Aktualisiert 16.07.2013 20:08

Skandal in Brasilien

Der Papst kommt – der Regenwald muss weg

Für den Papstbesuch in Brasilien werden riesige Menschenmassen erwartet. Um genug Platz für die Pilger zu schaffen, holzte die katholische Kirche kurzerhand einen 300-jährigen Regenwald ab. Umweltschützer sind empört.

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kle
Platz für die Pilger - dafür musste ein 300 Jahre alter Wald gerodet werden.

Platz für die Pilger - dafür musste ein 300 Jahre alter Wald gerodet werden.

In Brasilien gehen die Wogen hoch. Schuld daran ist der Papstbesuch von nächster Woche. Wie die Zeitung «O Globo» berichtet, wurden in den letzten Wochen 334 Bäume am Rand des Nationalparks Serra da Tiririca bei Niteroi gefällt. Der Grund: Die katholische Kirche benötigt den Platz, um die etwa 800 erwarteten Pilger zu empfangen.

Das Grundstück gehört zwar der Kirche, bestätigt Vizebürgermeister Niterois, Axel Grael. Doch um Erlaubnis für die Rodung habe sie nicht gefragt. Die abgeholzte Fläche bestand aus einem 300 Jahre alten Wald. «Der Vorfall ist bedauernswert», sagte Grael. «Eine Veranstaltung für die Jugend sollte pädagogisch wertvoll sein und eine Verantwortung gegenüber der Umwelt und der Zukunft demonstrieren. Diese Abholzung ist ein krimineller Akt.»

Umweltschützer hätten das nie zugelassen

Auch André Ilha vom staatlichen Institut für Umwelt, das für den Wald verantwortlich ist, zeigte sich ob der Rodung entrüstet. Diese hätte seine Organisition nie bewilligt, sagt er – auch nicht, wenn die Kirche eine Genehmigung verlangt hätte. Denn diese Bäume seien Teil des gefährdeten atlantischen Regenwaldes.

Die Diözese Sao Sebastiano de Itaipu, die den Auftrag gab, hat nun angeboten, nach der Veranstaltung neue Bäume in der betroffenen Gegend anzupflanzen. Ob sie den Schaden damit wiedergutmachen kann, ist fraglich: Umweltschützer Ilha hat bereits mit einer Klage gegen die Verantwortlichen gedroht.

Das ist jetzt der zweite Vorfall dieser Art rund um den Papstbesuch: Erst kürzlich wollte die Kirche in Rio de Janeiro elf Kokosnusspalmen fällen lassen, um mehr Platz für eine Messe von Papst Franziskus zu schaffen. Nach einem öffentlichen Aufschrei wurde die Erlaubnis hierfür allerdings rückgängig gemacht.

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