Franziskus-Fanzine: «Der Papst ist ein bisschen ein Superheld»
Aktualisiert

Franziskus-Fanzine«Der Papst ist ein bisschen ein Superheld»

Das Magazin «Il Mio Papa» ist ein Hit. Chefredaktor Vitali erklärt wieso und plaudert über das geplante Vatikan-Treffen von Israels Präsident Peres und Palästinenserführer Abbas.

von
K. Leuthold

Seit fast drei Monaten erscheint in Italien «Il Mio Papa», eine Zeitschrift, die sich ausschliesslich mit Papst Franziskus befasst. 20 Minuten hat sich mit dem Chefredaktor Aldo Vitali unterhalten. Darüber, warum er ein riesiger Fan des Pontifex ist. Was Franziskus besser macht als sein Vorgänger Benedikt. Und über das geplante Treffen zwischen dem israelischen Staatschef Peres und dem palästinensischen Präsidenten Abbas im Vatikan (siehe Box).

Herr Vitali, Ihr Magazin ist jede Woche ausverkauft. Was macht es so erfolgreich?

Aldo Vitali: «Il mio Papa» hat eine Auflage von 150'000 Exemplaren. Der Erfolg der Zeitschrift ist eng mit dem starken Charisma von Franziskus verbunden. Dieser Papst ist ein sehr spezieller Mensch und die Leute haben das erkannt. Sie haben ein besonderes Interesse an seiner Person, an seinen Gedanken und an seinen Worten. Die Menschen wollen alles über ihn erfahren. Sie bewundern ihn. Dazu kommt, dass wir eine wöchentliche Zeitschrift sind, im Unterschied zu anderen Publikationen des Vatikans, die nur einmal im Monat erscheinen. Dadurch haben unsere Leser mehr Nähe zu den Ereignissen, die unter der Woche geschehen. Und mit diesem Papst passiert ja täglich so viel!

Wer liest Ihre Zeitschrift?

Wir haben alle Arten von Lesern. Ältere Menschen und ganz Junge. Franziskus kommt bei den jungen Generationen sehr gut an. Viele Leser sind gläubig, aber es hat auch ganz viele Nichtgläubige.

Warum ist Franziskus so beliebt?

Franziskus hat eine ganz besondere Fähigkeit: Er öffnet sich den Menschen, so dass sie sich ihm sofort verbunden fühlen. Es wärmt einem das Herz, wenn man in seiner Nähe ist. Sein Lächeln strahlt viel Stärke und gleichzeitig viel Ehrlichkeit aus.

Papst vergleicht Kindesmissbrauch mit "satanischer Messe"

Haben Sie Franziskus persönlich getroffen?

Ja, ich hatte das Glück, ihn vor zwei Monaten bei einer Generalaudienz im Vatikan zu treffen. Dabei ist mir etwas Merkwürdiges passiert: Ich hatte ein paar Gedanken vorbereitet, die ich ihm mitteilen wollte. Doch als der Moment kam und ich endlich vor Franziskus stand, vergass ich alles. Ich fühlte mich wie nackt und unbewaffnet.

Was sind Ihrer Meinung nach die grössten Errungenschaften des Papstes nach über einem Jahr im Amt?

Er hat ein neues Bild der Kirche und des Vatikans geschaffen. Und das innert kürzester Zeit.

Sie geben an, nicht «über den Papst, sondern über seine Botschaften» zu berichten. Welche neuen Botschaften verbreitet Franziskus im Unterschied zu seinen Vorgängern, sodass es sich lohnt, eine ganze Zeitschrift damit zu füllen?

Franziskus' Botschaften sind simpel und doch sehr klar. Jeder Mensch kann sie verstehen. Er lebt vor, was er predigt. Er lebt nicht im Luxus, er lädt Fremde an seinen Tisch, um mit ihnen eine Mahlzeit zu teilen, er reist mit dem Bus durch den Vatikan, alles Gesten aus dem Alltag, die ihn von seinen Vorgängern unterscheiden.

Was halten Sie von seinem Kampf gegen Kindsmissbrauch?

Franziskus ist sehr mutig. Er hat sich damit eines ernsten Problems der katholischen Kirche angenommen. Vor allem in den Ländern, in denen die Kirche stark ist, haben Priester ihre Machtposition missbraucht. Die Aufgabe, die Papst Benedikt XVI. begonnen hat, führt Franziskus jetzt weiter. Aber Franziskus ist stärker als Benedikt. Ich vermute, zu diesem Thema wird es bald grosse News geben.

Was sind Ihre Gedanken zum Israelbesuch des Papstes?

Ich glaube, der wichtigste Moment der Reise war, als er Shimon Peres und Mahmoud Abbas sein Haus im Vatikan für ein Gebetstreffen anbot. Und dass beide zusagten. Franziskus hat sie nicht lange zögern lassen und kam sofort mit seiner Agenda. Er fragte die beiden, wann sie Zeit hätten. Schliesslich haben sie sich auf den 6. Juni geeinigt. Das ist aber ein vorläufiger Termin.

Was erwarten Sie von diesem Treffen?

Ich wäre sehr erstaunt, wenn nichts daraus wird. Denn Franziskus hat immer eine Überraschung bereit. Und er lässt nicht locker. Als Shimon Peres wegen des Termins vom 6. Juni unsicher war, schlug Franziskus gleich den 15. Juni als Alternative vor. Das Treffen wird also ganz sicher im Juni stattfinden, denn Peres hat ab Ende Monat andere Verpflichtungen.

Sie behandeln Franziskus wie ein Pop-Idol – obwohl er sich gegen dieses Image wehrt. Hat Franziskus Freude an Ihrem Heft?

Als ich ihn traf, sagte er mir, dass er unsere Zeitschrift gelesen habe. Vatikan-Mitarbeiter verrieten mir, dass ihn ein Artikel über seinen Assistenten sehr amüsiert hat. Soeben habe ich ein E-Mail aus dem Vatikan bekommen, damit wir ihnen fünf Exemplare der letzten Ausgabe nach Santa Marta (dem Wohnsitz des Papstes, Anm. d. Red. ) schicken. Das ist ein positives Feedback. Es macht uns sehr stolz und motiviert uns, auf diesem Weg weiterzumachen. Ich muss aber sagen, dass wir Franziskus nicht als Pop-Idol oder Superhelden behandeln. Im Gegenteil. Dieser Papst verändert die Kirche und die Welt und wir berichten darüber. Immer äusserst respektvoll.

An Inhalt für die Zeitschrift mangelt es wohl nicht, zumal Franzikus sehr aktiv ist.

Ich weiss nicht, wie er das schafft, aber er kann seine Zeit so gut aufteilen, dass er jede Menge Dinge pro Tag erledigt. Wir publizieren seine Agenda im Magazin und es ist einfach unglaublich, wie viele Aktivitäten und Termine eingetragen sind. Ich glaube, nicht einmal Präsident Obama hat so viel zu tun. Franziskus ist eben doch ein bisschen ein Superheld.

«Das Geschenk des Friedens zu erflehen»

Papst Franziskus hatte bei seiner dreitägigen Nahostreise vom 24. bis 26. Mai in Bethlehem ein Ende des Nahost-Konflikts und eine Zwei-Staaten-Lösung gefordert. Es sei an der Zeit, der Situation, die «immer unerträglicher» werde, ein Ende zu setzen, sagte der Papst bei dem Treffen mit Palästinenserpräsident Mahmud Abbas im Westjordanland. Überraschend lud Franziskus Abbas und den israelischen Staatschef Schimon Peres zudem zu einem gemeinsamen Gebet im Vatikan für den Frieden ein. Ein solches Friedens-Gebet dürfte eher symbolischen Charakter haben: Friedensnobelpreisträger Peres, dessen Amtszeit in zwei Monaten endet, hat kaum Einfluss auf die israelische Regierungspolitik. Der Papst betonte, es gehe dabei, im gemeinsamen intensiven Gebet «von Gott das Geschenk des Friedens zu erflehen».

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