Aktualisiert 25.12.2006 15:12

Der Papst und sein Suaheli

Wenn der Papst Suaheli spricht, die Gewalt im Nahen Osten kurzzeitig abebbt und Erzfeinde zusammen auf der Kirchenbank sitzen, dann ist Weihnachten. Eindrücke von den Feiern in aller Welt.

Mit Mitternachtsmessen und Gottesdiensten haben Christen in der ganzen Welt Weihnachten gefeiert.

Papst Benedikt XVI. rief in seiner Weihnachtsbotschaft in Rom zu Frieden und Gerechtigkeit in der Welt auf.

Vor Zehntausenden Gläubigen auf dem Petersplatz verwies er am ersten Weihnachtstag vor allem auf die Konflikte und Kriege im Nahen Osten. Er forderte eine Wiederaufnahme des Dialogs zwischen Israelis und Palästinensern.

«Ich hoffe, dass sich im Respekt der unveräusserlichen Rechte der Völker dieser Region Perspektiven für einen gerechten und dauerhaften Frieden eröffnen», sagte er.

Zugleich äusserte der Papst erneut die Hoffnung, in das Heilige Land (Israel und die besetzten Gebiete) reisen zu können. Benedikt XVI. appellierte an die Christen in der Region, «dem Hass und der Rache» zu widerstehen und sich auch nicht zur Flucht ins Exil verleiten zu lassen.

Eindringlich warnte Benedikt die Menschen der Moderne davor, die Auswirkungen des technischen Fortschritts zu überschätzen.

Segen Urbi et Orbi

Bei strahlendem Wetter und frühlingshaften Temperaturen spendete das katholische Kirchenhaupt anschliessend den traditionellen Segen Urbi et Orbi (Der Stadt und dem Erdkreis). Zugleich fügte der Papst die Weihnachtsgrüsse in 62 Sprachen hinzu, darunter auch in Suaheli.

Ausdrücklich verwies das Oberhaupt der Katholiken auf die angespannte Lage in Libanon. «Ich vertraue darauf, dass Libanon nach den vielen Opfern, Zerstörungen und Ungewissheiten in demokratischer Ordnung fortlebt und vorankommt und im Dialog mit den Kulturen und Religionen für die anderen offen ist.»

Zum Irak sagte Benedikt: «Einen Appell richte ich an diejenigen, die das Schicksal des Irak in Händen haben, dass die grausame Gewalt, die das Land mit Blut überzieht, ein Ende nehme und einem jeden Bewohner ein normales Leben gewährleistet werde.» Weiter rief der Papst zum Ende der Konflikte in Sri Lanka und in der westsudanesischen Provinz Darfur auf.

Bereits am frühen Montagmorgen hatte der Papst die traditionelle Christmette im Petersdom gefeiert. Dabei erinnerte er an das Leiden von Millionen Kindern in der Dritten Welt. Er verwies auf die Kindersoldaten, «auf die Kinder, die betteln müssen, auf die Kinder, die darben und hungern» sowie auf «die Kinder, die keine Liebe erfahren.»

Patriarch Sabbah ruft zu Einheit der Palästinenser auf

In Bethlehem rief der lateinische Patriarch von Jerusalem, Michel Sabbah, in der traditionellen Mitternachtsmesse in der Geburtskirche zum Frieden in Nahen Osten auf.

In seiner Predigt fordert Sabbah die Palästinenser auf, die blutigen Auseinandersetzungen zwischen der Fatah von Präsident Mahmud Abbas und der radikalislamischen Hamas von Ministerpräsident Ismail Hanija zu beenden.

Sabbah sagte in Anwesenheit von Abbas, die politischen Führer Israels, der Palästinenser und der internationalen Gemeinschaft sollten Massnahmen ergreifen, um das «Zeitalter des Todes» zu beenden und ein «neues Zeitalter in der Geschichte des Heiligen Landes» beginnen.

Sabbah war am Sonntag an der Spitze einer christlichen Prozession, die aus Jerusalem angereist war, am Nachmittag auf dem Krippenplatz vor der Kirche eingetroffen. Das Oberhaupt der römischen Katholiken im Heiligen Land wurde dort von rund 2000 Menschen erwartet.

(sda)

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