Hans Küng kritisiert: «Der Papst ist abgeschottet»
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Hans Küng kritisiert«Der Papst ist abgeschottet»

Papst Benedikt XVI. gerät wegen der Rehabilitierung des Holocaust-Leugners Richard Williamson immer stärker unter Druck. Mehrere deutsche Bischöfe distanzieren sich von der Entscheidung des Vatikans. Theologe Hans Küng sieht den Papst gar «abgeschottet».

«Einen Holocaust-Leugner zu rehabilitieren, ist immer eine schlechte Entscheidung», sagte der Erzbischof Werner Thissen dem «Hamburger Abendblatt». Es sei schlampig gearbeitet worden, nun sei der Schaden gross. Offen kritisierte Thissen das Vorgehen des Vatikans: «Es hätte geklärt werden müssen, was die Meinung Williamsons ist. Es hätte auf jeden Fall besser recherchiert werden müssen», betonte er. Williamson, der der erzkonservativen Piusbruderschaft angehört, hatte in einem Interview erklärt, während des Dritten Reichs sei kein einziger Mensch vergast worden.

Eigentlich sei es dem Papst darum gegangen, die Kluft zu den Traditionalisten zu überbrücken, betonte der Erzbischof. «Der Papst hat immer dieses Hauptziel vor Augen: die Einheit», sagte er. Dass dessen Bemühen mit den «unsäglichen Äusserungen des Bischofs Williamson» zusammenfalle, sei furchtbar: «Der Schaden, dass ein Holocaust-Leugner unter den Rehabilitierten ist, ist gross.»

Zum weiteren Vorgehen sagte der Erzbischof: «Dass in Hinblick auf Williamson nachgearbeitet werden muss, halte ich für sicher.» Wenn er dem Oberhaupt der Katholiken einen Rat geben würde, dann diesen: «Lieber Papst Benedikt, guck, was Du für Mitarbeiter hast, damit Du immer gut beraten bist», sagte Thissen.

«Verunsicherung, Unverständnis und Enttäuschung»

Zuvor hatte sich bereits der Bischof von Rottenburg-Stuttgart, Gebhard Fürst, von der Papst-Entscheidung distanziert. Die Einheit der Kirche sei ein hohes Gut, aber nicht mit einer Leugnung grundlegender Aussagen des Zweiten Vatikanischen Konzils zu vereinbaren, hatte er am Sonntag erklärt. Die Vatikan-Entscheidung habe «bei vielen Menschen innerhalb und ausserhalb der Kirche Verunsicherung, Unverständnis und Enttäuschung hervorgerufen».

Nach Einschätzung des Theologen Hans Küng ist Papst Benedikt von der Welt ausserhalb des Vatikans weitgehend abgeschottet. «Er merkt gar nicht, wie seine Aktionen in der Welt ankommen», sagte Küng im Deutschlandradio Kultur. Die Rehabilitierung von Williamson und die Ernennung eines ebenfalls konservativen Priesters zum Weihbischof von Linz sind für Küng nicht überraschend: Der Papst sei schon vor einiger Zeit auf einen reaktionären Kurs eingeschwenkt, dieser ermögliche «nur noch ultrakonservativen Leuten» Zugang zum Bischofsamt. Küng kritisierte weiter, dass sich Benedikt XVI. nicht klar zum Zweiten Vatikanischen Konzil bekannt habe. Stattdessen habe er «notorische Feinde des Konzils hoffähig gemacht». «Er müsste das Schiff der katholischen Kirche, das nach rechts abgedriftet ist, als Kapitän wieder in die Mitte lenken.»

Zentalrat fordert Klarstellung des Papstes

CDU-Generalsekretär Ronald Pofalla äusserte indirekt die Erwartung, dass der Vatikan die Entscheidung zugunsten Williamsons revidiert: Es gebe zur Entscheidung des Papstes eine Reihe von kritischen Stimmen. Er glaube, dass diese dazu beitrügen, «dass am Ende eine Entscheidung steht, die dann nicht mehr kritisiert wird», sagte er.

Der Medienbeauftragte der Deutschen Bischofskonferenz, Lutz Nehk, attestierte dem Vatikan am Montag ein Kommunikationsproblem. «Das Kommunikationsproblem ist ein ganz grosses Problem für die Kirche geworden, nämlich ein Glaubwürdigkeitsproblem», sagt Nehk auf N24. Die vatikanischen Behörden hätten offensichtlich nicht die Informationen eingeholt, die sie hätten einholen müssen.

Der Zentralrat der Juden verlangte eine Klarstellung des Papstes. «Wir sind der Auffassung, dass der Papst konkretisieren muss, was er gesagt hat», sagte Zentralrats-Generalsekretär Stephan Kramer dem Sender N24. Die Rücknahme der Exkommunizierung Williamsons stelle alle Erklärungen in Frage, «die die Verbindungen zur jüdischen Gemeinschaft verbessert haben». Man stehe jetzt «im Prinzip vor einem Scherbenhaufen».

(dapd)

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