmehrigen Ministerpräsidenten Berlusconi zuletzt einige Scherereien ein. Gleich ein Dutzend der wohlgeformten, aber politisch unbeleckten Frauen wollte er ursprünglich auf die Liste seiner Partei «Popolo della Libertà» (PDL) für die Europawahlen vom 7. Juni setzen. Nachdem sich Parteifreunde und Noch-Ehefrau Veronica Lario darüber beklagt hatten, gab Berlusconi nach. Nun sind es noch drei Showgirls.

Showgirl als Ministerin

Ein ehemaliges TV-Sternchen sitzt sogar in der Regierung. Die 33-jährige Mara Carfagna hatte 1997 als «Miss Italia» kandidiert und ist heute Ministerin für Gleichstellung. Über ihr Verhältnis zum Chef zerreissen sich im Belpaese die Klatschmäuler, besonders seit Silvio Berlusconi 2007 öffentlich bekundete: «Wäre ich nicht schon verheiratet, dann würde ich sie sofort heiraten.» Bereits damals war Veronica Lario der Kragen geplatzt: Der Göttergatte habe ihre «Würde als Frau verletzt», schrieb sie in einem Brief an «La Repubblica».

Berlusconi entschuldigte sich öffentlich. Dabei ist die Vorliebe des ehemaligen Kreuzfahrtsängers für Veline in Italien ein offenes Geheimnis. Nur zu gerne inszeniert er sich als «Latin Lover» oder «Pappagallo der Nation», wenn er anzügliche Witzchen reisst, sich mit jungen Damen in seinen Villen auf Sardinien zeigt oder als 72-Jähriger mit seiner Potenz protzt. Das Ausland rümpft die Nase, doch bei seinen Landsleuten kommt der «Cavaliere» an – obwohl oder vielleicht weil die heutigen Italiener weniger Machos sind als Muttersöhnchen.

Für Nachwuchs ist gesorgt

Neu ist das Showgirl-Prinzip in der Politik ohnehin nicht. Berlusconis Parteitage «wirken wie eine Misswahl, so viele ehrgeizige und linientreue Models drängen sich neben den anderen Delegierten ins Licht», schrieb die «Frankfurter Allgemeine Zeitung». Und um Nachwuchs muss sich der Ober-Macho ohnehin nicht sorgen. Angeblich wollen junge Italienerinnen nichts lieber sein als eine Velina. Das gilt auch für die 18-jährige Noemi Letizia, jenes Mädchen, das der Ehe von Berlusconi und Lario letztlich den Rest gab. Auch sie träumt seit Kindertagen von einer Karriere als TV-Showgirl.

$$VIDEO$$Veline-Auftritt in der Satireshow «Striscia la Notizia» von Berlusconis Canale 5. (Video: YouTube)

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